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Finanzberatung: Banken verschleiern ihre Provisionen

Banken und Sparkassen verschweigen ihren Kunden bei Geldgeschäften die Provisionen - trotz anderslautender Vorschriften. Das werfen die Verbraucherzentralen den Finanzinstituten vor.

Eigentlich ist die Vorschrift beim Verkauf von Finanzprodukten eindeutig: Geldhäuser müssen offenlegen, in welcher Höhe sie an Provisionen verdienen. Doch die Praxis sieht anders aus: Von vielen Banken und Sparkassen werden die Verbraucher über die kassierten Summen im Dunkeln gelassen, beklagen Verbraucherschützer. Mehr als die Hälfte der Institute verweigerte ihren Kunden dazu völlig oder teilweise entsprechende Auskünfte, kritisiert der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv).

Die Verbraucherschützer stützen ihre Vorwürfe auf 280 Bankkunden, die um Offenlegung der Provisionen gebeten hatten. In 172 Fällen liegen die Antworten der Banken vor. "Nur vier Geldinstitute legten die Vergütungen in klarer, verständlicher und eindeutiger Weise offen, das heißt in Euro und Cent", kritisiert vzbv-Vorstand Gerd Billen. Stattdessen würden die Gebühren häufig nur "in Prozent von irgendwas" angegeben.

In über der Hälfte der Schreiben werde die Auskunft über die Provisionen ganz oder teilweise verweigert, so die Verbraucherschützer. Die Begründungen dafür reichten vom Hinweis auf den hohen Arbeitsaufwand bis zum Verweis auf Informationen im Internet. In rund einem Drittel der untersuchten Fälle informierten Banken und Sparkassen zwar über Provisionen, allerdings größtenteils unzureichend.

"Banken müssen sich an Recht und Gesetz halten"

Die Informationspraxis der Geldinstitute nennt Billen "ein Trauerspiel". Für Verbraucher sei der Kauf von Wertpapieren wie Aktien, Investmentfonds oder Zertifikaten "ein Vertrauensgeschäft". Nur in Kenntnis der Provision könne ein Kunde abwägen, ob ihm ein Produkt verkauft wird, weil die Bank sehr viel daran verdiene oder weil es für ihn tatsächlich den größten Nutzen habe. "Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht muss sicherstellen, dass sich die Banken an Recht und Gesetz halten", fordert Billen.

In einem Viertel der Fälle hätten die Kreditinstitute die Offenlegung der Provisionen mit der Begründung abgelehnt, beim Produktvertrieb habe es sich um Festpreisgeschäfte gehandelt, teilten die Verbraucherzentralen mit. Das bedeutet, dass sie Wertpapiere auf eigene Rechnung kaufen und dann aus dem Bestand weiterverkaufen. Klassischerweise würden Provisionen aber nur bei Kommissionsgeschäften fällig, bei denen die Bank Wertpapiere auf Rechnung des Kunden auf dem Markt kauft. Der vzbv äußerte allerdings Zweifel, ob es sich bei den untersuchten Fällen tatsächlich um Festpreisgeschäfte gehandelt habe.

Zudem hätten die Banken auch bei Festpreisgeschäften ein Eigeninteresse, das der Kunden erkennen können sollte. Bislang zwingt die Rechtsprechung Banken nur zur Veröffentlichung von Provisionen. Der Bundesgerichtshof hatte 2006 entschieden, dass Verbraucher erfahren müssen, welche Vergütungen Banken für eine Finanzvermittlung erhalten.

pen/dpa/Reuters / Reuters