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Umschuldung droht: Ist Griechenland noch zu retten?

Griechenland-Krise, zweiter Teil. Das Rettungspaket war zu klein, dem Land droht die Pleite, Investoren ein Schuldenschnitt. Was bedeutet das für den Euro? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Märkte im Aufruhr

Spekulationen über eine möglicherweise bevorstehende Umschuldung Griechenlands versetzen die Märkte in Unruhe. Die Risikoaufschläge für griechische Anleihen steigen, Experten erwarten einen Schuldenschnitt mit teilweisem Forderungsverzicht für Investoren. Selbst das böse Wort "Staatspleite" macht die Runde. Was das für den Euro und seine Mitgliedsstaaten bedeutet? Antworten auf die wichtigsten Fragen zur neuen Griechenland-Krise.

Kommt Griechenland auch ohne Schuldenerlass wieder auf die Beine?

Der Schuldenstand von Griechenland ist derzeit der mit Abstand höchste in der Eurozone. Angesichts einer strukturschwachen Wirtschaft und einer tiefen Rezession zweifeln viele Ökonomen daran, ob Griechenland tatsächlich in den nächsten Jahren wieder Geld an den Kapitalmärkten aufnehmen kann. Es gibt aber weiterhin Experten, die eine Chance für Griechenland sehen. So hat es auch in der Vergangenheit Länder mit sehr hohe Schuldenquoten gegeben, die trotzdem zahlungsfähig geblieben sind. Tatsächlich gab es in der europäischen Geschichte Staaten, die ihren Schuldenstand stark reduzierten. So senkte Irland von 1987 bis 2002 seinen Schuldenstand um rund 80 Prozentpunkte. Belgien erreichte im Zeitraum von 1993 bis 2007 einen Rückgang um 50 Prozentpunkte.

Könnte Griechenland nach einer Umschuldung das Reformtempo drosseln?

Zunächst gäbe es in Griechenland auch nach einer Verminderung seiner Schulden immer noch eine große Diskrepanz zwischen Ausgaben und Einnahmen. Eine Umschuldung würde daher an der Notwendigkeit durchgreifender Reformen des griechischen Wirtschaftsmodells und einer zurückhaltenden Lohnpolitik nichts ändern. Gleichzeitig dürften die Zinsen angesichts des Vertrauensverlustes für die verbliebenen Schulden weiter sehr hoch bleiben, falls Griechenland sich überhaupt noch am Kapitalmarkt refinanzieren kann. Griechenland braucht also unbedingt ein höheres Wachstum und niedrigere Ausgaben, um weiter zahlungsfähig zu bleiben - die Quadratur des Kreises.

Könnte Griechenland sich nach einer Umschuldung wieder an den Kapitalmärkten finanzieren?

Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou befürchtet, dass sein Land wegen des Vertrauensverlust auf lange Zeit von den Finanzmärkten ausgeschlossen bliebe. Tatsächlich dürften Anleger auf die verbliebenen Schulden nach einem Schuldenschnitt noch größere Risikoaufschläge verlangen. Möglicherweise könnte Griechenland ganz vom Kapitalmarkt ausgeschlossen bleiben.

Wie groß sind die Auswirkungen auf andere Länder der Eurozone?

Experten sehen derzeit insbesondere Gefahren für Portugal und Irland. Für Spanien haben sich hingegen seit Jahresbeginn die Risikoaufschläge an den Anleihemärkten merklich vermindert. Die Deutschen führten ebenfalls Auswirkungen der Krise auf ihr Land, wie eine stern-Umfrage ergab. Der Euro-Rettungsschirm werde das Land teuer zu stehen kommen, fürchten etwa 60 Prozent der Befragten.

Gibt es Alternativen zur Umschuldung, falls Griechenland im kommenden Jahr nicht an den Markt zurückkehren kann?

Sollte Griechenland im Jahr 2012 immer noch kein Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können, müsste ein neues Hilfsprogramm aufgelegt werden, um eine Pleite zu verhindern. Das bisherige Hilfspaket von Eurozone und IWF hatte ein Volumen von 110 Milliarden Euro. Es gilt als zweifelhaft, ob die Parlamente der Mitgliedstaaten einer Aufstockung zustimmen würden. Diese Einschätzung bestätigte die Parlamentswahl in Finnland, wo die eurofeindliche Partei "Wahre Finnen" 19 Prozent der Stimmen erhalten hat.

DPA / DPA