Geldwert Der zweite Preisschock kommt bestimmt


Teures Öl treibt in vielen Branchen die Kosten hoch - was Verbraucher noch nicht merken.

Teures Öl treibt in vielen Branchen die Kosten hoch - was Verbraucher noch nicht merken

Die steigenden Rohölpreise machen sich nicht nur an der Tankstelle bemerkbar. Vom Joghurtbecher im Supermarkt bis zum neuen Auto - Erdöl wird bei der Herstellung von zahlreichen Produkten gebraucht. Das treibt die Kosten und damit die Verbraucherpreise - allerdings zum Teil mit jahrelanger Verzögerung. Über drei Hebel kommen die hohen Ölpreise bei den Endkunden an:

1. Wärmeenergie

Am direktesten ist der Zusammenhang beim Heizöl. Seit Mitte Januar sind die Literpreise für Endverbraucher um rund 30 Prozent auf knapp 40 Cent gestiegen. Beim Erdgas, dessen Preis an den Ölpreis gekoppelt ist, setzt die Teuerung erst mit Zeitverzögerung ein. Die Ruhrgas AG, die viele Stadtwerke mit Gas versorgt, hat zum 1. Oktober eine Preiserhöhung um bis zu acht Prozent angekündigt. Experten rechnen damit, dass dieser Anstieg drei bis sechs Monate später beim Kunden ankommt. Bei der Stromproduktion in Deutschland beträgt der Anteil von Erdöl und Erdgas insgesamt zwar nur knapp zehn Prozent, dennoch könnte sich mittelfristig auch der Strompreis erhöhen: aufgrund der derzeit ebenfalls weltweit steigenden Kohlepreise.

2. Verkehr

Air France, KLM und Swiss haben ihre Preise bereits angehoben, je nach Strecke um mehrere Prozent. Die Lufthansa kommt noch ohne Tarifsteigerungen aus. Ihre Kerosinpreise, die rund zehn bis 15 Prozent aller laufenden Kosten ausmachen, sind langfristig abgesichert. Lufthansa-Cargo dagegen hat den Spritzuschlag je Kilo Fracht inzwischen von 15 auf 25 Cent erhöht. Von den gestiegenen Ölpreisen besonders hart getroffen sind Spediteure. Ein Fünftel ihrer laufenden Kosten entfällt auf Dieseltreibstoff für ihre Lkws. Die meisten Speditionsfirmen können die Mehrausgaben aufgrund der schwachen Konjunktur und des harten Wettbewerbs in der Branche nicht weitergeben. Erst mittelfristig, heißt es beim Bundesverband Güterkraftverkehr, werde sich das ändern. Ähnlich frustriert sind die Taxifahrer: Da sowieso immer weniger Fahrgäste ihre Dienste nutzen, ist an Preiserhöhungen nicht zu denken.

3. Rohstoffe

Besonders abhängig vom Erdöl ist traditionell die Chemieindustrie. Sie verbraucht im Jahr rund 20 Millionen Tonnen Rohöl, um daraus Chemikalien und Kunststoffe zu gewinnen. Der Preisanstieg kostet die Branche rund eine Milliarde Euro jährlich. Weitergeben lassen sich diese Kosten erst in einigen Monaten oder sogar Jahren, aufgrund der langfristigen Abnehmerverträge. Besonders hart trifft es die Kunststoff verarbeitende Industrie. Wenn bei ihr die höheren Rohstoffpreise eintreffen, werden die meist mittelständischen Unternehmen wohl auf den Kosten sitzen bleiben, denn ihre mächtigen Abnehmer - große Handelsketten etwa oder Autokonzerne - schalten auf stur. So wird der Kunde ein bisschen geschont, dafür könnte die Pleitewelle im Mittelstand ansteigen.

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