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Vorsicht vor diesen Tricks: Wie Mobilfunkanbieter Kunden Handyverträge aufquatschen

Viele Mobilfunkkunden lassen sich Handyverträge aufquatschen, die sie schon im nächsten Moment lieber wieder los wären. Dr. Bernd Storm van's Gravesande vom Verbraucherportal "aboalarm" kennt die Tricks der Mobilfunkanbieter und erklärt, wie Kunden aus dem Vertrag rauskommen.

Mit allerlei Maschen locken Mobilfunkanbieter unvorsichtige Kunden in teure Verträge

Mit allerlei Maschen locken Mobilfunkanbieter unvorsichtige Kunden in teure Verträge

Ein Handyvertrag ist schnell abgeschlossen: Nur ein Klick auf ein verlockendes Werbebanner, weil der günstige Preis einen dazu hinreißen ließ, ohne auf die Konditionen genau zu achten - und zack, Kunde. Oder aber ein freundlicher Callcenter-Mitarbeiter überredete einen dazu, den neuen Tarif auszuprobieren. Oft merken Verbraucher erst hinterher, dass sie den Vertrag gar nicht brauchen oder dass er doch nicht so günstig ist, wie zunächst angenommen.

Besonders erfinderisch sind Mobilfunkanbieter auch, wenn es darum geht, ihre Kunden möglichst lange an sich zu binden. Selbst wenn diese ihren Vertrag gekündigt haben, versuchen die Anbieter mit vielen Tricks eine Vertragsverlängerung zu erwirken. Die Bandbreite der fiesen Maschen ist dabei besonders groß.

Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.

Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.

Dubiose Angebote vom Callcenter

Zum einen kontaktieren Mobilfunkanbieter ihre Kunden gerne per Post, um ihnen mitzuteilen, dass es bei der Kündigung ungeklärte Fragen gibt. Der Kunde soll dann schnellstmöglich zurückrufen, um das Problem zu lösen. Wählt der ahnungslose Kunde dann die angegebene Nummer, bekommt er vom Callcenter-Agenten ein ganz exklusives Angebot unterbreitet, das besonders günstig, aber nur an dem Tag gültig ist. 

Der Kunde fühlt sich in einer solchen Situation schnell bedrängt und überrumpelt, hat sich möglicherweise vorher noch nicht über Alternativen informiert und stimmt den "Super-Konditionen" des netten Callcenter-Mitarbeiters gutgläubig zu. Und schon wieder ist er für 24 Monate in einem ungewollten Vertragsverhältnis gefangen.

Falsche Versprechungen am Telefon

Unsere Nutzer berichten, dass die am Telefon gemachten Versprechungen häufig gar nicht stimmen, nur unter bestimmten Bedingungen erfüllt werden oder lediglich für eine begrenzte Zeit gültig sind. So wird dem Kunden zum Beispiel eine Extra-Sim-Karte mit attraktivem Datentarif als kostenlos verkauft, nach drei gebührenfreien Monaten werden aber plötzlich Kosten erhoben - überraschend für den Kunden, denn der Callcenter-Mitarbeiter erwähnte davon nichts. Oder die entsprechenden Klauseln wurden so schnell heruntergerattert, dass der Kunde gar keine Möglichkeit hatte, die Vertragsbedingungen richtig zu erfassen.

Tatsache ist, dass vielen Menschen am Ende eines Telefongesprächs gar nicht bewusst ist, dass sie einen bindenden Vertrag abgeschlossen haben. Doch auch am Telefon geschlossene Verträge sind rechtskräftig. Allerdings haben Kunden laut Gesetz die Möglichkeit, den Vertrag binnen zwei Wochen zu widerrufen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Widerrufsrecht:

Wann kann ich meinen Mobilfunkvertrag widerrufen?

Um einen Mobilfunkvertrag widerrufen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Diese sind im § 355 BGB und im  § 312 d BGB geregelt. Mit einfachen Worten zusammengefasst, müssen folgende Bedingungen zutreffen:

1. Derjenige, der den Vertrag abschloss, ist ein Verbraucher und handelt nicht im Namen eines Unternehmens.

2. Er oder sie hat den Mobilfunkvertrag im Internet, am Telefon, per Post, per Fax, in der Öffentlichkeit, in seiner oder ihrer Wohnung oder an der Haustür abgeschlossen. Achtung: Beim Abschluss in den Geschäftsräumen des Anbieters (z.B. in einer Filiale) ist der Widerruf nicht möglich!

Es ist ein häufiger Irrglaube, dass ein Mobilfunkvertrag nicht widerrufen werden kann, wenn er schon genutzt wurde. Das Einlegen der SIM-Karte bringt das Widerrufsrecht nicht zum Erlöschen. Selbst wenn Verbraucher mit dem neuen Vertrag bereits telefoniert haben, können sie sich aus dem Vertragsverhältnis immer noch lösen. Allerdings muss der Kunde im Falle eines Widerrufs, die verbrauchten Leistungen anteilig bezahlen. 

Wann beginnt die Widerrufsfrist?

Sind die oben genannten Voraussetzungen erfüllt, haben Verbraucher laut § 355 BGB 14 Tage Zeit, um von ihrem Widerrufsrecht Gebrauch zu machen. Die Frist beginnt, sobald der Nutzer vom Anbieter über sein Widerrufsrecht informiert wurde, zum Beispiel per E-Mail oder in den Unterlagen, die er von seinem Mobilfunkbetreiber zugeschickt bekommen hat. "Der Verbraucher muss mit dieser Belehrung ausreichend über sein Recht zum Widerruf belehrt werden. Eine Belehrung zum Beispiel auf einer Internetseite reicht dafür nicht aus, weil damit nicht die Textform gewahrt ist", sagt der Fachanwalt für IT-Recht Holger Loos. "Die Belehrung muss auch dem gesetzlich geforderten Umfang genügen und entsprechend klar sein. Hierbei begehen Anbieter immer wieder Fehler. Der Anbieter ist im Übrigen in der Beweispflicht, dass Sie die korrekte Widerrufsbelehrung erhalten haben."  

Gibt es bei der Widerrufsfrist Ausnahmen und Sonderfälle?

Ja. Wenn Verbraucher von ihrem Anbieter keine Widerrufsbelehrung bekommen, verlängert sich die Widerrufsfrist um ganze 12 Monate. Nach den regulären 14 Tagen hätten sie in einem solchen Fall also nochmal ein Jahr Zeit, um ihren Vertrag zu widerrufen.

Mobilfunkvertrag widerrufen: Wie gehen Verbraucher am besten vor?

Sobald Verbraucher nach mündlichem oder schriftlichem Vertragsabschluss von ihrem Mobilfunkprovider per E-Mail oder Post Unterlagen erhalten, sollten sie überprüfen, ob sich die Widerrufsbelehrung darin befindet. Hat der Anbieter den Vertragsnehmer ordnungsgemäß und deutlich über das Widerrufsrecht informiert, beginnen ab diesem Moment die 14 Tage Widerrufsfrist.

In welcher Form muss der Widerruf erfolgen?

Das neue Widerrufsrecht ab Juni 2014 legt fest, dass der Widerruf nicht mehr in Textform erfolgen muss. Jeder Verbraucher kann seinen Vertrag also auch am Telefon widerrufen. Hier sollten sie jedoch vorsichtig sein, denn ein Widerruf per Telefon lässt sich nur schwer beweisen. Wir raten daher dazu, auf Nummer sicher zu gehen und per Post, E-Mail oder aboalarm-Fax zu widerrufen."

Unser Gastautor Dr. Bernd Storm van's Gravesande ist Mitgründer und Geschäftsführer des Online-Kündigungsdienstes aboalarm 

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