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Rostock: Bankerpresser will nach Thailand

Der in Rostock inhaftierte Erpresser der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) verlangt die sichere Ausreise nach Thailand. Dafür will er die Liste von 725 Bankdaten, die er bei der LLB geklaut hat, an die deutsche Steuerfahndung geben. Bislang kam ein solcher Deal aber nicht zustande.

Von Manuela Pfohl

Eine Bewährungsstrafe und freies Geleit nach Thailand. Das hat der Erpresser der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) nach Informationen von stern.de offenbar als Gegenleistung dafür gefordert, dass er eine Liste mit mindestens 725 Kundendaten der Bank an die deutschen Steuerbehörden übergibt.

Zunächst versuchte Michael F. den Deal über das Bundesfinanzministerium einzufädeln. Ministeriumssprecher Torsten Albig bestätigt: Es haben sich am 25. Februar "Rechtsvertreter eines Inhaftierten in Mecklenburg-Vorpommern" an das Finanzministerium gewandt. Diese hätten berichtet, dass ihr Mandant angeblich über Datenmaterial im Zusammenhang mit der LBB verfüge und dieses angeblich auf Steuerhinterziehung hinweise. Daraufhin habe der zuständige Steuer-Staatssekretär diese Information in Form eines Vermerkes an die Steuerfahndungsbehörden weitergeleitet und auch die Rechtsvertreter darauf hingewiesen, dass sie sich dorthin wenden sollten. Es seien keine Daten an das Finanzministerium gelangt, versichert Albig.

Zu Verhandlungen nicht berechtigt

Darauf hin kontaktierte Astrid Denecke, eine der beiden Hamburger Anwältinnen des Erpressers, nach Informationen von stern.de am Dienstag die Staatsanwaltschaft Bochum. Dabei soll sie versucht haben, eine Bewährungsstrafe und freies Geleit für ihren Mandanten zu erreichen. Ohne Erfolg. Die Ermittler erklärten, sie seien zu solchen Verhandlungen nicht berechtigt. Der für die Aufklärung der Liechtensteiner Steueraffäre zuständige Bochumer Staatsanwalt Eduard Güroff sagte stern.de im Falle des LLB-Erpressers Michael F. sei die Rostocker Staatsanwaltschaft zuständig. Nur sie könne Gespräche mit dessen Verteidigung führen. Doch diesen Schritt sind die Anwältinnen noch nicht gegangen - noch nicht.

"Bei der Rostocker Staatsanwaltschaft sind bislang keine entsprechenden Anfragen angekommen", bestätigt Sprecher Peter Lückemann. Eine Vereinbarung über eine Bewährungsstrafe und freies Geleit sei "extrem unwahrscheinlich". Immerhin ist Michael F. Ende Februar wegen des dringenden Verdachts der gewerbsmäßigen Erpressung angeklagt worden. Mit der Ankündigung, für die Zeit nach der maximal 15-jährigen Haft eine Sicherungsverwahrung zu beantragen.

Vermittlung angeboten

" Die Frage, wo sich die Daten befinden, ist bislang ungeklärt. Die Verteidigung des mutmaßlichen Erpressers der LLB widersprach einem Bericht des ARD-Magazins "Panorama". Sie sei nicht wie behauptet im Besitz von Bank- Kundendaten. "Es existiert weder eine DVD noch eine CD, wir haben allenfalls eine Vermittlung der Datensätze angeboten", sagte Anwältin Astrid Denecke. Im Gespräch mit stern.de kündigte Verteidigerin Leonore Gottschalk-Solger an, sie werde am kommenden Montag eine Erklärung für ihren Mandanten abgeben.

Die LLB hatte 2005 und 2007 insgesamt neun Millionen Euro an Michael F. gezahlt, nachdem er angekündigt hatte, er werde die brisanten Daten an die deutschen Steuerbehörden weitergeben. Nach der Zahlung des Schweigegelds hatte der jetzt 48-Jährige bereits 1600 von 2325 gestohlenen Kundendaten der Bank zurück gegeben. Die restlichen 725 Kontenbelege sollten im kommenden Jahr gegen Zahlung weiterer vier Millionen Euro übergeben werden. Doch im November 2007 wurde Michael F. verhaftet als er mit einer halben Million Euro im Koffer auf dem Weg zum Hamburger Flughafen war. Ziel: Thailand, wo er mit Frau und Tochter lebt.