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Steueraffäre: Anklage für Liechtenstein-Erpresser

Die Rostocker Staatsanwaltschaft hat den mutmaßlichen Erpresser der liechtensteinischen Landesbank (LLB) angeklagt. Der 48-Jährige soll sich in den Besitz von 2325 geklauten Kundendaten gebracht haben und die Bank damit um insgesamt 13 Millionen Euro erpresst haben.

Von Manuela Pfohl

Es hätte sein größter Coup werden sollen. Doch jetzt steht für Michael F. nicht nur jahrelange Haft sondern auch noch eine anschließende Sicherungsverwahrung in Aussicht. Die Rostocker Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den mutmaßlichen Erpresser der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) erhoben. Der Vorwurf: F. soll mit mindestens drei Komplizen von dem traditionsreichen Finanzinstitut rund neun Millionen Euro Schweigegeld kassiert haben. Die LLB räumte kürzlich ein, dass sie die Summe in zwei Raten in den Jahren 2005 und 2007 an den 48-Jährigen zahlte, um Schaden für das Haus und seine Kunden abzuwenden.

Ein gutes Geschäft für Michael F., das er Roland L., einem ehemaligen Mitarbeiter des Finanzinstituts, verdankt. Der soll 2003 eine Liste mit insgesamt 2325 brisanten Kontendaten geklaut haben. Während einer Haftstrafe, die Roland L. wegen einer Unterschlagung in Österreich verbüßte, sei die Liste über einen bislang unbekannten dritten Mann an Michael F. weitergegeben worden. Der zögerte nicht lange und begann laut Anklage, über einen seiner drei Komplizen den Kontakt zu vier LLB-Kunden aufzunehmen, die auf der Liste standen. F. habe den Kunden gedroht, die Kontoinformationen an die deutschen Finanz- und Strafverfolgungsbehörden weiterzugeben, wenn sie nicht je etwa ein Zehntel ihrer bei der LLB angelegten Geldsummen an ihn zahlten. Doch der Versuch scheiterte. Aus verschiedenen Gründen sei es zu keiner Übergabe gekommen.

Um dennoch Profit aus seiner "schwarzen Liste" zu ziehen, habe Michael F. schließlich ab Juli 2005 den direkten Kontakt zur LLB gesucht. Um den Verhandlungen den nötigen Nachdruck zu verleihen, soll F. darauf hingewiesen haben, dass auf seine Veranlassung hin bereits im Juli 2005 neun Kontenbelege an das Finanzamt Bremen übermittelt wurden. Ein Argument, das griff. Im August 2005 habe die Bank Michael F. in einem Hotel in Zürich 7,5 Millionen Schweizer Franken für die ersten 700 Kontenbelege in bar übergeben. Eine weitere Übergabe habe es ebenfalls in Zürich im August 2007 gegeben.

Die letzte Übergabe war für 2009 vereinbart. Zu spät. Im November 2007 schnappten am Hamburger Flughafen die Handschellen, als Michael F. mit einer halben Million Euro im Koffer nach Thailand ausreisen wollte. Läuft alles nach Plan, könnte schon im April am Rostocker Landgericht gegen den Erpresser verhandelt werden.