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Insolvenzen: Neuer Rekord bei Verbraucherpleiten

Dank der guten Konjunktur ist im letzten Jahr die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland und Europa deutlich gesunken. Leider gilt das nicht für die Verbraucherpleiten: 2006 meldeten 121.800 Menschen ihren privaten Bankrott - ein dramatischer Zuwachs.

Die Pleitewelle in der deutschen Wirtschaft geht durch den Konjunkturaufschwung stark zurück. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen nahm 2006 um 15,1 Prozent auf 31.300 ab, teilte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Donnerstag in Düsseldorf mit. Das wäre der niedrigste Stand seit sechs Jahren. Diese Marke wurde zuletzt im Jahr 2000 unterschritten, als 28.200 Firmen Pleite gegangen waren. Ein umgekehrtes Bild zeigt sich dagegen bei den Privatinsolvenzen: Insgesamt meldeten 121.800 Menschen laut Creditreform 2006 ihren wirtschaftlichen Bankrott an, ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ein Europavergleich von Creditreform zeigt: Nur in Dänemark war der Rückgang der Firmenpleiten im vergangenen Jahr noch ausgeprägter. Insgesamt liegt die Insolvenzrate in Deutschland allerdings im EU-Vergleich noch immer überdurchschnittlich hoch, wie Creditreform-Vorstand Helmut Rödl betonte. Und eine nachhaltige weitere Besserung ist offenbar nicht in Sicht.

Firmenpleiten könnten wieder ansteigen

Denn schon in der zweiten Hälfte dieses Jahres dürfte nach Einschätzung von Creditreform der Rückgang der Insolvenzen zum Stillstand kommen. Möglicherweise werde die Zahl der Firmenpleiten sogar wieder zunehmen. Denn der derzeitige Anstieg der Zinsen werde vor allem mittelständischen Unternehmen zunehmend Probleme bereiten, prognostizierte Rödl.

Sind Sie überschuldet?

Die Zahl der Insolvenzen von Verbrauchern stieg 2006 trotz der konjunkturellen Erholung in Deutschland weiter drastisch an und erhöhte sich um 22,1 Prozent auf 121.800 Betroffene. Damit liegt Deutschland sowohl bei der Zunahme der Privatinsolvenzen als auch bei der Privatinsolvenzquote europaweit auf Rang zwei hinter Großbritannien. Auch 2007 rechnet Creditreform mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Privatpleiten.

7,2 Millionen Personen sind überschuldet

Denn in Deutschland seien 7,2 Millionen Personen überschuldet. Die Verbraucherinsolvenzen zeigten deshalb bislang nur die Spitze des Eisbergs. Die Mehrheit der überschuldeten Privathaushalte in den neuen Bundesländern hat Creditreform zufolge Schulden unter 10.000 Euro. In den alten Bundesländern liegt die Summe in der Regel zwischen 10.000 und 25.000 Euro. Im laufenden Jahr erwartet die Wirtschaftsauskunftei in Deutschland eine Zunahme der Pleiten von 153.000 auf bis zu 177.000.

Die Ursachen der Überschuldung sind unterdessen europaweit gleich: "Insbesondere Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit und zu hohe Kreditverpflichtungen im Verhältnis zum Einkommen sind die Hauptgründe, sagte Rödel. In Deutschland seien die überschuldeten Haushalte im Schnitt zwischen 10.000 und 25.000 Euro im Westen sowie 10.000 Euro im Osten in den roten Zahlen.

DPA/AP/DDP / AP / DPA