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Steuererklärung 2010: Die wichtigsten Änderungen im Überblick

Gestiegene Grundfreibeträge, Kassenbeiträge komplett von der Steuer absetzen, den letzten Umzug geltend machen - bei der Steuererklärung 2010 kann der Bürger von zahlreichen Änderungen profitieren. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick.

Bei der Steuererklärung 2010 gibt es eine Reihe von Änderungen, die sich auszahlen können

Bei der Steuererklärung 2010 gibt es eine Reihe von Änderungen, die sich auszahlen können

In den meisten Fällen lohnt es sich: Wer Belege aufbewahrt und sich einmal im Jahr durch den Wust der Formulare kämpft, kann auf eine Steuerrückerstattung vom Finanzamt hoffen. Die könnte in diesem Jahr sogar höher ausfallen als sonst, denn für die Steuererklärung 2010 gibt es eine Reihe von Änderungen, die sich für den Bürger auszahlen können.

Grundfreibetrag gestiegen

Für die Steuererklärung 2010 gelten neue Grundfreibeträge: Die Grenze, bis zu der Einkommen steuerfrei bleibt, ist um 170 Euro auf 8004 Euro erhöht worden. Bei Ehepaaren ist der Freibetrag doppelt so hoch.

Kinderfreibeträge

Seit 2010 gibt es für Eltern mehr Kindergeld. Entsprechend wurde auch der Kinderfreibetrag von 6024 Euro auf 7008 Euro angehoben. Von den Änderungen profitieren aber auch Eltern bereits volljähriger erwerbstätiger Kinder. Diese bekamen bislang weder Kindergeld, noch konnten sie Kinderfreibeträge geltend machen, wenn die Einkünfte und Bezüge der Sprösslinge 7860 Euro im Jahr überstiegen. Für die Steuererklärung 2010 ist diese Grenze auf 8004 Euro erhöht worden.

Kranken- und Pflegeversicherung

Gesetzlich Krankenversicherte können mit der Steuererklärung 2010 erstmals sämtliche Kassenbeiträge für Basistarife in voller Höhe als Sonderausgabe von der Steuer absetzen. Dies gilt auch für Beiträge zur Pflegeversicherung.

Von der neuen Regelung profitieren auch privat Versicherte: Privat Krankenversicherte bekommen wegen der komplizierten Berechnung eine Aufstellung ihrer Versicherung, die sie beim Finanzamt einreichen müssen. Wer für ein Kind oder nach einer Trennung oder Scheidung für einen Partner die Kranken- und Pflegeversicherung zahlt, kann auch diese Kosten geltend machen.

Leistungen, die über die sogenannte Basis-Krankenversicherung hinausgehen, können dagegen nicht geltend gemacht werden. Und auch Zusatzversicherungen beispielsweise für Auslandsreisen, Chefarztbehandlungen oder Zahnersatz werden nicht anerkannt.

Arbeitslosen- und Haftpflichtversicherung

Die Beiträge zu sonstigen Vorsorgeaufwendungen wie etwa Arbeitslosen-, Unfall- oder Haftpflichtversicherung sind nur noch bedingt steuerlich absetztbar. Heißt konkret: Absetzen ist nur noch möglich, wenn die neuen Höchstbeträge für die Kranken- und Pflegeversicherung nicht ausgeschöpft werden. Diese betragen für Angestellte, Rentner, Beamte und mitversicherte Ehepartner ohne Beschäftigung 1900 Euro. Für Selbstständige, privat versicherte Ehepartner ohne Berufstätigkeit und Ehepartner von Beamten, die keinen eigenen Anspruch auf Beihilfe haben, sind es 2800 Euro.

Wer also mit seinen Beiträgen zu Kranken- und Pflegeversicherung unter den Höchstbeträgen liegt, kann bis zu dieser Summe weitere sonstige Vorsorgeaufwendungen geltend machen. Aber: Überschreiten Kranken- und Pflegeversicherung die Höchstbeträge, werden sie trotzdem in voller Höhe steuerlich berücksichtigt. Weitere sonstige Vorsorgeaufwendungen erkennt das Finanzamt dann nicht an.

Unterhalt für Ex-Partner

Mit der Steuererklärung 2010 werden Getrenntlebende bessergestellt: Zwar bleibt die abzugsfähige Grenze für Unterhaltungszahlungen an Ex-Partner von 13.805 Euro bestehen - darüber hinaus können aber auch hier alle Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung in der Grundversorgung als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Achtung: Der Nutznießer der Zahlungen muss diese ebenfalls in der Steuererklärung angeben.

Unterhalt für bedürftige Angehörige

Auch bei Zahlungen an bedürftige Angehörige und Lebensgefährten kann mehr als bisher abgesetzt werden: Die neue Höchstgrenze beträgt 8004 Euro, 324 Euro mehr als zuvor. Wird außerdem in die Kranken- und Pflegeversicherung für die Grundversorgung eingezahlt, können diese Beiträge ebenfalls als außergewöhnliche Belastungen angegeben werden.

Auf der nächsten Seite lesen Sie: Wie Sie Umzugskosten absetzen können und in welcher Höhe Renten künftig besteuert werden.

Renten höher besteuert

Wer 2010 erstmals Bezüge aus der gesetzlichen Rentenversicherung bezieht (Altersrente, Witwen- und Waisenrente, berufliches Versorgungswerk, Rürup-Rente) muss diese mit 60 Prozent versteuern. Gleichzeitig profitieren Rentner von der Erhöhung des Grundfreibetrages: Wer Renten oder Nebeneinkünfte ohne Steuerkarte bezieht, muss erst ab einer Summe 8004 Euro eine Steuererklärung abgeben.

Arbeitszimmer

Wer zu Hause ein Arbeitszimmer hat, kann die Kosten dafür in voller Höhe steuerlich absetzen – zumindest, wenn das häusliche Büro „Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit“ ist. Arbeitnehmer, die einen Teil ihrer Arbeit zu Hause erledigen und dafür vom Arbeitgeber keinen Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt bekommen, können immerhin noch bis zu 1250 Euro jährlich steuerlich geltend machen. Mieter können die Miete und die Nebenkosten anteilig absetzen; in voller Höhe absetzbar sind alle Kosten für die Einrichtung wie Lampen oder Teppiche.

Umzug

Der Pauschalbetrag für Umzugskosten wurde erhöht: Er beträgt nun 636 Euro für Ledige und 1271 Euro für Verheiratete. Für jede weitere Person im Haushalt gibt es 280 Euro obendrauf. Bedingung für die Steuererleichterung: Der Umzug muss beruflich bedingt sein. Das ist er auch dann, wenn er die Fahrtzeit zwischen Wohnung und Arbeitsstätte erheblich verkürzt. Gut zu wissen: Wer innerhalb der vergangenen fünf Jahre bereits einmal berufsbedingt umgezogen ist, bekommt sogar 150 Prozent der Pauschale.

Studium nach der Berufsausbildung

Wer nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung noch ein Studium absolviert, kann die Kosten dafür steuerlich geltend machen. Absetzbar sind Studiengebühren sowie Ausgaben für Bücher und Fahrten. Handelt es sich um ein berufsbegleitendes Abendstudium, können die Ausgaben sofort in der Steuererklärung als Werbungskosten eingetragen werden. Bei nicht berufstätigen Studenten führen die Ausgaben zu steuerlichen Verlusten.

Beruflich-privat gemischte Ausgaben

Gemischt veranlasste Ausgaben - etwa für eine beruflich bedingte Reise ins Ausland mit anschließender Erholung - können anteilig geltend gemacht werden. Voraussetzung ist, dass es einen geeigneten Maßstab gibt - bei Reisen etwa die Anzahl der Tage beruflicher und privater Tätigkeit.

Kurzarbeitergeld

Wer im vergangenen Jahr Kurzarbeitergeld bekommen hat, muss möglicherweise noch Steuern nachzahlen. Das Finanzamt berechnet die Steuern nämlich zunächst auf Basis des niedrigeren Einkommens. Erst nach Abgabe der Steuererklärung prüft es weitere steuerlich relevante Einnahmen, und das vom Staat gezahlte Kurzarbeitergeld gehört dazu. So kann der persönliche Steuersatz unter Umständen am Ende höher ausfallen und eine Nachzahlung wird fällig.

be/AFP / AFP
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