WM 2026
Diese Regeln sind neu bei der Fußball-Weltmeisterschaft

Ein Schiedsrichter schaut auf den VAR-Bildschirm. Auch bei der WM 2026 wird es so sein
Der VAR erhält bei der WM 2026 mehr Befugnisse. Auch andere neue Regeln gibt es
© Conor Molloy / Imago Images

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Kurz vor Beginn der WM 2026 führen die Regelhüter des Fußballs neue Weisungen ein. Vor allem dem Zeitspiel wollen sie an den Kragen. Und der VAR bekommt mehr Befugnisse.

Der Modus ist nicht die einzige Neuerung bei der Fußball-WM 2026. Im Frühjahr hat das International Football Association Board (Ifab) neue Regeln für den Weltfußball präsentiert, die auch für das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko gelten werden. 

Das Ifab ist das oberste Konsortium der Regelhüter – was es beschließt, gilt für den kompletten organisierten Fußball, insbesondere für Turniere wie Welt- und Europameisterschaften oder die Champions League. Verbände können manche Leitlinien des Ifab allerdings anpassen oder nicht übernehmen. Das gilt zum Beispiel für den Jugendbereich. Fixe Regeln sind dafür aber Pflicht und unantastbar – etwa die Abseitsregel. Hier gibt es keinen Spielraum. Festgehalten sind die Fußballregeln im „Laws of the Game“.

Vor der WM 2026 gibt es ein paar Regel-Anpassungen

Die neuen Regeln gelten ab Sommer. Diese Änderungen hat das Ifab beschlossen:

  • Insbesondere das Zeitspiel ist den Regelhütern ein Dorn im Auge. In der Bundesliga etwa beträgt die Netto-Spielzeit – also jene Minuten, in denen tatsächlich der Ball rollt – nur rund 60 von insgesamt 90 Minuten. Als Konsequenz wurden in der jüngeren Vergangenheit schon längere Nachspielzeiten eingeführt, was zu gemischten Reaktionen bei den Mannschaften führte. Jedoch: Sie sind mitunter selbst schuld, denn insbesondere bei Standardsituationen wird oft Zeit geschunden. Das soll sich ändern. 

    Die Acht-Sekunden-Regel für Torhüter, die besagt, dass die Schlussleute den Ball innerhalb von acht Sekunden abschlagen müssen, wird auf Abstöße und Einwürfe erweitert. Hat ein Schiedsrichter das Gefühl, dass das Spiel verzögert werden soll, startet er einen sichtbaren Fünf-Sekunden-Countdown. Ein verzögerter Einwurf führt zu einem Einwurf des Gegners; ein Abstoß, der zu lange dauert, hat eine gegnerische Ecke zur Folge.
  • Ebenfalls beliebt bei Fußballern: Eine Verletzung vortäuschen oder dramatisieren, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Das hat künftig Folgen. Die Behandlungszeit wurde zwar schon immer zur Nachspielzeit dazugerechnet. Neu ist aber, dass ein Spieler, der sich auf dem Feld behandeln ließ oder dessen Verletzung zu einer Spielunterbrechung führte, eine Minute warten muss, ehe er nach der Behandlung wieder auf das Feld darf. 

    Hier gibt es aber eine wichtige Ausnahme. Denn Teams könnten Verletzungen des Gegenübers in Kauf nehmen, um den Gegner für die Zeit nach der Behandlung zahlenmäßig zu schwächen. Darum gilt: Gibt es für ein Foul eine Gelbe oder Rote Karte, darf der verletzte Spieler auf dem Feld behandelt werden und danach direkt im Spiel bleiben. So sollen Fußballer geschützt werden, die tatsächlich behandelt werden müssen.
  • Auch ums Thema Zeitspiel geht es bei der neuen Regel, wonach Spieler, die ausgewechselt werden, das Feld innerhalb von zehn Sekunden verlassen müssen. Dauert es länger, muss der einzuwechselnde Spieler bis zur nächsten Spielunterbrechung warten, bis er mitmachen darf.
  • Weitere Anpassungen betreffen den Videoschiedsrichter (VAR). Er kann neuerdings auch Eckbälle darauf überprüfen, ob sie korrekt entschieden wurden, wenn aus ihnen ein Tor resultiert. Bisher wurde nur das Tor selbst auf Richtigkeit geprüft.

    Außerdem ist neu, dass der VAR zweite Gelbe Karten eines Spielers überprüfen kann – also jene, die zu einem Platzverweis führen würden. Erste Gelbe Karten werden nur dann gecheckt, wenn der falsche Spieler oder das falsche Team damit bedacht wurden. Regelverstöße, die zu einer Gelb-roten Karte führen würden, aber nicht vom Schiedsrichter erkannt wurden, werden ebenfalls nicht vom VAR korrigiert.

Bei der WM 2026 gibt es außerdem eine weitere Neuerung, die aber nicht vom Ifab stammt, sondern vom Weltverband Fifa. So soll es in jeder Partie pro Halbzeit eine dreiminütige Trinkpause geben, jeweils nach rund 22 Minuten Spielzeit. Offiziell lautet die Begründung, dass die Pausen zum Schutz der Spieler eingeführt werden. Die Sache ist aber: Pausen wird es in jeder Partie geben, völlig unabhängig vom Wetter. So solle sichergestellt werden, dass für alle Teams die gleichen zeitlichen Belastungen herrschen, schreibt die Fifa.

Während Trinkpausen bei hohen Temperaturen durchaus ihren Sinn haben und es bei vergangenen Turnieren im Ermessen der Schiedsrichter bereits solche Pausen gegeben hat, stößt die Einführung der Unterbrechungen in jeder Partie – selbst bei Regen und 15 Grad – auf Kritik. 

Der Vorwurf lautet, dass die Fifa damit lediglich mehr Möglichkeiten zur Ausstrahlung von Werbung schaffen möchte. ARD und ZDF, zwei der drei übertragenden deutschen Sender, wollen die Pausen jedenfalls nutzen, um Werbung zu zeigen.

geo

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