Ölbranche Sibneft setzt Fusion mit Jukos aus


Der russische Ölkonzern Sibneft hat die geplante Fusion mit dem Konkurrenten Yukos am Freitag auf Eis gelegt. Yukos-Chef Kukes war offenbar nicht informiert - die Aktienkurse fallen.

Der russische Ölkonzern Yukos will die Fusion mit dem Wettbewerber Sibneft weiter vorantreiben, nachdem dieser am Freitag überraschend eine vorübergehende Aussetzung des Zusammenschlusses angekündigt hatte. Yukos-Chef Simon Kukes wurde laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax von der Ankündigung überrascht. "Der Fusionsprozess der beiden Unternehmen geht weiter und wird nicht unterbrochen werden", wurde Kukes zitiert. Sibneft hatte erklärt, die Aussetzung des Fusionsprozesses erfolge "im beiderseitigen Einverständnis". Durch den Zusammenschluss sollte der viertgrößte Erdöl- und Gasproduzent der Welt entstehen.

Yukos-Aktien gaben um 10 Prozent nach

Die Ankündigung von Sibneft kam kurz vor einer Versammlung der Yukos-Aktionäre, auf der der Name der Firma in YukosSibneft geändert und einer neuer Vorstand gewählt werden sollte. Der Kurs der Yukos-Aktien fiel nach der Bekanntgabe um zehn Prozent, der der Sibneft-Aktien um sechs Prozent. Kukes sagte der Aktionärsversammlung laut Interfax, er sei von Sibneft nicht über die Aussetzung informiert worden. Der Fusionsprozess werde fortgesetzt. Der Zusammenschluss war seit April angekündigt, die Großaktionäre von Sibneft hatten bereits 26,01 Prozent der Yukos-Aktien erworben.

Ex-Yukos-Chef immer noch inhaftiert

Die Aussetzung der Fusion kommt vor dem Hintergrund von Ermittlungen gegen Jukos, dessen früherem Chef Michail Chodorkowski Betrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen werden. Er ist seit Oktober inhaftiert. Allgemein werden politische Gründe hinter den Ermittlungen gegen Jukos vermutet. Der Kreml wolle Chodorkowski, der Oppositionsparteien massiv unterstütze, von einer weiteren politischen Betätigung abhalten.

Fusions auf Druck der Regierung gestoppt?

Zu den Gründen für die Aussetzung der Fusion gab es nur Spekulationen. Der frühere russische Wirtschaftsminister und gegenwärtige Rektor einer Moskauer Wirtschaftsfachschule, Jewgeni Jassin, äußerte die Vermutung, dass die Fusion auf Druck der Regierung ausgesetzt wurde. Sibneft habe vielleicht gefürchtet, dass die Regierung genau so hart gegen das Unternehmen vorgehen werde wie gegen Jukos. Andererseits könne auch Jukos selbst die Unternehmung gestoppt haben, weil befürchtet worden sei, dass Sibneft die Schwierigkeiten ausnutzen und selbst die Führung des neuen Konzern übernehmen könnte.

Interfax deutete ebenfalls an, dass die Regierung hinter der Absage stehen könnte. Die Agentur wies darauf hin, dass die Steuerbehörden am Donnerstag eine Prüfung der Geschäfte von Sibneft für beendet erklärt hätten. Es ist bereits das zweite Mal, dass eine Fusion vom Jukos und Sibneft scheitert. 1998 kam die russische Finanzkrise dazwischen.

DPA

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