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Konten in Liechtenstein: Staatsanwälte ermitteln gegen 966 Personen

Jetzt wird es eng für Steuersünder: Die Staatsanwaltschaft Rostock hat eine Kundenliste der Liechtensteinischen Landesbank ausgewertet und wird nun gegen 966 Personen wegen Steuerhinterziehung ermitteln. Die Beschuldigten sind über ganz Deutschland verteilt. In einer Stadt werden jedoch allein 220 Verfahren angestoßen.

Von Manuela Pfohl

In mehreren hundert deutschen Haushalten dürfte ab sofort die Nervosität steigen: Denn die Rostocker Staatsanwaltschaft hat nun bekannt gegeben, dass sie gegen exakt 966 Personen Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung einleitet. Die Namen und Daten aller Betroffenen befinden sich auf einer Kundenliste der Liechtensteinischen Landesbank (LLB), die der Rostocker Staatsanwaltschaft am 1. August dieses Jahres übergeben worden war. Im Besitz dieser Liste hatte sich Michael F. befunden, der derzeit in Rostock wegen Erpressung vor Gericht steht.

Nach Angaben der Rostocker Staatsanwälte weisen die Kontenbelege ein Kapitalvolumen von insgesamt über eine Milliarde Euro sowie die daraus erzielten Zinseinkünfte aus. Bis Ende August, so heißt es in einer Presseerklärung, habe die Abteilung für Strafsachen und Fahndung des Finanzamtes Ribnitz-Damgarten die über 2000 Kontenbelege den jeweiligen Kontoinhabern und für sie zuständigen Finanzämtern zugeordnet. "Aus den Kontobelegen und anderen Umständen haben sich Anhaltspunkte der Steuerhinterziehung ergeben", heißt es. Die Rostocker Staatsanwälte hätten die Akten zur weiteren Prüfung an die jeweils zuständigen Kollegen übersandt.

Drei Männer wegen Erpressung angeklagt

In dem seit April laufenden Prozess vor dem Rostocker Landgericht sind drei Männer angeklagt, die laut Staatsanwaltschaft rund 2300 gestohlene Datensätze über mögliche Schwarzgelder von LLB-Kunden erworben und die Bank sowie Kunden damit erpresst haben sollen.

Der 48-jährige Hauptangeklagte hat den Handel mit den Daten gestanden, eine Erpressung aber abgestritten. Die Bank soll neun von ausgehandelten 13 Millionen Euro gezahlt haben, bevor die Angeklagten verhaftet wurden. Wegen einer Erkrankung eines der drei Angeklagten ist der Prozess vorläufig bis zum 2. Oktober unterbrochen worden. Der Fall steht nicht im Zusammenhang mit dem durch die Durchsuchung bei Ex-Postchef Klaus Zumwinkel bekanntgewordenen Ankauf gestohlener Daten der Liechtensteiner LGT-Bank.

Die Presseerklärung enthielt auch eine genaue Auflistung, welche Staatsanwaltschaften sich in Deutschland um wie viele Fälle kümmern müssen. Demnach ist München mit allein 220 Verfahren absoluter Spitzenreiter, dicht gefolgt von Stuttgart mit 171 Verfahren, mit großem Abstand folgen Frankfurt am Main (87), Karlsruhe (86) und Hamm (80). In den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt hätten die Rostocker keine Kunden der LLB ausfindig machen können, heißt es in der Presseerklärung.

Die Verteidigung des Hauptangeklagten im Rostocker Prozess hatte Anfang August die Kontobelege übergeben. Ziel war es früheren Angaben zufolge, im Prozess die Rolle der Bank zu beleuchten, was sich - so die Hoffnung der Verteidigung - strafmildernd auswirken könne.

Mit Informationen von DPA