Geldvermögen Hauptsache sicher


Auf fast 4,6 Billionen Euro beläuft sich das Geldvermögen der deutschen Haushalte - Finanzkrise hin oder her. Und davon steckt wiederum nur ein Bruchteil in Aktien, Tendenz sinkend. Wo die Deutschen wirklich ihr Geld parken.

Deutschland gehört zu den reichsten Ländern der Welt -daran hat auch die weltweite Finanzkrise noch nichts geändert. Immerhin verfügten die deutschen Haushalte Ende 2007 über das unglaubliche Geldvermögen von insgesamt 4,564 Billionen Euro. Zehn Jahre zuvor waren es erst 2,962 Billionen Euro. Dabei wird bei dieser Erhebung durch die Deutsche Bundesbank nicht einmal das durchaus erhebliche Immobilienvermögen berücksichtigt.

Risikoscheue Traditionalisten

Trotzdem bleiben die deutschen Sparer risikoscheu: Per Ende 2007 waren über 1,6 Billionen Euro auf Giro- und Tagesgeldkonten, als Festgeld und in verschiedensten Sparformen geparkt - oder schlummern wirklich als Bargeld unter der Matratze. Gut ein Viertel des deutschen Geldvermögens steckt in Lebensversicherungen, bei Pensionskassen, berufsständischen Versorgungswerken sowie in Zusatzversorgungseinrichtungen. Insgesamt 2,8 Billionen Euro - oder über 60 Prozent des gesamten Geldvermögens - ruhen also bei Banken und Versicherungen (siehe Grafik).

Nur knapp neun Prozent des Geldvermögens stecken in Aktien, obwohl eine Aktienanlage in der Vergangenheit langfristig die höchsten Renditen brachte: Immerhin hat sich der Deutsche Aktienindex in den vergangenen 20 Jahren trotz der kräftigen Kursrückschläge der vergangenen Wochen rund versechsfacht. Doch den Deutschen geht Sicherheit offensichtlich vor Rendite.

55.500 Euro pro Kopf

Vom gesamten Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland entfiel im statistischen Durchschnitt auf jeden Einwohner Ende 2007 ein Betrag von etwa 55.500 Euro. Freilich gibt diese Zahl keine Auskunft über die recht ungleichmäßige Verteilung des Geldvermögens in der Bevölkerung.

Für eine vollständige Vermögensbilanz sollte aber auch der Blick auf die Verschuldung nicht fehlen: Zieht man vom Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland die Schulden ab - nach Angaben der Deutschen Bundesbank betrugen Ende 2007 Kredite und sonstigen Verbindlichkeiten 1,547 Billionen Euro - so bleibt unter dem Strich ein beachtliches Nettogeldvermögen von drei Billionen Euro. Dabei wurde der überwiegende Teil der Kredite für den Wohnungsbau aufgenommen, so dass den Krediten auch dementsprechende Immobilienwerte gegenüberstehen.

Weniger Schulden

Bei der Kreditaufnahme zeigten sich die Deutschen in den vergangenen zehn Jahren übrigens zurückhaltender als bei der Bildung von Geldvermögen: Während das Geldvermögen der privaten Haushalte bis 2007 um 1,6 Billionen Euro (54 Prozent) zunahm, stieg die Verschuldung nur um 252 Milliarden Euro (knapp 20 Prozent).

Karin Spitra

Was ist die Einlagensicherung?

Die gesetzliche Einlagensicherung wird in Deutschland durch das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz umgesetzt. Geschützt sind 90 Prozent der Einlagen, maximal jedoch 20.000 Euro pro Person je Bankeinlage. Über diese gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus bieten Banken in vielen Ländern weitere Sicherungen an. In Deutschland sind dies die Einlagensicherungsfonds der jeweiligen Bankenverbände, die weit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus die Einlagen der Kunden schützen.

Private Banken

Durch den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken sind die Guthaben jedes einzelnen Kunden bei den privaten Banken bis zur Höhe von 30 Prozent des maßgeblichen haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank zum Zeitpunkt des letzten veröffentlichten Jahresabschlusses voll gesichert.

Sonderfall Spar- und Genossenschaftsbanken

Ausnahmen stellen die Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Genossenschaftsbanken dar. Hier sind die Einlagen (in voller Höhe) indirekt gesichert, da die Institute selbst vor einem Zusammenbruch geschützt sind. Die Körperschaften (z.B. Städte, Gemeinden), die die Banken eingerichtet haben, wenden eine drohende Pleite durch Sanierung ab und sichern dadurch die Gelder. Zusätzlich haben die regionalen Sparkassen- und Giroverbände Stützungsfonds gebildet, und eine Sicherungsreserve liegt bei den Landesbanken und Girozentralen.

Welche Einlagen werden geschützt?

Der Einlagensicherungsfonds schützt alle "Nichtbankeneinlagen", also die Guthaben von Privatpersonen, Wirtschaftsunternehmen und öffentlichen Stellen.

Bei den geschützten Einlagen handelt es sich im Wesentlichen um Sicht-, Termin- und Spareinlagen und auf den Namen lautende Sparbriefe. Verbindlichkeiten, über die eine Bank Inhaberpapiere ausgestellt hat, wie zum Beispiel Inhaberschuldverschreibungen und Inhabereinlagenzertifikate, werden dagegen nicht geschützt.

Spar-, Sicht- und Termineinlagen

Sichteinlagen

Damit sind Einlagen bei Kreditinstituten gemeint, über die 'bei Sicht' unbeschränkt verfügt werden kann (z.B. Tagesgeld). Das heißt, es gibt für Sichteinlagen keine Kündigungsfristen, sie sind (bank-)täglich verfügbar. Auch Einlagen mit einer Kündigungsfrist von weniger als einem Monat oder einer Laufzeit unter 30 Tagen werden als Sichteinlagen bezeichnet.

Termingeld

Termingeld oder Termineinlagen sind Geldanlagen, die für eine befristete Zeit angelegt werden. Dabei werden zwei Typen unterschieden:
- Festgelder, welche eine feste Laufzeit haben. Am Ende der Laufzeit können sie entweder als Sichteinlage weitergeführt werden oder aber prolongiert (verlängert) werden. Bei Prolongation gilt meist der aktuelle Zinssatz. Die Zinsen werden am Ende der Laufzeit gutgeschrieben.
- Kündigungsgelder haben eine festgelegte Kündigungsfrist. Eine Verfügung der Gelder ist damit erst nach Kündigung und Ablauf der Kündigungsfrist möglich. Beim Kündigungsgeld ist der Zinssatz variabel, sofern vertraglich nicht anders festgelegt. Die Zinsen werden nach Kündigung oder Fälligkeit gutgeschrieben.

Spareinlagen

Dazu gehören Sparbuch, Sparbrief (ein festverzinsliches Anlageprodukt einer Bank), vermögenswirksamer Sparvertrag, Prämiensparen und Sparpläne.


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