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Riester-Rente Auswege aus dem Zulagen-Hinterhalt


Der Staat verlangt Riester-Zulagen in Millionenhöhe zurück. Doch wie kann es sein, dass Sparer zu viel Geld erhalten haben? Und was müssen Verbraucher tun, um sich ihre vollen Zulagen zu sichern?
Von Tanja Vedder

Die Riester-Rente gilt als attraktives Spar-Modell. Der Verbraucher zahlt ein – und bekommt vom Staat noch jährlich Geld dazu. Und das alles ganz ohne Verlustrisiko. Denn alle eingezahlten Beiträge und Zulagen fließen garantiert in die Rente mit ein. Doch nun stellt sich heraus, dass viele Sparer gar keinen Anspruch auf bestimmte Fördergelder von Vater Staat hatten. Mehr als 500 Millionen Euro sind für die Jahre 2005 bis 2007 zu viel auf den Riester-Sparkonten gelandet, 1,5 Millionen Verträge sind betroffen. Das hat eine Überprüfung ergeben, wie die Zentrale Zulagenstelle bestätigte, die die Riester-Förderung für den Bund abwickelt. Das Geld wird nun zurück an den Staat fließen. Für viele Verbraucher sicherlich ein Schock. Doch zur Beruhigung sei gesagt: Es geht nur um die Zulagen, die Verträge bleiben weiterhin bestehen.

Aber wie konnte das alles passieren? "Die Riester-Rente ist sehr komplex", sagt Pamela Bantle, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Viele Verbraucher wüssten gar nicht, wie genau die Konditionen dieses Sparmodells und ihrer Verträge aussehen. Und selbst die Berater der Riester-Anbieter seien nicht immer hinreichend informiert. So könne es passieren, dass selbst Nichtförderberechtigte einen Vertrag bekommen. "Wir hatten hier in der Verbraucherzentrale Fälle, dass Ärzte Riester-Sparer waren, die im Versorgungswerk versichert waren", erzählt Bantle. Ein solcher Vertrag hätte ihnen also gar nicht ausgehändigt werden dürfen.

Nicht jeder darf Riestern

Denn eine Grundvoraussetzung für das Riester-Sparen lautet: Der Sparer muss in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sein. Förderberechtigt sind aber beispielsweise auch Beamte und bestimmte Bezieher einer Erwerbsminderungsrente. Besonders empfohlen wird die Riester-Rente für Familien mit Kindern und einem eher geringen Einkommen. Für Geringverdiener beträgt die Förderquote bis zu 90 Prozent. Als Grundzulage bekommen Riester-Sparer jährlich 154 Euro. Für jedes Kind fließen noch einmal 185 Euro pro Jahr. Für Kinder, die nach dem 1. Januar 2008 geboren sind, gibt es sogar bis zu 300 Euro vom Staat.

Sparer können alternativ die Beiträge bis zu einer Höhe von 2100 Euro pro Jahr steuerlich geltend machen. Voraussetzung für die volle Förderung ist aber, dass der Kunde vier Prozent seines jährlichen Bruttolohns in den Vertrag einzahlt.

Tücken liegen im Detail

Doch die Tücken liegen im Detail: Denn sobald sich die persönlichen Verhältnisse ändern, können auch die Zulagen betroffen sein, warnt Bantle. Deshalb ist der Riester-Sparer selbst in der Pflicht zu prüfen, ob er die Bedingungen für die Förderung noch erfüllt. Zwar obliegt in der Theorie diese Kontrolle auch den Anbietern der Riester-Verträge, doch die Praxis zeigt: Auch dort wird dieser Check nicht allzu ernst genommen. So erhält jeder Riester-Sparer einmal jährlich zwar einen Fragebogen, in dem Änderungen mitgeteilt werden können. "Die meisten heften ihn dann ordentlich ab, und achten nicht weiter darauf", berichtet die Verbraucherschützerin.

Jegliche Änderung muss also gemeldet werden. Das gilt beispielsweise bei einem Umzug, bei der Geburt eines Kindes, einer Scheidung oder einer Änderung des Einkommens.

Fallstricke bei der Zusatz-Rente

Einige typische Fälle, bei denen Riester-Sparer besonders aufpassen müssen:

Lohnsteigerung:


Um die volle Riester-Zulage zu erhalten, müssen Sparer mindestens vier Prozent ihres Vorjahres-Bruttoeinkommens in ihren Vertrag einzahlen. Steigt das Einkommen, muss entsprechend mehr eingezahlt werden, um weiterhin die volle staatliche Leistung zu erhalten. Ansonsten darf der Staat die Zulagen kürzen.

Niedrigeres Einkommen:


Sinkt der Lohn, bedeutet das für den Riester-Sparer eine höhere Eigenbelastung.

Arbeitslosigkeit:


Ist der Job plötzlich weg, müssen für die vollen Zulagen mindestens 60 Euro jährlich eingezahlt werden.

Geburt eines Kindes:


Ein Kind bedeutet beim Riester-Sparen einerseits eine zusätzliche Zulage. Es kann aber auch Auswirkungen auf die Förderfähigkeit der Mutter haben. War sie bislang als nicht erwerbstätige Hausfrau über einen Riester-Ehegattenvertrag zulagenberechtigt, ohne selber einzahlen zu müssen, wird sie nun „förderfähig“. Denn sie ist nun bis zum dritten Lebensjahr des Kindes rentenversicherungspflichtig. Um weiterhin volle Zulagen zu bekommen, muss sie deshalb jährlich mindestens 60 Euro in ihren Vertrag einzahlen.

Kinderzulage:


Die Kinderzulage beim Riester-Sparen ist an den Erhalt von Kindergeld gekoppelt. Gibt es kein Kindergeld mehr, erlischt also auch der Anspruch für die Kinderzulage. Bantle empfiehlt, entsprechend den Eigenbetrag zu erhöhen, um keine Zulagen zu verschenken.

Vorzeitige Vertragskündigung:


Riestern ist ein Beitrag zur Altersvorsorge. Daran ist auch die staatliche Förderung gekoppelt. Wer seinen Vertrag vorzeitig kürzt, der bekommt seine Einlagen nur abzüglich der Zulagen zurück. Wird das Geld unbedingt benötigt, muss der Sparer das in Kauf nehmen. Werden ihm aber nur die eigenen Leistungen zu viel, kann er den Vertrag auch beitragsfrei stellen. So bleiben die bisher gezahlten staatlichen Leistungen bis zur Auszahlung bei Renteneintritt erhalten.

Dauerzulagenantrag:


Beim Abschluss eines Riester-Vertrages wird meist empfohlen, einen Dauerzulagenantrag auszufüllen. Damit vermeidet der Sparer, dass er jährlich die Zulagen neu beantragen muss. Doch hier heißt es: Aufpassen. Denn wenn sich die persönlichen Verhältnisse ändern, muss dies gemeldet werden.

Immer wieder haben Verbraucherschützer die Unübersichtlichkeit der Riester-Rente angeprangert. Dass es viele Unstimmigkeiten im System gibt, zeigt der aktuelle Fall der zu viel gezahlten Zulagen. Um eine regelmäßige Überprüfung ihrer Riester-Voraussetzungen und Verträge kommen Sparer deshalb nicht herum. Welchen Förderanspruch sie haben, können sich Verbraucher mit Hilfe des Zulagenrechners der Deutschen Rentenversicherung ausrechnen.


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