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Euro vs. D-Mark: "Typische Doppelmoral"

Zum fünften Jahrestag des Euro hatte stern.de gefragt, ob die neue Währung schon in den Köpfen angekommen ist. Zwar sehnen viele das alte Geld wieder herbei, aber einige halten die Diskussion Euro vs. D-Mark für verlogen.

Als 13. EU-Staat hat Slowenien zu Jahresbeginn den Euro eingeführt und 70 Prozent der Slowenen begrüßen die neue Währung. Von einer solchen Begeisterung sind die Deutschen weit entfernt. Sehr weit sogar. Selbst als der Euro Anfang 2002 hier zum alleinigen Zahlungsmittel wurde, freute sich gerade einmal ein Drittel der Bevölkerung auf die neuen Münzen und Scheine, wie eine Umfrage damals ergeben hatte.

Mittlerweile, so das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap, glauben sogar 62 Prozent der Deutschen, dass die Euro-Einführung nur Nachteile gebracht habe. Und laut Emnid hält Zweidrittel der Befragten, den Währungswechsel für gänzlich falsch. Fünf Jahre nach seiner Einführung ist der Euro immer noch nicht angekommen im deutschen Alltag.

74 Prozent rechnen noch immer um

Das zeigt auch eine Umfrage von stern.de. Zum Jahreswechsel hatten wir gefragt: Rechnen Sie immer noch im Kopf den Euro noch immer in D-Mark um? Die klare Antwort: 74 Prozent sagen Ja. Also hat die Gemeinschaftswährung sich gerade einmal bei einem Viertel der 1185 Leser, die abgestimmt haben, durchgesetzt.

Schon Mitte Dezember hatte eine Forsa-Umfrage im Auftrag des stern ergeben, dass 58 Prozent der Deutschen lieber wieder die D-Mark als Zahlungsmittel zurück haben würden - wenn sie die freie Wahl hätten. Als Grund dafür werden meistens die gefühlt enormen Preissteigerungen. genannt. Euro gleich Teuro - diese Ansicht vertreten auch eine Reihe von stern.de-Lesern: So schreibt Hartwig Lein, dass 2001 eine kleine Weinschorle in Stuttgart rund 3,60 D-Mark gekostet hat, nach der Währungsumstellung aber rund 2,40 Euro. "Dass der Teuro ins Reich der Märchen gehört, ist selber ein Märchen - und zwar eines ohne Happy-End", so Hartwig Lein.

Gudrun Weidner hatte in ihrem Supermarkt durch Zufall eine Dose Schaumfestiger mit einem D-Mark-Preisschild gefunden: 2.50 D-Mark hatte sie damals gekostet. Kostenpunkt heute: 2,48 Euro. "Es geht nicht nur um den Euro, unbestreitbar hat eine gemeinsame Währung auch Vorteile, dass aber vieles teuerer geworden ist - das ist genauso unbestreitbar", so Gudrun Weidner.

Einige Leser wenden ein, dass Preiserhöhungen mit und ohne Euro stattfinden. "Sunnyboy_1" findet, dass es am Verbraucher liege, den Preis zu bestimmen. "Es liegt aber immer am Verbraucher, sich abzocken zu lassen. Wenn ich für ein Auto oder die Tasse Kaffee den Preis verdopple, und der Verbraucher nimmt das ohne zu zucken hin, ist doch alles wunderbar." Auch RomanTicker nimmt den Euro in Schutz: "Wer heute noch die Preise mit alten D-Mark-Preisen von 2002 vergleicht, der macht nicht nur eine Milchmädchenrechnung sondern auch Selbsttäuschung. Auch vor dem Euro gab es Inflation, Preissteigerungen bei bestimmten Waren und Preissenkungen bei anderen Waren. Das ist heute noch genauso."

Diskussion spiegelt "Doppelmoral"

Der Nutzer Hevosenkuva stellt sich auf die Seite der Euro-Befürworter und findet, die ganze Diskussion spiegele eine "typische Doppelmoral" wider: "Alle Ausgaben wie Einkäufe oder Steuern werden in D-Mark umgerechnet, alle Einnahmen wie Gehalt oder Hartz-IV aber in Euro belassen. Kein Wunder, dass der Euro da die "schlechtere" Währung bleibt. Ein Beispiel für die typische Doppelmoral des mündigen Bürgers: Über alle anderen schimpfen - und selbst die Schlupflöcher nutzen wo es nur geht."

Zusammenstellung: Niels Kruse