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Luxusware Zigarette: Elsässer Tabakhändlern geht die Luft aus

Seit die Regierung in Paris der Nikotinsucht den Kampf angesagt und zuletzt die Preise drei Mal erhöht hat, haben grenznahe Tabakverkäufer fast 60 Prozent ihres Umsatzes verloren. Die Raucher kaufen lieber in Deutschland.

Die Geschäfte des Straßburger Tabakhändlers Pierre Rich laufen schlecht. Nur noch selten verirrt sich ein Raucher in seinen Laden. Noch vor 13 Monaten blühte der Handel mit dem blauen Dunst bei ihm und seinen Kollegen im Elsass. Doch seit die Regierung in Paris der Nikotinsucht den Kampf angesagt und die Preise drei Mal erhöht hat, hat er 60 Prozent seines Umsatzes verloren. "Die Regierung will das Rauchen in Frankreich abschaffen. Aber die Raucher kaufen in Deutschland ein, und wir sind die Dummen."

Drei Preiserhöhungen in zwölf Monaten

Im Kampf gegen den Krebs wurden die Zigarettenpreise in Frankreich am 5. Januar zum dritten Mal in nur zwölf Monaten erhöht. Dadurch soll der Einstieg in die Sicht vor allem für Jugendliche erschwert werden. Eine Packung kostet jetzt bis zu 5 Euro, das sind 43 Prozent mehr als Ende 2002. "Die Schachtel Marlboro kostet bei uns 1,80 mehr als in Deutschland. Da ist es doch normal, dass die Kunden ihre Zigaretten drüben kaufen", sagt Patrick Merck, Präsident der Tabakhändler-Vereinigung im Unterelsass.

Durch Steuererhöhung wird nicht die Welt gerettet

Wenig Verständnis hat Merck für die Politik: "Das ist ein verrückter Staat, der glaubt, mit der Steuererhöhung die Welt retten zu können." Die Preiserhöhungen sind entlang der Grenzen zu Deutschland, Luxemburg, Italien oder Spanien wirkungslos, so lange es keine einheitliche europäische Besteuerung gibt. Und in anderen Regionen des Landes beleben die hohen Preise lediglich den Schwarzmarkt mit Zigaretten aus dem Ausland.

Frankreichs Gesundheitsminister spricht von Erfolg

Nach Angaben des französischen Gesundheitsministers Jean-Francois Mattei waren die Preiserhöhungen im vergangenen Jahr hingegen ein Erfolg. Die Zahl der Raucher sei um 16 Prozent zurück gegangen. Mittelfristig sollten die hohen Tabakpreise jedem fünften Erwachsenen und jedem dritten Jugendlichen die Sucht vermiesen. Grund für den Kampf der Regierung: Mit mehr als 60.000 Todesfällen pro Jahr ist das Rauchen die häufigste Todesursache in Frankreich. Das kostet den Staat jedes Jahr rund 15 Milliarden Euro.

Deutsche Tankstellen profitieren

Während den Tabakhändlern rund um Straßburg die Luft ausgeht, werden die Schlangen an Kiosken und Tankstellen auf der deutschen Seite des Rheins immer länger. Die Franzosen kommen für Hamster-Käufe über die Grenze, um sich stangenweise mit Zigaretten einzudecken. "Ich mache 98 Prozent meines Umsatzes mit Kunden aus Frankreich", sagt Kioskbesitzer Achim Dürr in der deutschen Grenzstadt Kehl.

Benzin wird Nebensache

Inge Hahn vom Kiosk am Kehler Marktplatz sagt: "Bis vor einem Jahr haben wir zwei Mal pro Woche eine Lieferung bekommen. Jetzt bekommen wir täglich bis zu 20 Kartons mit 32 Stangen." Im Tankcenter Europoint in Breisach direkt an einem früheren Grenzübergang ist Benzin längst zur Nebensache geworden. Dort liegt der Wochenumsatz mit Tabakwaren bei 65.000 Euro - das sind 70 Prozent des Gesamtumsatzes. Unterdessen traut sich Pierre Rich überhaupt nicht mehr über die Grenze. Er wolle nicht mit ansehen, wie sich seine ehemaligen Kunden dort mit Zigaretten eindecken, sagt er. In seinem Laden ist Tabak das wichtigste Produkt, der Betrieb eines Cafés oder einer Bar ist den staatlich konzessionierten elsässer Tabakläden - im Gegensatz zu ihren Kollegen in anderen Landesteilen - verboten. Deshalb sind die Alternativen rar.

Beginn des "Tabacs"-Sterben

Wie lange sein Geschäft noch überleben kann, weiß Rich angesichts der Umsatzrückgänge von mehr als 60 Prozent in den letzten Monaten nicht. Er wäre nicht der einzige, der dicht machen müsste. Nach Angaben der Tabakhändler-Vereinigung wurden seit der letzten Preiserhöhung im Oktober im Unterelsass schon 14 von 465 "Tabacs" geschlossen, 30 weitere stünden kurz vor dem Aus.

Harald Schmidt / DPA