Keine Besserung in Sicht Wirtschaftskrise belastet Bauern schwer


Die Wirtschaftskrise hat den Bauern schwer zu schaffen gemacht. Im "schlechtesten Jahr" in diesem Jahrzehnt seien die Gewinne um ein Viertel, bei den Milchbauern sogar um 45 Prozent eingebrochen, sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner am Donnerstag in Berlin.

Die Wirtschaftskrise hat den Bauern schwer zu schaffen gemacht. Im "schlechtesten Jahr" in diesem Jahrzehnt seien die Gewinne um ein Viertel, bei den Milchbauern sogar um 45 Prozent eingebrochen, sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner am Donnerstag in Berlin. Er sprach sich dabei für einen Erhalt der europäischen Agrarpolitik aus, gegen deren deutliche Kürzung in Paris auch 22 EU-Länder in Paris mobil machten.

Die Lage sei in vielen der insgesamt 19.100 vom Deutschen Bauernverband (DBV) befragten Betriebe "äußerst schwierig", sagte Sonnleitner. Auch im Ackerbau seien die Gewinne nach Abzug der Betriebskosten der Höfe im Wirtschaftsjahr 2008/2009 um 18 Prozent zurückgegangen. Vergleichsweise gut standen laut DBV die Schweinehalter im Zeitraum von Juli 2008 und Juni 2009 da - diese hatten im Vorjahr aber einen herben Einbruch zu verzeichnen gehabt. Ökobetriebe fuhren im Schnitt ein Minus von zehn Prozent ein.

Auch für das laufende Wirtschaftsjahr bis Juni 2010 sei keine Besserung zu erwarten, sagte Sonnleitner. Die Preise für landwirtschaftliche Produkte seien weiter "unter Druck". Der DBV-Präsident bezeichnete die Einkommenssituation bei den Milchbauern als weiter "sehr schlecht", auch wenn es zu einer leichten Erholung gekommen sei. Er schloss sich nicht der Forderung des Milchbauernverbandes BDM an nach einem Beibehalten der Milchquote in der EU an.

Sonnleitner forderte aber, die Hilfen im Rahmen der europäischen Agrarpolitik aufrecht zu erhalten. Er beklagte, dass in der Debatte darum "immer nur von der Kostenseite her" argumentiert werde. Dabei bedeuteten die Hilfen aus Brüssel für die Bürger in Europa "Versorgungssicherheit und beste, hochwertigste Lebensmittel". Und im weltweiten Wettbewerb könnten die europäischen Bauern mit ihren hohen Kosten ohne Betriebsprämien schlicht nicht überleben.

Die Agrarausgaben stehen bisher für 47 Prozent des EU-Budgets. Die EU-Kommission will in der nächsten Reformrunde der Agrarpolitik Direkthilfen abbauen. Dies stößt bei mehreren EU-Ländern auf Widerstand. 22 der insgesamt 27 Mitgliedsstaaten namen am Donnerstag an einem Treffen zur Agrarpolitik teil. In einem "Appell von Paris" forderten sie den Erhalt einer "starken" gemeinsamen Agrarpolitik.

Der französische Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire räumte danach allerdings ein, dass es auch unter den Kritikern der Reformpläne aus Brüssel "schwierig" sei, eine Einigung zu finden. Die 22 in Paris vertretenen EU-Länder hätten durchaus unterschiedliche Auffassungen. Jedoch wollten die Teilnehmer des Treffens "einen anderen Ausgangspunkt" als die Kommission, sagte Le Maire. Zunächst müssten "die politischen Ziele" der Agrarpolitik geklärt werden, "bevor man das Budget festlegt".

Deutschland war in Paris durch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) vertreten. Ihre Teilnahme sorgt für Spannungen mit dem Koalitionspartner FDP. Die FDP-Bundestagsfraktion sei "strikt gegen eine Rolle rückwärts in der gemeinsamen Agrarpolitik", erklärte deren ernährungspolitische Sprecherin Christel Happach-Kasan in Berlin. "Die gescheiterten Instrumente dieser Politik wie Exporterstattung, Quoten und Marktabschottungen sind nicht zukunftsfähig." Aigner müsse sich "klipp und klar von einer Rückkehr in den staatlichen Agrardirigismus distanzieren".

AFP AFP

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