VG-Wort Pixel

Wertvoll wie nie Warum boomt der Bitcoin – und soll ich da einsteigen?

Bitcoin
Der Kurs des Bitcoin ging in den vergangenen Wochen durch die Decke
© Pavlo Gonchar / DPA
Die Kryptowährung Bitcoin pulverisiert einen Rekord nach dem nächsten und ist so wertvoll wie nie. Was steckt hinter dem Hype und ist er diesmal nachhaltig?

Was ist da beim Bitcoin los? Die Kryptowährung, die bereits vor drei Jahren kurzzeitig einen digitalen Goldrausch ausgelöst hatte, boomt heftiger als je zuvor. Erst Mitte Dezember hatte der Kurs den Rekord von 2017 übertroffen und erstmals die Schwelle von 20.000 US-Dollar geknackt. Seitdem steigt der Kurs munter weiter.

Am Wochenende war ein Bitcoin erstmals mehr als 30.000 Dollar wert. Das ist vier Mal so viel wie vor einem Jahr. Allerdings sind auch die Schwankungen enorm. Nach dem Rekordhoch von 34.800 Dollar am Wochenende ging es am Montag zwischenzeitlich auf 27.700 Dollar runter. Nun rätseln Experten und Laien, wie es weitergeht. Stürzt der Wert des Bitcoin ähnlich krass ab, wie beim letzten Hype? Oder etabliert er sich endgültig als ernstzunehmende Währung?

Der Bitcoin-Fantasie sind derzeit jedenfalls keine Grenzen gesetzt. Der Chef des Finanzriesen Guggenheim Investments, Scott Minerd, erklärte kürzlich in einem Bloomberg-Interview, er halte einen Kurswert von 400.000 Dollar für realistisch. Ein Manager der Investmentfirma Coinfund glaubt sogar, dass ein Bitcoin schon bald eine Million Dollar wert sein wird. Das wäre eine steile Karriere für die einstige Nerd-Währung. 

Bitcoin auf dem Weg zur Mainstream-Währung?

Bitcoin wurde vor rund zwölf Jahren von einem – oder mehreren – Unbekannten mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto erfunden. Das Geld wird nicht von einer Zentralbank ausgegeben, sondern kann dezentral von jedem geschürft ("Mining") werden, der genug Rechnerleistung aufbringen kann. Dabei wird es immer aufwendiger neue Bitcoins zu erschaffen und die Gesamtzahl ist technisch auf 21 Millionen Bitcoins begrenzt. Die sogenannte Blockchain-Technologie sorgt dafür, dass jede Transaktion nachvollziehbar aufgezeichnet wird, sodass klar ist, wem welche Bitcoin gehören.

Anfangs begeisterte die Währung vor allem Computernerds, Kritiker staatlicher Finanzsysteme und Menschen, die gerne anonym Geld überweisen wollen (darunter auch Kriminelle). Doch nun scheint die Kryptowährung auf dem Sprung in den Mainstream. Kaufen und verkaufen lassen sich Bitcoin von jedermann via Smartphone-Apps. Im Oktober kündigte Paypal an, dass man über den Dienst künftig nicht nur Bitcoin handeln, sondern schon 2021 damit auch bei Händlern bezahlen könne. Die Ankündigung gilt als ein maßgeblicher Auslöser des aktuellen Booms.

Ein weiterer ist, dass Geld derzeit so billig ist. Da die Zinsen niedrig sind, stecken Anleger ihr Geld lieber in Aktien, Immobilien und nun eben auch in Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum. Kryptowährungen sind in dieser Logik ein Spekulationsobjekt wie Gold, das im Falle von Inflation und Finanzkrisen wertbeständig sein soll. Kryptowährungen als Anlageobjekt sind aber nicht nur etwas für Untergangspropheten. Auch große institutionelle Anleger haben den Bitcoin als Wertanlage für sich entdeckt. 

Hochspekulative Wette

Wer über einen Einstieg nachdenkt, muss sich allerdings immer klar machen, dass die ganze Geschichte eine große Wette ist. Der Wert eines Bitcoin kann innerhalb eines Tages um Tausende Dollar steigen oder sinken. Er kann langfristig in schwindelerregende Höhen klettern oder Richtung Null fallen, falls andere digitale Währungen ihm den Rang ablaufen.

Hinter einem Bitcoin steht kein realer Wert – wie etwa bei einer Aktie, die einen Unternehmensanteil darstellt –, sondern lediglich eine kryptografische Formel. Getragen wird der Kurs des Bitcoin allein vom Glauben daran, dass auch andere ihm einen Wert zumessen. Sollte dieser Glaube schwinden und der Kurs abstürzen, gibt es anders als bei staatlichen Währungen auch keine Notenbank, die rettend eingreift. Die größte Stärke der Währung – ihre Unabhängigkeit von jeglichen Institutionen – ist somit zugleich auch ihre größte Schwäche.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker