Russlands Börse Die Bären bleiben in Sibirien


Russlands Börse boomt weiter: Weder Terroranschläge noch Sorgen vor einer stärkeren Einmischung des Kremls in die Wirtschaft können ihr derzeit etwas anhaben, der Leitindex eilt zu neuen Höchstständen.

Weder Terroranschläge noch Sorgen vor einer stärkeren Einmischung des Kremls in die Wirtschaft können der russischen Börse derzeit etwas anhaben. Woche um Woche eilt der Leitindex RTS zu neuen Höchstständen. Allein im ersten Quartal legte der RTS um 33 Prozent zu. Analysten rechnen zumindest für die nächsten Monate mit weiteren deutlichen Kursgewinnen. Die Bullenstimmung soll in Moskau anhalten. Die Bären, bei Börsianern Symbol für fallende Kurse, bleiben in Sibirien.

Aufwind durch hohe Rohstoffpreise

Die Notierungen werden von der Zuversicht über ein weiteres Wirtschaftswachstum, steigende Binnennachfrage sowie vor allem durch die hohen Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt getragen. Fast achtzig Prozent des Gesamtwertes der an der Börse notierten Unternehmen entfallen auf die Branchen Öl, Gas und Edelmetalle.

Als technisches Stoppmarke nennen Analysten derzeit einen RTS-Index von 905 Punkten, nachdem der Index Anfang April die Marke von 750 Punkten überschritt. Hohe Liquidität aus Rohstoffgeschäften schwemmt die Kurse in die Höhe. Noch im zweiten Quartal wird mit einem Heraufsetzen der russischen Bonitätsbewertung durch Standard & Poor's gerechnet. Die beträfe zwar Anleihen des russischen Staates, würde aber auch das Image des gesamten Marktes positiv beeinflussen. Dies dürfte nach Einschätzung von Experten ein stärkeres Engagement westlicher Investmentfonds auf dem russischen Aktienmarkt mit sich bringen. Zusätzliche Dynamik verspürten die Märkte durch die deutliche Wiederwahl von Präsident Wladimir Putin Mitte März.

Privatisierungen werden nicht zurück genommen

Selbst die Verhaftung des Yukos-Mehrheitseigners Michail Chodorkowski im Oktober 2003 wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung verunsicherte die Anleger nur vorübergehend. Ängste, der Kreml könne die Ergebnisse der umstrittenen Privatisierungen aus den 1990er Jahren rückgängig machen und die Steuern auf Rohstoffexporte empfindlich erhöhen, zerstreuten sich.

Während der ehemalige Yukos-Vorstandsvorsitzende Chodorkowski noch immer in Untersuchungshaft sitzt, stieg der Aktienkurs des größten russischen Ölkonzerns Anfang April erstmals wieder über jene 14,4 Dollar vom Vortag der Chodorkowski-Verhaftung.

Yukos-Affäre dauert an

Dabei verbergen sich hinter Yukos noch immer viele Fragezeichen. Was wird aus dem 42-prozentigen Anteil, den der Staat für konfisziert erklärt hat? Und wann wird die gescheiterte Fusion mit dem Konkurrenten Sibneft sauber getrennt? Renaissance Capital rät in Sachen Yukos zur Zurückhaltung. Es sei voreilig zu glauben, dass die gesamte Affäre schon ausgestanden sei.

Zwar gelten die meisten Ölkonzerne in Russland längst nicht mehr als deutlich unterbewertet. Doch die Schwergewichte an der Börse verbreiten weiterhin Optimismus. Aton Capital rät bei Papieren des zweitgrößten Ölkonzerns Lukoil ebenso zum Kauf wie bei Aktien des Bunt- und Edelmetallproduzenten Norilsk Nickel oder des größten russischen Stromversorgers EES Rossii. Andere richten den Blick auf die zweite Reihe. Empfohlen werden regionale Ölförderer und Mobilfunkanbieter mit einem deutlich niedrigeren Risikopotenzial als noch vor einigen Monaten.

Stefan Voß, dpa DPA

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