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Immobilienmarkt: Die neuen Tricks der Makler

Seit einem Jahr gilt das Bestellerprinzip - und macht das Geschäft der Wohnungsvermittler beschwerlich. Sie suchen Auswege, oft illegal.

Mieterin Catharina Kudlik

Catharina Kudlik, 28, und Freund in ihrer neuen Wohnung

Ein Blick - und schon war klar: Das ist die Traumwohnung. 77 Quadratmeter in Bremen-Mitte, Balkon, Weserblick, 650 Euro. Catharina Kudlik und Andrej Wiebe klickten sich durch die Fotos auf der Webseite von Nordwind Immobilien. "Courtage: 2,38-fache Kaltmiete", stand da. Wie das? Eigentlich muss inzwischen derjenige die Courtage bezahlen, der den Makler beauftragt. "Auslegungssache", antwortete die Maklerin beim Besichtigungstermin ein paar Tage später, wie sich Kudlik erinnert. Zur Miete kämen "unsere Kosten" dazu. Nach Abschluss des Mietvertrags forderte sie 1000 Euro Courtage.

Die Makler sind kreativ, seit die Bundesregierung am 1. Juni 2015 das sogenannte Bestellerprinzip eingeführt hat. Rund eine halbe Milliarde Euro Courtage strichen sie laut Bundesfinanzministerium jedes Jahr ein. Nun müssen sie in der Regel mit den Wohnungseigentümern abrechnen. Und das ist mühsam. 84 Prozent der Makler klagen über sinkende Einnahmen, jeder dritte muss mit der Hälfte auskommen.

Illegale Forderungen

Vor allem in den gefragten Ballungsgebieten wird darum getrickst und getäuscht. Oft nutzen die Makler die Wohnungsnot aus und stellen illegale Forderungen. Vom angedrohten Bußgeld, das je nach Verstoß gegen das Wohnungsvermittlungsgesetz bis zu 25.000 Euro betragen kann, lassen sich offenbar nicht alle abschrecken. Und leider nähmen viele Menschen die unrechtmäßigen Aufschläge hin, sagt Anja Franz vom Mieterverein München: "Die Leute sind einfach nur froh, dass sie überhaupt eine Wohnung gekriegt haben."

Auch Catharina Kudlik und ihr Freund erhielten bei ihrer Suche einige unseriöse Angebote. Meist griffen die Makler zum beliebtesten Trick: dem fingierten Suchauftrag. Kudlik beschreibt ihn so: "Man ruft auf eine Wohnung an, die im Internet steht, und der Makler sagt: 'Sorry, gerade vermietet, aber ich kann Ihnen eine andere anbieten, dafür müssten Sie mir allerdings einen Suchauftrag unterschreiben.'" Formell ist man damit der Besteller und provisionspflichtig - obwohl der Makler die Wohnung bereits im Portfolio hatte.

Uneinsichtige Makler

Beliebt sind auch Besichtigungs- oder Bearbeitungsgebühren. Wer etwa beim Makler Mika Immobilien (Eigenwerbung: "Dein Nr. 1 Immobilienmakler in Oberhausen") eines der aktuell rund 160 freien Objekte besichtigen will, muss einen Termin buchen. 9,90 Euro kostet das, Zahlung per Paypal kein Problem. Rückfragen per Telefon? Nur über eine kostenpflichtige Nummer. Wenn Mirza Karagic, der "CEO und Founder", dieses Jahr wie im vergangenen rund 420 Wohnungen vermittelt und jede von durchschnittlich fünf Personen angeschaut wird, streicht er fast 21.000 Euro ein. "Wieso erwarten alle, dass die Dienstleistung des Immobilienmaklers umsonst sein muss?", schreibt Karagic per Mail. "Jeder Handwerker nimmt für ein Angebot auch Geld." Ohne eine Gebühr würden seine Leute bei Terminen viel zu oft versetzt.

In anderen Städten sind Makler noch unverfrorener. In München werden manchmal 30 Euro pro Termin verlangt. In Stuttgart fordert ein Makler für Einzeltermine sogar 50 Euro. Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund hält das für illegal: "Die setzen darauf, dass niemand wegen solcher Beträge prozessiert." Makler Karagic schreibt dazu: "Der Mieterbund hat GAR KEINE AHNUNG!"

Gegen schwarze Schafe wehren

Mietexperten und Politiker sprechen angesichts der Makler-Tricks von "Betrug". Sie empfehlen, notfalls vor Gericht zu ziehen und zu klagen. Der bayerische SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post etwa, der maßgeblich am Wohnungsvermittlungsgesetz beteiligt war, rät Betroffenen, keine Angst zu haben. "Das Gesetz ist eindeutig, schlecht ist nur, wenn die Leute sich nicht gegen die schwarzen Schafe wehren."

Man könne sogar gelassen Verträge unterschreiben, die unrechtmäßig eine Courtage verlangen, sagt Mieterbundexperte Ropertz. "Sie stehen rechtlich immer auf der sicheren Seite." Und man habe anschließend drei Jahre Zeit, das Geld vom Makler zurückzufordern.

Catharina Kudlik und ihr Freund leben inzwischen glücklich in ihrer Wohnung mit Weserblick. Sie haben die Courtage nicht gezahlt - ohne Folgen.  "Gut, dass wir hart geblieben sind", sagt Kudlik.

Die Courtage auf der Webseite, behauptet die Maklerfirma Nordwind gegenüber dem stern, sei "für die Leute, die uns beauftragt haben, für sie eine Wohnung zu suchen". Doch wie kann man eine Wohnung suchen, die man schon im Bestand hat?

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