Hauptversammlung "Es gibt keine Alternative"

Der erste Schritt zur Abwendung einer Pleite des Medienkonzerns EM.TV ist getan: Die Aktionäre stimmten einer möglichen Vergleichsregelung mit den Gläubigern zu. Die sollen 60 Prozent der Aktien erhalten.

Die Aktionäre des von der Pleite bedrohten Medienunternehmens EM.TV wollen den Gläubigern die Mehrheit überlassen. Mit einer Mehrheit von 99,9 Prozent stimmte die außerordentliche Hauptversammlung in München dem Rettungsplan zu. Die ebenfalls notwendige Zustimmung der Gläubiger ist aber weiter offen.

EM.TV kann eine Anleihe über 469 Millionen Euro nicht mehr zurückzahlen. Der Rettungsplan sieht vor, dass die Anleihe-Gläubiger auf gut die Hälfte verzichten, dafür aber 60 Prozent der Aktien einer Neuen EM.TV erhalten. Der Vorstandschef und Hauptaktionär Werner Klatten hatte die 1.000 versammelten Anteilseigner beschworen, nur so könne die in wenigen Wochen drohende Insolvenz abgewendet werden.

Es geht ums Überleben

Bei einer Insolvenz stünden die Aktionäre mit völlig leeren Händen da, warnte der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), Klaus Schneider. Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte, die schwer gebeutelten Aktionäre müssten jetzt "noch einmal richtig bluten". Sie hielten künftig nur noch 40 Prozent. Aber es gehe ums schiere Überleben ihres Unternehmens: "Es gibt keine Alternative."

Hoffnung auf Gewinne ab 2005

Vorstandschef Klatten sagte, ohne den "Mühlstein" der Anleihe werde EM.TV "ein komplett saniertes Unternehmen mit attraktiven Perspektiven" sein. Ab 2005 werde es "endlich Gewinne" machen.

Die Zitterpartie geht allerdings noch weiter: Klatten erklärte, bis Ende Januar hätten erst gut 90 Prozent der Gläubiger dem Rettungsplan zugestimmt. Notwendig seien aber 97,5 Prozent. Sonst sei die Insolvenz doch noch unausweichlich. Die Frist läuft in einer Woche ab, könnte aber noch einmal verlängert werden.

"Drückebergerei" bei den Haffa-Brüdern

Hart gingen Bergdolt und Schneider mit den EM.TV-Gründern und Großaktionären Thomas und Florian Haffa ins Gericht. Sie hätten "durch die Scheinwelt von EM.TV Hunderte von Millionen Euro Vermögen gemacht", die Firma aber mit zwei Milliarden Euro Verlust und vernichteten Aktienwerten zurück gelassen. Unter dem Beifall der Aktionäre warf Bergdolt den Haffa-Brüdern verantwortungslose Drückebergerei vor. Honorige Kaufleute hätten ihrer Firma wenigstens ein zinsloses Darlehen gewährt.

Die Aktionärsschützer kritisierten auch, dass die Gläubiger besser wegkämen. "Sie bekommen rund 220 Millionen plus 60 Prozent von EM.TV, also rund 300 Millionen oder zwei Drittel ihrer Anleihe", rechnete Schneider vor. Klatten - der selbst 24,8 Prozent an EM.TV hält - sagte, ein besserer Kompromiss sei bei den Verhandlungen nicht drin gewesen.

AP AP

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