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Übernahme: Landau schwört Aventis auf monatelangen Kampf ein

Nach der einstimmigen Rückendeckung durch seinen Aufsichtsrat hat Aventis-Chef Igor Landau den Pharmakonzern auf einen monatelangen Kampf gegen eine feindliche Übernahme durch Sanofi eingeschworen.

Nach der einstimmigen Rückendeckung durch seinen Aufsichtsrat hat Aventis-Chef Igor Landau den Pharmakonzern auf einen monatelangen Kampf gegen eine feindliche Übernahme durch Sanofi eingeschworen. Die Suche nach einem "Weißen Ritter" sei dabei eine Möglichkeit, so Landau. Doch bevorzuge er weiter "das organische Wachstum von Aventis, so wie es heute besteht". Die IG BCE und die französische CFDT-Gewerkschaft machten gemeinsam Front gegen Sanofi.

Sanofi-Angebot "lächerlich"

Landau nannte das 48-Milliarden-Euro Angebot des französischen Konkurrenten "lächerlich". Aventis sei rund 30 Prozent unterbewertet und deshalb sei eine Offerte uninteressant, wenn sie nicht mindestens 40 bis 50 Prozent über dem aktuellen Börsenwert liege. Die Franzosen denken aber im Moment nicht daran nachzubessern: "Wir haben ein offenes Angebot vorgelegt und haben darüber hinaus nichts zu sagen", sagte Sanofi-Chef Jean-Francois Dehecq dem "Handelsblatt". "Das ist nicht der Moment, um über Verhandlungen zu sprechen."

Rückendeckung vom Aufsichtsrat

Der Aufsichtsrat des deutsch-französischen Pharmakonzerns hatte das Angebot am Mittwochabend verworfen. Auch Großaktionär Kuwait Petroleum (13,5 Prozent) stimmte dagegen. Der Vorstand wurde beauftragt, "alle Szenarien zu prüfen, die für Aktionäre und Mitarbeiter bessere Perspektiven bieten". Landau sagte dem Radio Europe-1, der Übernahmekampf werde sicherlich länger als zweieinhalb Monate dauern. Entschieden werde er von den Aktionären und nicht von der Politik, die sich nicht einmischen sollte: "Wir fordern nichts."

Gewerkschaft ruft nach Regierungshilfe

Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement beauftragt, die Hintergründe der Übernahmepläne zu prüfen. Schröder erwägt, das Thema mit Staatspräsident Jacques Chirac zu besprechen. "Im Grunde genommen ist die französische Regierung neutral", sagte Landau. Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Hubertus Schmoldt, erklärte dagegen: "Die Politik in Paris hat sich eingeschaltet und das Feld vorbereitet, um einen französischen Weltkonzern im Pharmabereich zu schaffen." Das könne sich die deutsche Politik nicht bieten lassen, sagte Schmoldt der "Welt".

Risiko für Arbeitsplätze

Die IG BCE und die CFDT erklärten in Paris, man sei schockiert wegen der Rücksichtslosigkeit des Vorgehens von Sanofi und wegen der Risiken für die Arbeitsplätze in Deutschland und in Frankreich. Auch der hessische Landtag sprach sich einstimmig gegen die Übernahmepläne aus.

Aktive Suche nach 'Weißem Ritter'

Auf der fünfstündigen Aufsichtsratssitzung am Mittwochabend in Paris stellte der Vorstand ein breites Spektrum möglicher Gegenmaßnahmen vor. Doch seien weder eine Gegenofferte oder die Suche nach einem "Weißen Ritter" besonders besprochen worden, sagte Aufsichtsratsmitglied Werner Bischoff dem "Wall Street Journal". Das "Handelsblatt" berichtete dagegen, das Kontrollgremium habe beschlossen, sich aktiv um einen passenderen Partner, einen so genannten Weißen Ritter, zu bemühen. Gehandelt werden Namen wie die britische GlaxoSmithKline-Gruppe oder die Schweizer Konzerne Novartis und Roche.

Sanofi-Chef will Wogen glätten

Sanofi-Chef Dehecq bemühte sich unterdessen weiter, Befürchtungen über einen massiven Stellenabbau in Deutschland im Falle einer Fusion zu zerstreuen. "Wir brauchen eine starke Position in Deutschland", sagte er dem "Handelsblatt".

DPA