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Vor der Scheidung: Vertrauen ist gut, Ehevertrag ist besser

Wer heiratet, hofft auf die Liebe fürs Leben. Doch die Statistik spricht eine andere Sprache: Ein Drittel aller Ehen scheitert. Wer Vermögensverhältnisse nach der Scheidung schon beim Jawort vertraglich regelt, kann sich eine Menge Ärger ersparen - nicht nur als Prominenter.

Von Karin Spitra

Vier Jahre Ehe, zwei Jahre Rosenkrieg, 33 Millionen Euro Abfindung für Heather Mills: Paul McCartney wollte keinen Ehevertrag

Vier Jahre Ehe, zwei Jahre Rosenkrieg, 33 Millionen Euro Abfindung für Heather Mills: Paul McCartney wollte keinen Ehevertrag

Es war einmal ein reicher alter Witwer, der sich in eine schöne, sehr viel jüngere und sehr viel ärmere Frau verliebte. Da er sich einsam fühlte und ihn sein vieles Geld nicht wärmte, heiratete er das junge Ding. Weil er außerdem romantisch veranlagt war, verzichtete er auf einen Ehevertrag. Wenige Jahre, ein Kind und zahllose Streitereien später, dürfte der reiche Witwer - nennen wir ihn einfach Paul McCartney - zumindest den Teil mit dem Ehevertrag bitter bereuen: Seine romantische Anwandlung kostete ihn einen ordentlichen Happen seines Vermögens - eine der schmutzigsten Scheidungsschlachten inklusive.

Ehevertrag schützt nicht vor Streit

Doch selbst mit einem gültigen Ehevertrag hören die Probleme oft nicht auf: So klagte zuletzt eine abservierte Prominente, ihr Noch-Ehemann, ein millionenschwerer Ex-Fußballprofi, habe sie mit einem Ehevertrag schamlos über den Tisch gezogen. Gutgläubig habe sie das Papier unterschrieben, behauptet die kürzlich Verlassene. Und dass sie den Text gar nicht habe lesen können, weil es für sie keine serbische Übersetzung gab. Reichlich Stoff für den Boulevard - trotz angeblicher Verschwiegenheitsklausel im Vertrag des Ehepaares Mariana und Lothar Matthäus.

Das Beispiel der Eheleute McCartney und Matthäus sowie Dutzende ähnlich gelagerte Fälle zeigen: Eheverträge sind mittlerweile üblich, wenn sich die Vermögensverhältnisse der Partner stark unterscheiden. Und: Eheverträge schützen im Falle einer Trennung nicht automatisch vor Streit.

Vertrag schützt den Stärkeren

Sabine Neidhardt, Fachanwältin für Familienrecht in Hamburg, erklärt das vordringliche Motiv der Ehevertragsinteressenten: "Zu mir kommt in der Regel der wirtschaftlich stärkere Teil und fragt, wie er die weitgehenden gesetzlichen Ansprüche mit dem Ehevertrag einschränken kann." Mit einem Ehevertrag werden von den beiden zukünftigen Ehepartnern die wirtschaftlichen Folgen einer Trennung und Scheidung geregelt. "Dabei will sich immer der wirtschaftlich Stärkere durch den Vertrag schützen", so Neidhardt.

Denn mit dem Ehevertrag wird zumeist die finanzielle Verantwortung für den Ex-Partner auf ein Minimum zurückgeschraubt. Das ist zwar grundsätzlich erlaubt, hat aber nicht immer Bestand, wenn der gedeckelte Ex-Partner vor Gericht dagegen klagt. Als juristisch unproblematisch gelten jene Bestandteile eines Ehevertrages, die die Vermögensverhältnisse vor und teils auch nach der Eheschließung betreffen: Ein Ehepartner, der beispielsweise ein Unternehmen aufbaut und dies auch nach einer Scheidung unangetastet behalten will, geht mit einem Ehevertrag auf Nummer sicher.

Nicht alles hat vor Gericht Bestand

Andere Vertragsbestandteile zerfetzt jedes Familiengericht in der Luft: Totalverzicht eines Partners, Gütertrennung, Unterhaltsverzicht und Ausschluss des Versorgungsausgleichs sind Vertragsinhalte, die Gerichte häufig nicht durchgehen lassen. Denn: Zu viele Lebensumstände können sich vom Moment des Ehevertrags bis zur Scheidung geändert haben.

Gibt es bei einer Scheidung Streit, nimmt das Gericht - Ehevertrag hin oder her - erst einmal die Lebensumstände zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses unter die Lupe. Was war zu dieser Zeit die Ausgangslage für die vertraglichen Verabredungen, wie waren die Familienverhältnisse? Dem wird dann der Ist-Zustand zum Zeitpunkt der Scheidung gegenübergestellt: Hat sich seitdem etwas verändert, sind Kinder hinzugekommen, wurde ein Partner krank oder arbeitslos? Dieser Vergleich lässt dann die Richter entscheiden, ob Teile des Ehevertrags sittenwidrig - und damit ungültig - sind oder nicht.

Keine unzumutbare Belastung

Familiengerichte sehen die Grenzen des Ehevertrages generell dort, wo ein Partner einseitig und unzumutbar belastet wird. Dabei kann nach Ansicht des Bundesgerichtshofs am ehesten auf ein Vermögen verzichtet werden, das ein Ehepartner auch vor der Trauung nicht hatte. Demnach könnte die eingangs erwähnte Abservierte zwar auf Versorgungsausgleich hoffen, aber wohl nicht auf einen größeren Teil des Vermögens ihres prominenten Ex-Gatten.

Fazit:

Mit einem vernünftigen Ehevertrag kann man sein Vermögen immer noch besser schützen als ohne. Umgekehrt gilt dies übrigens auch: Ein Ehevertrag kann einen Partner auch vor Pleiten, Geschäftshaftung und Schulden des anderen bewahren.