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Verbraucherschützer fordern Deckelung Der lange Kampf gegen hohe Dispozinsen


Schuldenfalle Girokonto: Politik und Verbraucherschützer fordern niedrigere Dispozinsen zur Entlastung der Kunden. Einige Banken haben bereits reagiert.

Zweistellige Dispozinsen und noch höhere Überziehungszinsen sind Verbraucherschützern schon lange ein Dorn im Auge. Doch langsam kommt Bewegung in den Markt. Mehrere Banken und Sparkassen haben inzwischen den Überziehungszins abgeschafft. Das reicht allerdings nicht, sagen Verbraucherschützer. Der Extra-Aufschlag müsse ganz verschwinden und die Dispozinsen sollten gedeckelt werden.

"Wegen der noch immer sehr hohen Dispozinsen kann ein dauerhaft überzogenes Girokonto für viele Bankkunden zur Schuldenfalle werden", sagte jüngst auch Bundesverbraucherminister Heiko Maas.

Nach Berechnung der FMH Finanzberatung liegt der Dispozins im Schnitt derzeit bei 9,99 Prozent, der Überziehungszins bei 13,13 Prozent. Vor einem Jahr es waren es demnach noch 10,44 beziehungsweise 14,89 Prozent.

Die Bandbreite ist allerdings enorm. Banken verlangen nach Angaben des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV) zwischen 4,9 bis 14 Prozent Zinsen für einen Dispokredit. Verbraucherschutzminister Maas setzt auf mehr Transparenz: Die Höhe der Zinsen sollte auch im Internet vergleichbar sein. Dies werde es den Banken schwerer machen, insbesondere in der jetzigen Niedrigzinsphase noch so hohe Zinsen zu verlangen. "Ich hoffe, dass dadurch die Dispozinsen auf breiter Front weiter sinken", sagte der SPD-Politiker.

VZBV-Finanzexperte Frank-Christian Pauli ist allerdings skeptisch. Mehr Transparenz werde wahrscheinlich nicht reichen. Der Grund: "Die meisten Verbraucher achten bei der Entscheidung für eine Bank auf die Höhe der Kontoführungsentgelte und nicht auf die der Dispozinsen". Es gebe daher so gut wie keinen Wettbewerb über den Preis bei den Dispozinsen.

Deckelung bei sieben Prozent?

Die Verbraucherschützer fordern daher eine gesetzliche Deckelung. Der VZBV schlägt einen Zinssatz von sieben Prozent und zusätzlich einen variablen Faktor vor, der sich aus dem Preis ergibt, zu dem sich Banken auf dem Markt Geld besorgen können (Drei-Monats-Euribor).

Erfreulich ist aus Sicht Paulis, "dass viele Institute inzwischen selbst eingesehen haben, dass der höhere Zins für die geduldete Überziehung Unfug ist". Damit sei es aber nicht getan. Der Extra-Aufschlag müsse flächendeckend abgeschafft werden.

Nach FMH-Angaben verzichten inzwischen 18 von 80 ausgewerteten Instituten auf den Überziehungszins. Zu Jahresanfang waren es erst zwei.

Unter anderem haben mehrere Sparkassen den Überziehungszins inzwischen auf das Niveau des Dispozinses gesenkt, darunter die Institute in München und Berlin, heißt es beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband. "Der Markt ist generell in Bewegung". Auch mehrere Genossenschaftsbanken bieten nach Angaben ihres Verbandes seit längerem Dispo- und Überziehungszins in gleicher Höhe an. Auch einige Privatbanken verzichten auf den Extra-Zins.

Wieviele Verbraucher überhaupt einen Dispo- oder Überziehungskredit in Anspruch nehmen, ist schwer einzuschätzen. Regelmäßige Statistiken dazu gibt es nicht. Nach jüngsten Zahlen der Bundesbank haben Privatpersonen in Deutschland ihre Konten um etwa zwölf Milliarden Euro überzogen. Die Tendenz ist allerdings rückläufig. Ende 2008 betrug der negative Saldo noch 17,06 Milliarden Euro.

Wenn ein Kunde dauerhaft im Dispo steckt, sollte die Bank ihm eine Beratung über kostengünstigere Alternativen anbieten, etwa die Umwandlung in einen Ratenkredit, fordert Minister Maas. Die Deutsche Kreditwirtschaft weist darauf hin, dass die Berater in Banken und Sparkassen Kunden ansprechen, wenn sie auffällig lange ihren Dispo in Anspruch nähmen.

Manche Institute gehen darüber hinaus: So druckt beispielsweise die Commerzbank inzwischen Warnhinweise auf die Kontoauszüge. Die Sparkassen prüfen ähnliches. Die ING-DiBa will ihre Kunden mit "Dispo-Warnbriefen" künftig über günstigere Kreditalternativen informieren. Weitere Institute könnten folgen. Im Ministerium heißt es: "Die Warnpflicht ist Gegenstand laufender Gespräche".

Friederike Marx/DPA DPA

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