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OECD-Studie: Vermögen in Deutschland besonders ungleich verteilt

Deutschlands reichste zehn Prozent besitzen 60 Prozent der Nettohaushaltsvermögen, ergab eine OECD-Studie. Das seien zehn Prozent mehr als im Schnitt - und mit Folgen für die Wirtschaftsentwicklung.

Die Schere geht weiter auseinander: Die reichsten zehn Prozent der Deutschen besitzen 60 Prozent der Nettohaushaltsvermögen

Die Schere geht weiter auseinander: Die reichsten zehn Prozent der Deutschen besitzen 60 Prozent der Nettohaushaltsvermögen

In Deutschland ist die Ungleichheit bei der Verteilung der Vermögen deutlich stärker ausgeprägt als in vielen anderen Industrieländern. Die reichsten zehn Prozent der Deutschen besitzen 60 Prozent der Nettohaushaltsvermögen, wie aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Sozialbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervorgeht. Im OECD-Schnitt halten die Reichsten demnach nur 50 Prozent der Vermögen.

Bei der Einkommensungleichheit liegt Deutschland dagegen im internationalen Vergleich im Mittelfeld. Das Land habe zwar Anfang des Jahrtausends einen erheblichen Anstieg der Ungleichheit verzeichnet, aber die Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 habe anders als in der Mehrzahl der OECD-Länder nicht zu einer Verstärkung dieses Trends beigetragen, erklärte die Organisation. Deutschland liegt demnach unter den 34 OECD-Ländern hinter den nordischen und einigen osteuropäischen Staaten, aber vor Staaten wie Chile, der Türkei, den USA oder Großbritannien.

Ungleichheit beeinträchtigt wirtschaftliche Aussichten

In Deutschland verdienen die obersten zehn Prozent der Einkommensbezieher dem Bericht zufolge 6,6-mal so viel wie die untersten zehn Prozent. In den 80er-Jahren lag dieses Verhältnis noch bei fünf zu eins, in den 90er-Jahren bei sechs zu eins. Im OECD-Durchschnitt beläuft es sich heute auf 9,6 zu eins.

Steigende Ungleichheit wirkt sich laut OECD nicht nur auf die Gesellschaft aus, sondern beeinträchtigt auch die wirtschaftlichen Aussichten eines Landes. Denn wenn die untersten 40 Prozent einer Gesellschaft abgehängt würden und damit auch größere Teile der Mittelschicht, nutzten Volkswirtschaften nur einen Teil ihres Potenzials. Nach Berechnungen der OECD-Experten führte die steigende Ungleichheit seit 1985 dazu, dass die Wirtschaft in 19 OECD-Ländern zwischen 1990 und 2010 um 4,7 Prozentpunkte weniger gewachsen ist, als es bei unveränderter Ungleichheit der Fall gewesen wäre.

mod/AFP/AFP

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