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Interview mit Peter Krämer: "Wer gut verdient, muss mehr abgeben"

Der Hamburger Reeder und Millionär Peter Krämer fordert seit Jahren höhere Steuern für Reiche - und eckt mit seinen Ideen nicht zuletzt bei seinen Berufskollegen immer wieder an. Mit stern.de sprach er über steigende Gewinne und sinkende Realeinkommen.

Herr Krämer, zahlen Sie eigentlich gerne viel Steuern?

Nein, aber ich bin Teil des Gemeinwesens und jeder hat seine Pflicht zu erfüllen. Es ist doch klar, dass Reiche mehr zahlen müssen als Arme.

Haben Sie Verständnis für Menschen wie Klaus Zumwinkel, die viel zahlen, aber einen Teil Ihrer Einkünfte verheimlichen?

Herrn Zumwinkel verstehe ich nicht: Wie kann ein Mann in seiner Position so etwas tun? Der hat doch ein Vielfaches des Geldes, das er ausgeben kann. Man fragt sich, in welchem Wertesystem dieser Mann lebt. Ich sehe bei diesem Fall aber auch ein Versagen der Politik: Die muss die Leitlinien unseres Zusammenlebens auch den Reichen vermitteln.

Wie meinen Sie das?

Als der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Agenda 2010 inklusive der Hartz-Reformen vorgestellt hat, hätte er auch die Vermögenden einbinden müssen. Auch sie hätten Opfer bringen müssen. Das wäre möglich gewesen, wenn Schröder Ziele gesetzt hätte, etwa dass Deutschland in zehn Jahren in Sachen Bildung und Schule unter den drei besten Staaten Europas sein muss. Dafür hätten die meisten Verständnis gehabt. Motto: Wir sind ein Deutschland.

Das klingt ein bisschen nach John F. Kennedy, der sagte: Frag, was Du für Dein Land tun kannst...

...oder heute nach Barack Obama, den ich sehr bewundere. Wir brauchen einen Aufbruch. Der Staat muss wieder ethisches Verhalten vorleben und aktive Mitarbeit von allen Bürgern einfordern.

Was heißt das konkret?

Man kann nicht Hartz IV beschließen und die Vermögenssteuer nicht wieder einführen, die Unternehmenssteuern senken und bei Erbschaften mit die niedrigsten Tarife in Europa haben. Die Steuersätze für Erben sind lächerlich. Und die 0,6 Prozent Vermögenssteuer für Reiche, die wir früher hatten, wären doch auch heute ganz in Ordnung.

Mit solchen Forderungen ecken Sie bei anderen Millionären sicher oft an?

Natürlich. Die meisten, glücklicherweise nicht alle, empfinden Steuerzahlungen als eine Zumutung. Dies gilt auch für manche meiner Reederkollegen. Weil Schiffsfinanzierungen ein beliebtes Steuersparmodell sind? Genau. Aber eine Gesellschaft muss im Gleichgewicht sein: Wer gut verdient, muss auch bereit sein, entsprechend mehr davon abzugeben. Sonst kommt es zu Verwerfungen. Ich wundere mich bereits, wie duldsam große Teile der Bevölkerung sind. Steuerhinterziehung gilt vielen als Kavaliersdelikt - manche sprechen sogar verniedlichend von Spielregeln –, es handelt sich aber um eine Straftat, besonders wenn man sie in großem Stil über geheime Stiftungen im Ausland betreibt.

Also fordern Sie harte Strafen für Zumwinkel und Co.?

Natürlich. Aber es ist mir zu einfach, dass ein paar Leute vorgeführt werden. Die Regierung muss vor allem Moral einfordern. Sie muss die Schlupflöcher für die Reichen im Steuersystem schließen. Die Gewinne sprudeln, aber die normalen Arbeitnehmer haben seit Jahren keine Reallohnerhöhungen mehr erhalten.

Interview: Jan Boris Wintzenburg