Schuldenatlas Weniger Privathaushalte in Finanznot


Die Zahl der überschuldeten Privathaushalte in Deutschland ist 2008 spürbar zurückgegangen. Das geht aus dem neuen Creditreform-Schuldenatlas hervor. Hauptgrund für den positiven Trend ist die gesunkene Arbeitslosigkeit. Creditreform befürchtet allerdings eine neue Überschuldungswelle.

Die Zahl der überschuldeten Privathaushalte in Deutschland hat in diesem Jahr dank des Konjunkturaufschwungs erstmals wieder deutlich abgenommen. Aktuell seien 6,9 Millionen Bürger über 18 Jahre überschuldet, teilte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Dienstag bei der Vorstellung des Schuldneratlas' 2008 mit. Das sind 470.000 oder 6,4 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Zum Stichtag 1. Oktober habe die Schuldnerquote im bundesweiten Durchschnitt 10,11 Prozent betragen. Die Quote im Osten liege dabei nur noch geringfügig über der im Westen. Dabei habe die Überschuldung in den neuen Bundesländern stärker abgenommen als in den alten.

Den Rückgang der Schuldnerquote führt Creditreform vor allem auf die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt zurück. Viele ehemalige Schuldner hätten durch den Konjunkturaufschwung wieder Arbeit gefunden und seien 2008 in der Lage gewesen, ihre Schulden abzubauen. Zugleich warnte die Wirtschaftsauskunftei vor den Auswirkungen der Finanzkrise: Es sei zu befürchten, dass 2009 und 2010 eine neue Überschuldungswelle durch Deutschland rollen werde, weil die Konjunktur abflache und die Arbeitslosenzahlen wieder anstiegen, sagte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl. Der Anstieg der Schuldnerquote könnte sogar deutlich schneller verlaufen als der jetzt beobachtete Rückgang.

Als überschuldet gilt, wessen monatliche Gesamtausgaben die Einnahmen übersteigen. Dabei kann ein Überschuldeter seine Schulden auch in absehbarer Zeit nicht begleichen, Vermögen oder andere Kreditmöglichkeiten stehen ihm nicht zu Verfügung.

Die Schulden der Betroffen summieren sich nach Schätzungen auf einen Betrag zwischen 195 und 253 Milliarden Euro. Neben den "klassischen" Verschuldungsrisiken wie Arbeitslosigkeit, Scheidung oder übertriebenem Konsum gewinnen inzwischen laut Creditreform auch andere Faktoren eine immer größere Bedeutung auf dem Weg in die Schuldenfalle. Hierzu gehörten nicht zuletzt die drastisch gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise. Gerade Geringverdiener litten überproportional unter der hohen Inflation. Für sie sei das bisherige Lebenshaltungsniveau oft nicht mehr zu finanzieren. Damit steige die Gefahr, dass der Weg in die Schulden führe.

Die niedrigsten Schuldnerquoten weisen laut Creditreform wie in den Vorjahren Bayern mit 7,28 Prozent, Baden-Württemberg mit 7,65 Prozent und Sachsen mit 9,10 Prozent auf. Auch am unteren Ende der Statistik finden sich mit Bremen (14,72 Prozent), Berlin (13,96 Prozent) und Sachsen-Anhalt (12,40 Prozent) erneut die Bundesländer, in denen schon in den letzten Jahren regelmäßig die höchsten Schuldnerquoten gemessen wurden. Unter den Landkreisen weist in Deutschland das bayerische Eichstätt mit 4,01 Prozent die geringste Schuldnerquote auf, Offenbach am Main mit 19,36 Prozent die höchste. Unter den Großstädtern haben die Bewohner von Frankfurt am Main die niedrigsten Schulden (11,92 Prozent), die Duisburger die höchsten (16,29 Prozent).

DPA/AP/AFP AP DPA

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