HOME

Fiese Masche beim Hauskauf: Gehackte Mail vom Notar – so leiten Betrüger das Geld fürs neue Haus um

Betrüger fangen die Post vom Notar ab und ändern die Kontodaten für den finalen Kaufakt. Mit einer Überweisung verschwinden dann Hunderttausende, die Opfer stehen vor dem Ruin. Die Masche hat in Großbritannien derzeit Konjunktur.

Der Traum vom eigenen Haus wird zum Alptraum, wenn die Kaufsumme verschwindet

Der Traum vom eigenen Haus wird zum Alptraum, wenn die Kaufsumme verschwindet

Stellen Sie sich vor: Sie bestellen etwas im Internet, erhalten eine Rechnung, überweisen den Betrag. Und hinterher stellen sie fest, dass nicht der Händler sondern die Betrüger das Geld erhalten haben, die ihnen eine gefälschte Rechnung zugesandt haben. Ziemlich ärgerlich – und doch kommt diese Art von Internetbetrug ziemlich häufig vor. In Großbritannien hat diese Masche eine neue, existenzbedrohende Dimension angenommen. Die Betrüger fangen nämlich nicht die Rechnung für den neuen TV ab, sie fangen Post vom Notar ab – mit der Rechnung sollen Wohnungen und Häuser bezahlt werden. Verschwindet das Geld, sind die Opfer hoffnungslos ruiniert. 

Ein Opfer, die 42-jährige Kate Blakeley, sagte der "BBC": "Wir haben fast 300.000 Pfund überwiesen und nach ungefähr drei Stunden stellten wir fest, dass das Geld verschwunden war." "Das Geld kam nicht auf dem Bankkonto an, auf das wir es überweisen wollten. Das war der reine Horror. Das war so eine unvorstellbar große Summe."

Betrug am Freitagnachmittag

Der Trick funktioniert ganz einfach: Die Betrüger fingen eine Email von den Rechtsanwälten des Paares ab, in der sie gebeten wurden, 299.000 Pfund anzuweisen. Dabei war das Paar ganz vorsichtig, sie erkundigten sich extra bei den Anwälten nach dem Vorgang und der Kundennummer, bevor sie die Überweisung tätigten. Das Problem war allerdings, dass die Kontonummer geändert wurde. Kate Blakeley und ihr Partner Marco Faes bekamen ihr Geld schließlich zurück, aber es dauerte Jahre bis der Fall abgeschlossen war. Dabei erhielten sie kaum Unterstützung von der Bank oder von ihren Anwälten. Die Blakeleys gehören zu den Opfern mit der höchster Schadenssumme.

 Aber auch Andrew Doyle und Susan Paul verloren 204.000 Pfund mit der gleichen Masche. Bei der Familie Lupton waren es sogar 340.000 Pfund, als sie eine Wohnung für ihre Tochter kaufen wollten. Sie konnten nur einen Teil des Geldes sicherstellen und erlitten einen Schaden von über 60.000 Pfund. Meistens gehen die Emails am Freitagnachmittag ein. So dass die Betrogenen erst drei Tage später am Telefon nachfragen können, ob das Geld auch eingegangen sei.

Kein Ende der Betrugswelle

Nick Mothershaw, ein Experte für Bankbetrug, sagte dem "Telegraph": "Wegen der damit verbundenen großen Werte sind die Auswirkungen auf das Leben der Menschen verheerend. In vielen Fällen konnten die Betrüger entweder Datenbanken hacken oder E-Mails zwischen Einzelpersonen und ihren Anwälten abfangen. Große Zahlungen wurden umgeleitet und Betrüger sind mit dem Geld spurlos verschwunden."

Der Betrug mit fingierten Rechnungen betrifft zahlreiche Kunden. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 überwiesen fast 20.000 Briten insgesamt 101,2 Millionen Pfund an Kriminelle. Nur ein Viertel der Verluste, nämlich 25,2 Millionen Pfund, konnten die Banken wieder zurückholen. Die Regulierungsbehörde will die Verbraucher schützen, steht aber vor einem Dilemma: Weder Banken noch Rechnungssteller haben einen Fehler gemacht, der Kunde bleibt so auf dem Schaden sitzen. Nur in Einzelfällen gibt es Entschädigungen aus einem Fonds.

Hannah Nixon, die Direktorin der Regulierungsbehörde, macht wenig Hoffnung auf ein Ende der Betrugswelle. "Es gibt keine geheimnisvolle Silberkugel, die diese Betrüger stoppen kann. Unglücklicherweise werden weiterhin Menschen darauf hereinfallen."

Themen in diesem Artikel