Neuordnung Dax - vieles bleibt anders


Die Deutsche Börse hat endlich eine umfassende Neuordnung der deutschen Index-Landschaft auf den Weg gebracht. Startschuss ist der 24. März 2003.

Die Deutsche Börse hat die umfassendste Neuordnung der Index-Landschaft des deutschen Aktienmarkts auf den Weg gebracht. Beim Deutschen Aktienindex DAX bleibt dagegen alles beim Alten: Der Wackelkandidat MLP darf weiter bleiben. Die übrigen Änderungen treten am 24. März in Kraft, teilte die Deutsche Börse am Dienstag in Frankfurt mit. So gelang dem europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS der Sprung in den nachgeordneten MDAX, der erstmals ausländischen Firmen offen steht. Stars im neugegründeten Technologieindex TecDAX sind wie erwartet die Telekom-Tochter T-Online und der Bauelementehersteller EPCOS.

Keinen guten Aufsteiger

Wegen des stark gefallenen Aktienkurses galt der Verbleib von MLP im Club der 30 wichtigsten deutschen Aktiengesellschaften als akut gefährdet. "Wir hatten mit MLP zwar einen klaren Ausschlusskandidaten, aber keinen guten Aufsteiger", kommentierte der zuständige Börsenmanager Christoph Lammersdorf über die Entscheidung.

Indizes verkleinert

Unterhalb des DAX werden die Indizes verkleinert, für ausländische Firmen geöffnet und nach Branchen sortiert. Künftig gibt es den MDAX und den SDAX für Unternehmen klassischer Wirtschaftszweige wie Auto, Pharma oder Finanzen sowie den TecDAX für Technologiefirmen. Der TecDAX ist der Nachfolger des Neuen-Marktindex NEMAX 50, der nur noch bis 2004 berechnet wird. Der MDAX wird von 70 auf 50 Werte verkleinert.

Der Klassenerhalt von MLP galt wegen der Kursverluste als fraglich, da diese den Börsenwert des Unternehmens beträchtlich nach unten gedrückt hatten. Doch die möglichen Ersatzkandidaten hatten den Arbeitskreis Aktienindizes, das Beratungsgremium der Deutschen Börse, nicht überzeugen können. So galt keiner der Ersatzkandidaten dem Arbeitskreis als Garant für eine Kontinuität im wichtigsten deutschen Index. "Zuviel Auf und Ab muss vermieden werden", betonte Lammersdorf.

Beiersdorf darf noch nicht in den DAX

Als heißester Anwärter hatte der Körperpflegespezialist Beiersdorf gegolten. Doch gegen den Hamburger Nivea-Hersteller sprechen offenbar Unklarheiten über die künftige Eigentümerstruktur. Beiersdorf gilt seit langem als Übernahmekandidat. DAX-Kandidaten müssen nach Börsenwert (Aktienzahl multipliziert mit dem Kurswert) und nach Handelsumsatz der Aktie mindestens zu den 35 bedeutendsten Aktien gehören. Der MLP-Börsenwert lag zuletzt jedoch nur auf Rang 50.

Der Aktie des europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmens EADS gelang dagegen problemlos der Sprung in den MDAX für mittelgroße Unternehmen klassischer Branchen. EADS und die mittlerweile in Dublin ansässige Staatsfinanzierungsbank Depfa sowie Thiel Logistik und Teleplan gehören zu den ersten Aktiengesellschaften mit Sitz im Ausland, die in den MDAX gelangen.

"Prime Standard"

Um in einen Index zu kommen, müssen Aktiengesellschaften die Zulassung für die Börsenoberliga "Prime Standard" besitzen. Für dieses Segment gelten besonders strenge Regeln, wie beispielsweise Quartalsberichte. Mehr als 370 Firmen hatten einen entsprechenden Antrag gestellt. Alle übrigen werden in den "General Standard" sortiert, in dem das gesetzliche Minimum gilt.

Wechsel in den wichtigen deutschen Indizes bewegen Milliarden-Beträge, da viele Fonds und Indexzertifikate sich in ihrer Anlagepolitik am DAX orientieren. Nach Schätzung einer US-Investmentbank hängen allein am DAX rund 27 Milliarden Euro. Außerdem genießen Index-Mitglieder ein deutlich größeres Interesse seitens der Investoren. "Für Absteiger gilt dagegen das Motto "Aus den Augen, aus dem Sinn", erläutert ein Fondsmanager.


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