Schuldenfalle Zahlungsmoral der Deutschen schlecht wie noch nie


Die Auswirkung der Wirtschaftskrise erreicht die Privathaushalte: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der gerichtlichen Zwangsmaßnahmen gegen säumige Schuldner auf 1,4 Millionen Fälle.

Die Zahlungsmoral der Deutschen in der Wirtschaftskrise wird schlechter und schlechter: Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der gerichtlichen Zwangsmaßnahmen gegen säumige Schuldner um 7,2 Prozent auf 1,4 Millionen Fälle. Die Zahl der Offenbarungseide kletterte um 6,3 Prozent auf fast 900.000. Gegen 471.000 Schuldner ergingen Haftanordnungen, ein Plus von 5,3 Prozent. Diese Zahlen veröffentlichte die Wirtschaftsauskunftei Bürgel am Donnerstag in Hamburg.

Nachwelle der guten Jahre

Nach Angaben von Bürgel-Sprecherin Iris Stadie sind das die höchsten Werte seit Beginn der Statistik im Jahr 1996. Sie hält die hohen Raten von Nicht-Zahlern für eine Nachwirkung der Boomjahre 1999 und 2000. "Das ist die Nachwelle der guten Jahre", sagte sie. Damals hätten viele Deutsche Ratenkäufe abgeschlossen oder anderweitig auf Pump gekauft, nun könnten sie bei geänderten wirtschaftlichen Bedingungen oft ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Auch die hohe Arbeitslosigkeit fordere ihren Preis. Stadie rechnet damit, dass die Zahl der Zwangsmaßnahmen gegen Schuldner zurückgeht, weil die Bürger angesichts der Krise schlicht weniger kauften.

12 Millionen Personen gespeichert

Die Auskunftei Bürgel profitiert von der schlechten Zahlungsmoral: "Unser Umsatz ist gestiegen", sagte Stadie, nannte aber keine Zahlen. Bürgel hat nach eigenen Angaben Informationen über zwölf Millionen Privatpersonen gespeichert, die aus Schuldnerregistern, Gerichtsentscheidungen und anderen Quellen zusammengetragen worden sind.


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