Angetrieben von einem famosen Juri Knorr sind Deutschlands Handballer ins Halbfinale der Europameisterschaft gestürmt und dürfen weiter von der ersten EM-Medaille seit dem Gold-Triumph vor zehn Jahren träumen. Das Team von Bundestrainer Alfred Gislason behielt im Hauptrunden-Endspiel gegen Rekord-Weltmeister Frankreich die Nerven und überzeugte beim 38:34 (19:15) mit einer im Turnier bisher vermissten Offensiv-Power.
Vor 10.850 Zuschauern in Herning war Knorr mit zehn Toren bester Werfer für die phasenweise furios agierende DHB-Auswahl, die in der zweiten Turnierphase mit 8:2 Punkten die starke Konkurrenz aus Frankreich, Spanien, Portugal und Norwegen distanzierte. Zuvor hatten bereits Weltmeister Dänemark und Island die Vorschlussrunde erreicht.
Klar ist: In dieser Form darf das DHB-Team bei der Endrunde in Dänemark, Norwegen und Schweden weiter auf das erste EM-Edelmetall seit dem sensationellen Titelgewinn 2016 hoffen. Der starke Auftritt gegen Frankreich dürfte auch die Diskussionen um die Zukunft von Gislason, dessen Vertrag bis zum Ende der Heim-WM 2027 gilt, verstummen lassen.
Handball-EM: Deutsches Offensiv-Feuerwerk bei Sieg gegen Frankreich
Die Ausgangslage vor dem Showdown war klar: Der deutschen Mannschaft reichte schon ein Remis zum Einzug ins Halbfinale, der viermalige Europameister musste unbedingt gewinnen. Entsprechend motiviert gingen beide Teams in die Partie, in der das DHB-Team kurzfristig auf den erkrankten Abwehrspezialisten Tom Kiesler verzichten musste.
Anders als in den Partien zuvor agierte die deutsche Mannschaft im Angriff von Beginn an konzentriert und effektiv. Dafür fand die Deckung zunächst keine Einstellung. Erst nach einer Viertelstunde konnte Torwart Andreas Wolff, der nach seiner Reservistenrolle gegen Dänemark wieder begann, erstmals einen Wurf der Franzosen abwehren.
Die Parade wirkte wie ein Signal an seine Vorderleute, noch aggressiver zu Werke zu gehen. Und das taten sie. Nach 18 Minuten war Deutschland beim 11:7 auf vier Tore enteilt. Großen Anteil daran hatte Knorr, der endlich die erhoffte Torgefahr ausstrahlte und zur prägenden Figur in der ersten Halbzeit avancierte. Zudem erwies sich Justus Fischer am Kreis als sicherer Vollstrecker.
Abwehrprobleme bleiben folgenlos
Frankreich setzte der deutschen Offensivstärke nur die Torgefahr von Dika Mem entgegen. Der Star vom FC Barcelona, der im Sommer 2027 zum deutschen Meister Füchse Berlin wechselt, war kaum zu stellen. Dennoch nahm die DHB-Auswahl unter dem Jubel der zahlreichen deutschen Fans ein Vier-Tore-Polster in die Pausenkabine mit.
Weil Wolff in der ersten Halbzeit überhaupt kein Faktor war, schickte der Bundestrainer mit Wiederbeginn David Späth zwischen die Pfosten. Und der 23-Jährige lieferte zunächst, sodass sich seine Vorderleute den einen oder anderen Fehlwurf leisten konnten.
Zwölf Minuten vor Ultimo stand die Partie beim 29:28 aber plötzlich wieder auf der Kippe. Wolff kehrte zurück und entschärfte gleich den ersten Wurf. In der dramatischen Schlussphase hatte Deutschland das bessere Ende für sich und greift nun nach einer Medaille.