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Ein Jahr Bestellerprinzip: Weniger Provision, mehr Tricks: So wirken die neuen Maklerregeln

Seit einem Jahr gilt das Bestellerprinzip für Makler. Was hat sich verändert? Vor allem müssen sich viele Makler seitdem mit weniger Provision zufrieden geben. Es sei denn, sie greifen in die Trickkiste. 

Makler Immobilienanzeige

Die Courtage müssen sich Makler nun meist von den Vermietern holen

Ein Jahr ist es nun her, dass die Spielregeln für Makler sich grundlegend geändert haben. Das sogenannte Bestellerprinzip besagt, dass nur noch derjenige den Makler bezahlen muss, der ihn beauftragt. Mieter in Städten wie Hamburg und München freuen sich, dass sie endlich nicht mehr die obligatorischen 2,38 Nettokaltmieten abdrücken müssen. Die Makler dagegen beklagen den Wegfall eines lukrativen Geschäftsmodells.

Denn tatsächlich können die Makler den Höchsttarif von 2,38 Monatsmieten – in vielen Städten gleichzeitig auch der Standardtarif – kaum mehr durchsetzen. Laut dem Maklerverband IVD müssen sich mehr als 70 Prozent der Makler mit reduzierten Honoraren von maximal 1,5 Monatsmieten begnügen. Wenn sie denn überhaupt beauftragt werden. Viele haben sich weitgehend aus dem Bereich Vermietung zurückgezogen, für einige sei die Situation existenzbedrohend. "Gut 70 Prozent haben sich neu ausgerichtet und auf den Verkauf konzentriert", sagte die IVD-Bundesgeschäftsführerin Sun Jensch der DPA.

Makler müssen mehr leisten

Viele Makler haben sich mit der neuen Situation aber offenbar arrangiert. Laut einer aktuellen Umfrage des Portals Immowelt geben nur 19 Prozent der Makler an, stark vom Bestellerprinzip betroffen zu sein. Im August lag der Wert noch bei 37 Prozent. Jeder Vierte sagt sogar, überhaupt nicht betroffen zu sein, etwa weil der Vermieter bereits vorher die Provision zahlte oder weil er gar nicht vermietet.

Weiterhin Erfolg im Vermietungsgeschäft haben nur diejenigen, die mehr leisten als lediglich die Tür für die Besichtigung aufzuschließen und dem Vermieter anschließend die ausgefüllten Bewerberbögen zu faxen. Laut einer Umfrage von Immobilienscout24 schätzen Eigentümer besonders Makler mit Rundumsorglos-Paket: Dass der Makler sich um die komplette Transaktion kümmert, ist der Hauptgrund für die Eigentümer, einen Makler zu beauftragen. Auch eine qualifizierte Vorauswahl der Bewerber durch den Makler schätzen die Vermieter. Knapp 23 Prozent der Eigentümer, die einen Makler beauftragten, gaben an, dass diese ihre Provisionen reduziert hätten.

Neue Anbieter und schwarze Schafe

Die veränderte Ausgangslage bringt Bewegung in den Markt. Einige Makler mussten aufgeben, dafür betreten neue Anbieter die Bühne. Das Berliner Startup McMakler bietet Vermietern individuelle Komplettlösungen an. Neue Plattformen wie Housey oder Wunderagent bringen Mieter und Vermieter gegen Provision auf digitalem Weg zusammen.  

Allerdings: Nicht alle neuen Geschäftsmodelle sind auch legal. Manche dienen lediglich dazu, das Bestellerprinzip hintenrum auszuhebeln. So verlangen manche Makler unzulässige Bearbeitungsgebühren und Aufwandsentschädigungen, zum Beispiel für die Zusendung des Exposés. Eine weitere Masche: Die Wohnung wird nur an Interessenten vermietet, die den Makler im Anschluss an die Wohnungsbesichtigung pro forma mit der Suche beauftragen.

Ein Hamburger Makler machte es nochmal anders: Er lockte Wohnungssucher auf eine Webseite mit Angeboten, die sich bei Nachfrage als nicht aktuell herausstellten. Um tatsächlich verfügbare Angebote zu erhalten, musste der Mieter den Makler erst kostenpflichtig beauftragen.

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