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Lohnfortzahlung: Die Zulagen nicht vergessen

Arbeitgeber müssen erkrankten Beschäftigten nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz für bis zu sechs Wochen den vollen Lohn zahlen. Was die wenigsten wissen: Die Arbeitnehmer haben auch Anspruch auf Zuschläge, z.B. für Nachtarbeit.

Arbeitnehmer haben ein Recht auf die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall - zumindest dann, wenn der Arbeitnehmer die Arbeitsunfähigkeit nicht selbst zu verantworten hat und er wenigstens seit vier Wochen ununterbrochen für seinen Arbeitgeber tätig ist. Während das Prinzip der Entgeltfortzahlung so gut wie allen Arbeitnehmern bekannt sein dürfte, wissen viele nicht, dass sie neben der Fortzahlung ihres Monatsgehalts auch Anspruch auf Zuschläge für Nacht-, Sonntags- oder Feiertagsarbeit haben.

Unterscheidung ist nicht einfach

So musste ein Arbeitgeber einem erkrankten Beschäftigten nicht nur den Grundlohn und Nachtzuschläge für zehn Arbeitsstunden zahlen, sondern zusätzlich auch den Feiertagszuschlag, da der Arbeitnehmer an einem gesetzlichen Feiertag zur Arbeit eingeteilt war (BAG, Urteil vom 1. Dezember 2004, AZ: 5 AZR 68/04). Für Überstunden, die der Arbeitnehmer wegen seiner Erkrankung nicht leisten kann, gibt es hingegen keine Fortzahlung.

In der Praxis fällt die Unterscheidung zwischen Überstunden und eingeplanter, regelmäßiger Mehrarbeit häufig schwer. Schwankt die Arbeitszeit des Arbeitnehmers, ergibt sich die regelmäßige Arbeitszeit aus dem Durchschnittswert der vergangenen zwölf Monate. Entscheidend ist dabei, ob der Arbeitnehmer regelmäßig über einen längeren Zeitraum über die im Arbeits- oder Tarifvertrag vereinbarte Arbeitszeit hinaus gearbeitet hat.

Regelmäßige Arbeitszeit entscheidet

Folgt aus dieser Berechnung, dass ein Arbeitnehmer statt der vertraglich vereinbarten 40 Stunden pro Woche regelmäßig eher 50 bis 60 Stunden gearbeitet hat, muss die Entgeltfortzahlung entsprechend angepasst werden (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21. November 2001, AZ: 5 AZR 457/00).

Das Entgeltfortzahlungsgesetz gilt zudem auch für geringfügig Beschäftigte. Fällt beispielsweise eine 400-Euro-Kraft wegen einer kurzen Krankheit an ihren üblichen Arbeitstagen aus, hat sie Anspruch auf den üblicherweise gezahlten Lohn. Ihr Arbeitgeber darf nicht darauf bestehen, dass die Arbeit an einem anderen Tag erledigt wird.

Hendrik Roggenkamp/DDP / DDP