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Verkehr: Börsen-Gutachten setzt Bahnchef Mehdorn unter Druck

Der ehrgeizige Fahrplan an die Börse wird für Bahnchef Hartmut Mehdorn immer schwieriger. Nur wenn der staatliche Konzern die Sanierung nochmals beschleunigt, ist der Gang an den Kapitalmarkt wie angestrebt in zwei Jahren möglich.

Der ehrgeizige Fahrplan an die Börse wird für Bahnchef Hartmut Mehdorn immer schwieriger. Nur wenn der staatliche Konzern die Sanierung nochmals beschleunigt, ist der Gang an den Kapitalmarkt wie angestrebt in zwei Jahren möglich, urteilen die Investmentbanker von Morgan Stanley in einem Gutachten für die Bundesregierung. Dabei kämpft die Bahn schon mit aller Kraft für schwarze Zahlen 2004, damit der Bund als Eigentümer bald über eine Teilprivatisierung entscheiden kann. Doch Mehdorn will Kurs auf das große Ziel halten. Auf die rund 243.000 Beschäftigten kommt ein schärferer Wind zu.

Liste mit Hausaufgaben

Der Hase müsse schneller in Richtung der Möhre laufen, lautet das Signal aus Regierungskreisen. Die Gutachter geben der Bahn denn auch gleich eine Liste an Hausaufgaben vor, die für eine aussichtsreiche Börsenstory nötig seien. Die 2004 und 2005 geplanten Gewinne müssten punktgenau erreicht werden. Jedes Geschäftsfeld, auch der bisher in den roten Zahlen fahrende Fernverkehr und die Netztochter, müsse die Trendwende schaffen. Im nächsten Jahr solle Mehdorn dann eine neue Planung bis 2010 vorlegen, die die Erwartungen künftiger Investoren "glaubwürdig und nachhaltig" dokumentiere - etwa auf eine Dividende.

Auf die Beschäftigten kommen bereits höhere Anforderungen zu. Um auch über dieses Jahr hinaus auf Entlassungen zu verzichten, verlangt Personalvorstand Norbert Bensel im Gegenzug massive Zugeständnisse. Denn im Wettbewerb mit privaten Konkurrenten wie Connex und Co. will der Konzern seine Personalkosten senken. Die Bahner sollen dafür zur 40-Stunden-Woche zurück, ohne für die eineinhalb Stunden Mehrarbeit mehr Geld zu bekommen. An Zulagen und die Anrechnung von Pausen will der Vorstand ebenfalls heran. Die Arbeitnehmervertreter bringen sich schon dagegen in Stellung. Die Gewerkschaft Transnet schon über das weitere Vorgehen.

Investoren verlangen langfristige Sicherheiten

Auch die Politik sehen die Investmentbanker am Zuge, um Anlegern mögliche Bahn-Aktien schmackhaft zu machen. Doch dort sind ebenfalls noch viele Fragen offen. Nach schlechten Erfahrungen mit dem vernachlässigten britischen Netz verlangten Investoren langfristige Sicherheit für den Erhalt der Strecken, ergab die Studie. Dafür könne eine "Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung" über mindestens zehn Jahre sorgen, was eine feste Zusage von 25 Milliarden Euro aus der Bundeskasse bedeuten würde. Unter den Fachleuten aller Fraktionen gibt es für lange haushaltspolitische Bindungen aber kaum Anhänger. Überhaupt drohen die Börsenpläne weiter in der Strudel politischen Streits zu geraten. Denn in ihrem 1.500 Seiten langen Gutachten haben die Experten von Morgan Stanley nur die von Mehdorn favorisierte Variante untersucht, den Konzern mitsamt des Schienennetzes an den Kapitalmarkt zu bringen. Die Verkehrsexperten des Bundestags pochen aber darauf, noch alternative Modelle zu prüfen. Auch die Überzeugungskraft von Prognosen über künftige Gewinne trifft eher auf Skepsis. Nötig seien "nicht Planungen, sondern Fakten", sagt der Grünen-Abgeordnete Albert Schmidt.

Sascha Meyer, dpa / DPA