HOME

Goldesel: Bundesbank-Gewinn weckt Begehrlichkeiten

Wer an die Bundesbank denkt, sieht prall gefüllte Tresore mit glänzenden Goldbarren und Maschinen zum unbegrenzten Drucken von Geldscheinen vor sich. Kein Wunder, dass die Bundesbank als Goldesel des Staates gilt.

Wer an die Bundesbank denkt, sieht prall gefüllte Tresore mit glänzenden Goldbarren und Maschinen zum unbegrenzten Drucken von Geldscheinen vor sich. Kein Wunder, dass die Bundesbank als Goldesel des Staates gilt. "Staatsaufgaben wurden schon seit dem Mittelalter durch das Prägen von Münzen finanziert", sagt Volkswirt Prof. Wolfgang Gebauer von der Universität Frankfurt. "Auch heute stehen die Gewinne der Bundesbank dem Staatshaushalt zu." Zwei Jahrzehnte lang polsterte die nationale Zentralbank mit Überschüssen den Bundeshaushalt. 1976 bis 1979 hatte sie wegen der Dollarschwäche letztmals Verluste verbucht - seitdem fließt der Nettogewinn in voller Höhe an den Bund. Der Rekord lag 1997 bei 24,2 Milliarden DM.

2003 nur ein mageres Plus

Wenn die Bundesbank an diesem Mittwoch die Bilanz für 2003 vorlegt, wird unter dem Strich aber nur ein mageres Plus von unter einer Milliarde Euro stehen. Das könnte ein neues Loch in den Haushalt von Bundesfinanzminister Hans Eichel reißen, der - traditionell - 3,5 Milliarden Euro in seinem Budget eingeplant hat. Mit dem Rest des Gewinns wurden bislang Schulden zurückgezahlt.

Hat die Bundesbank im vergangenen Jahr also schlecht gearbeitet? "Die Tätigkeit der Bundesbank hat mit unternehmerischer Philosophie nichts zu tun", sagt Analyst Michael Schubert von der Commerzbank. "Das Ziel ist nicht wie bei einer Geschäftsbank die Gewinnmaximierung. Das Ziel der Europäischen Zentralbank genauso wie der Bundesbank ist Preisstabilität." Volkswirtschaftlich entscheidend sei, dass die Europäische Zentralbank (EZB) und die 12 Nationalbanken der Euro-Länder 2003 mit ihrer Geldpolitik die Inflationserwartung niedrig gehalten hätten. "Mit einer Teuerungsrate von 2,0 Prozent wurde diese gesetzliche Aufgabe erfüllt."

Gewinn machen ist nicht Hauptziel

Ökonomen sehen den Gewinn nur als ein Nebenprodukt der Notwendigkeit an, die Wirtschaft mit Geld zu versorgen. Bundesbankpräsident Ernst Welteke ging vor einem Jahr noch weiter. Als der Gewinn 2002 auf 5,4 Milliarden Euro gesunken war, wertete er dies als Erfolg: "Bei niedrigen Inflationsraten sind Zinsen niedrig, dann sind die Erträge der Notenbank niedrig. Das ist Ausdruck einer erfolgreichen Notenbankpolitik", sagte Welteke - zumal der Gewinn der Bundesbank von externen Faktoren abhängt, auf die die Hüterin der Währung gar keinen Einfluss nehmen kann.

Ein wesentlicher Quell der Einnahmen ist das Management der Devisen-Reserven. "Rund 32 Milliarden Euro sind vornehmlich in US-Papieren angelegt", sagt ein Bundesbank-Sprecher. "Weil auch in den USA die Zinsen niedrig sind und der Dollar schwach war, sind die Anlagen in Euro bilanziert weniger wert als im Vorjahr." 2002 waren es rund zwei Milliarden Euro Zinserträge.

Gelddrucken bringt nur indirekt Gewinn

Zweite Einnahmequelle ist die Refinanzierung der rund 2.600 Banken in Deutschland. Um ihr Geschäft betreiben zu könne, sind sie auf Notenbankgeld angewiesen. Für die Ausgabe von Münzen und Scheinen nehmen die Kreditinstitute in der Frankfurter Zentralbank Kredite auf. Bei niedrigeren Zinsen und einem geringeren Volumen sind die Gewinne der Bundesbank im Vorjahr zurückgegangen (2002 rund 3,46 Milliarden Euro). Der Traum aller Geldfälscher - das Gelddrucken - bringt der Bundesbank also nur indirekt Gewinn. Die Geldmenge kann sie nur in Interaktion mit einem Kunden - den Banken - vermehren.

Weil der Gewinn 2003 die Finanzpolitiker enttäuschte, richten sich nun die politischen Begehrlichkeiten auf Erlöse aus den möglichen Goldverkäufen der Bundesbank. Der gesamte Goldbestand von 3.440 Tonnen erzielt keine Erträge, würde aber rund 28 Milliarden Euro Gewinn abwerfen. Viele Ökonomen halten einen Verkauf für problematisch. "Das Gold erreicht die Psychologie des Otto-Nomalverbrauchers", sagt Prof. Gebauer. "Wenn der Eindruck entsteht, dass die Bundesbank politischen Druck nachgibt, um Finanzprobleme des Bundes zu lösen, wäre das fatal für das Vertrauen in die Geldwertstabilität."

Marion Trimborn, dpa / DPA