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Zahlungsmoral: Zahl der säumigen Zahler steigt

Trotz der wirtschaftlichen Belebung hat sich die Zahlungsmoral der Deutschen nicht verbessert. Im Gegenteil: Die säumigen Zahler nehmen zu - und bringen besonders kleine Bau- und Handwerksbetriebe in Schwierigkeiten.

Rechnungstreue scheint für viele Deutsche ein Fremdwort zu sein. Die Zahlungsmoral sei dieses Jahr unverändert schlecht, stellt die aktuelle Herbstumfrage unter den deutschen Inkasso-Unternehmen den Verbrauchern ein verheerendes Zeugnis aus. "Die alte Regel 'Gutes Geld für gute Arbeit' ist einigen heute nichts mehr wert", konstatierte der Präsident des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU), Stephan Jender, am Montag in Berlin.

Trotz der deutlich besseren wirtschaftlichen Lage berichteten lediglich 18 Prozent der 518 in der BDIU-Studie befragten Unternehmen von einem verbesserten Zahlungsverhalten der Schuldner. 50 Prozent dagegen gaben an, dass sich die ohnehin schlechte Zahlungsmoral seit dem Frühjahr nicht geändert hat.

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"Die Stimmung ist besser als die Lage", betonte Jender. Zwar profitiere das Handwerk derzeit von einer hervorragenden Auftragslage. Aber insbesondere kleine Betriebe könnten durch ausbleibende oder verzögerte Zahlungen schnell in Liquiditätsschwierigkeiten kommen, die schlimmstenfalls in der Insolvenz endeten. Rund drei Viertel aller zahlungsunfähigen Unternehmen haben laut Jender lediglich maximal fünf Mitarbeiter. Großpleiten wie die des Handyproduzenten BenQ Deutschland seien eher die Ausnahme.

Angst die Kundenbeziehung zu schädigen

Kleinere Betriebe könnten auf Grund ihrer meist nur geringen finanziellen Polster Zahlungsausfälle kaum abfedern. Auch ein professionelles Forderungsmanagement könnten sie sich deshalb oft nicht leisten. Bei ausstehenden Zahlungen reagierten sie deshalb oft einfach zu spät, erläuterte der BDIU-Präsident. Viele wollten auch langjährige Kundenbeziehungen nicht gefährden.

Als häufigen Grund für die ausbleibenden Zahlungen nannten der BDIU und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) unberechtigte Reklamationen von Seiten der Kunden. Da werde beispielsweise nach dem Kücheneinbau ein Kratzer festgestellt, der bei der Abnahme noch nicht da war, erläuterte ZDH-Präsident Otto Kentzler. Die Rechnung werde daraufhin erst einmal nicht beglichen. Vor allem Bau- und Ausbaubetriebe müssten wegen solcher Mängelrügen lange auf ihr Geld warten. Oft landeten solche Streitfälle dann vor Gericht.

Neues Gesetz könnte helfen

Abhilfe schaffen könnte den beiden Verbänden zufolge das geplante Forderungssicherungsgesetz. Es könnte den Betrieben dabei helfen, ihre Liquidität zu sichern, sagte Kentzler und erinnerte daran, dass sich der Bundestag bereits im Frühjahr mit diesem Gesetz in erster Lesung befasst hat. "Das Handwerk wartet immer noch, dass es endlich verabschiedet wird", unterstrich er.

Auch deshalb ist das Thema Zahlungsmoral - trotz der anziehenden Konjunktur - laut Kentzler und Jender nicht vom Tisch. Durch die gute Konjunktur sinke zwar die Zahl der Firmenpleiten im laufenden Jahr auf rund 30.500, was einem Rückgang von 17 Prozent gegenüber 2005 entspreche. Im Gegensatz dazu sei aber bei den Verbraucherinsolvenzen auf Grund von Überschuldung und Arbeitslosigkeit mit einem kräftigen Anstieg um 45 Prozent auf 100.000 zu rechnen. 2007 ist nach Angaben des BDIU mit etwa 130.000 Privatinsolvenzen zu rechnen. Die Zahlungsmoral dürfte das kaum verbessern.

Thomas Badtke/DDP / DDP