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Überwachung: Airbnb-Ärger – wenn Überwachungs-Kameras die Gäste ausspionieren

Überwachungskameras werden immer kleiner und unauffälliger. Doch was passiert, wenn Airbnb-Gäste bemerken, dass sie heimlich aufgenommen werden? Womöglich noch im Schlafzimmer.

Moderne Kameras machen eine rundum Überwachung möglich.

Moderne Kameras machen eine rundum Überwachung möglich.

Getty Images

Es wird immer einfacher sein Haus zu überwachen. Kleine Kameras, die Zimmer, Eingang, Terrasse oder Einfahrt überwachen, sind billig und kinderleicht zu installieren. Sie gibt es für jeden Zweck: etwa mit Zoom, um das Eichhörnchen in Nahaufnahme zu beobachten. Auffällig an einem Montagewinkel angebracht oder klein und nahezu unsichtbar.

Nachtsichtfähigkeiten gehören zum Standard genau wie Überwachungssensoren, die einen Alarm auslösen und die Aufnahme nur dann starten, wenn eine Bewegung registriert wurde.

In Deutschland ist die Überwachung des Eigenheims auch wegen des strengen Datenschutzes nicht so populär wie in den USA und Großbritannien, aber auch hierzulande montiert man in Ferienwohnungen und Schreberhäuschen gern einen Spion, um auch bei langer Abwesenheit aus der Ferne nach dem Rechten sehen zu können.

Rechtlich gesehen ist das immer problematisch. Schließlich nimmt man nicht nur Einbrecher, sondern auch jeden harmlosen Besucher auf, der nichts ahnend auf der Festplatte abgespeichert wird.

Überraschung im Urlaub

Für Airbnb wird die Überwachungsmanie zu einem ernsthaften Problem. Zahlreiche Videos wollen Airbnb-Mietern helfen, solche Spione zu entdecken. Immer finden Mieter unversehens eine Spy-Camera und sind dann alles andere als angetan. Sie wissen nicht, ob sie aufgenommen wurden, oder ob die Anlage während der Vermietung abgeschaltet war.  Der Aufenthalt ist bereits dann gründlich vermiest, wenn Gäste fürchten müssen, unter der Dusche und im Bett – Stichwort Nachtsicht – heimlich aufgenommen worden zu sein.

Max Vest war in Florida zu Besuch. Als er sich schlafen legte, bemerkte er zwei kleine schwarze Boxen mit Sicht auf das Bett "Ich wusste nicht, ob ich live gesehen wurde", sagte Vest dem Magazin "The Atlantic". "Die Kameras benutzen eine Speicherkarte, aber sie können auch live streamen."

Er verließ geschockt die Wohnung. War es böse Absicht? Wenn ja, dann ist sein Host dilettantisch vorgegangen. Die auffälligen Boxen verrieten sich durch ein LED-Licht, das im Dunkeln sofort auffiel. Das Licht bedeutet aber auch, dass die Kameras im Betrieb waren.

Vest nimmt die Sache jedenfalls sehr ernst, er hat Klage gegen Airbnb erhoben. "Das war nicht nur eine negative Erfahrung. Das war eine Straftat." Das meint er zumindest.

Im letzten Herbst entdeckte Dougie Hamilton aus Glasgow eine Kamera in einem Appartement, das er in Toronto mit seiner Freundin gemietet hatte. Hier war die Absicht eindeutig: Es gab nur eine Kamera, sie war in einem Wecker versteckt und überwachte einzig und allein das Bett der beiden. Hamilton sah die auffälligen Kabel, die aus der Uhr kamen und ihm war sofort klar, dass da etwas nicht stimmte "Ich nahm das Ladegerät heraus und sah, dass sich hinten eine Lithium-Batterie befand. Dann schob ich die Vorderseite der Uhr weg und konnte sehen, dass es eine Kamera gab."

Airbnb erlaubt Überwachungskameras

Tatsächlich erlauben die Regeln von Airbnb Überwachungskameras. Aber nur im Freien, in Wohnzimmern und Gemeinschaftsräumen, jedoch nicht in Bade- oder Schlafzimmern. Gastgeber sind verpflichtet, die Kameras und ihren Standort anzugeben. Gäste müssen bei der Buchung zustimmen. Für Personen mit Sinn für Intimsphäre ist das schon eine Zumutung. Sitzt man mit den Freunden abends bei einem oder auch mehreren Gläsern auf der Terrasse, kann die Party durchaus gestreamt werden. Das gleiche gilt auch für Paare. Wenn sie nicht wollen, dass ihre Zärtlichkeiten heimlich zu einem Videoclip verarbeitet werden, müssen sie sich auf der Liege am Pool zurückhalten und sich für heiße Küsse im Badezimmer einschließen.

Andererseits haben die Gastgeber ein durchaus legitimes Interesse an einer gewissen Überwachung. Immer wieder werden Unterkünfte offiziell von zwei Personen gebucht, dann übernachten aber sehr viel mehr Gäste in der Unterkunft. Ein Problem sind auch exzessive Partys, die zu Beschädigungen führen. Es gibt vorsichtige Gastgeber, die grundsätzlich nicht an Personen aus der gleichen Region vermieten, weil sie argwöhnen, dass der einzige Grund, eine Wohnung in der gleichen Stadt zu mieten, nur die Absicht sein könne, dort eine Riesenparty steigen zu lassen.

Allzu viel Hilfe können ausspionierte Gäste nicht von Airbnb erwarten. Das ergaben die Recherchen von "The Atlantic". Allen wurden anstandslos die Kosten erstattet und eine Ersatzunterkunft besorgt, der Vorfall auch untersucht. Doch viele Überwachte wünschten sich weitergehende Hilfe. Die es nicht gibt.

Es gibt kein Airbnb-FBI

Tatsächlich ist Airbnb nur ein Vermittler und keine eigene Ermittlungsbehörde, die mit Detektivarbeit juristisch relevante Vorwürfe klären kann. Airbnb weiß nicht, ob die Kameras zum fraglichen Zeitpunkt im Betrieb waren oder nicht. Oder ob der Gastgeber die Besucher nicht doch auf die Überwachung hingewiesen hat. Zumal es sich um ein internationales Unternehmen handelt. Ein amerikanischer Gast hat sich beschwert, dass er in Bulgarien gefilmt worden sei. Der Mann war technisch versiert und spürte die versteckten Kameras mit einem speziellen Scan auf.

Rechtlich ist die Lage kompliziert. Max Vest war über die Entdeckung der Kameras so empört, dass er eine Polizeidienststelle in Miami aufsuchte. Da erlebte er die nächste Enttäuschung. Die Beamten waren der Ansicht, dass es möglich sei, dass der Gastgeber die Airbnb-Regeln missachtet habe, als er die Kameras nicht erwähnte. Das allein sei aber kein Verbrechen.

Doch er, Vest, habe ganz sicher Speicherkarten und Schlüssel aus dem Haus mitgenommen und müsse damit rechnen, dass sein Gastgeber ihn wegen Diebstahls anzeigen könne.

Quelle: "The Atlantic

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