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Betrugsmasche Wie ein unbekannter Schauspieler Hollywood-Investoren um 227 Millionen Dollar betrogen haben soll

Zach Avery (zweiter von rechts) kam nicht über Filme wie "The Devil Below" hinaus.
Zach Avery (zweiter von rechts) kam nicht über Filme wie "The Devil Below" hinaus.
© Courtesy Everett Collection/ / Picture Alliance
Es war die Rolle seines Lebens. Vor der Kamera war Zach Avery nur eine kleine Nummer, dann kam er als Händler für Streamingrechte ganz groß raus. Doch alles soll nur ein Betrug gewesen sein. Der Schaden beträgt 227 Millionen Dollar.

Zach Avery ist ein Schauspieler mit einer achtbaren, aber nicht beeindruckenden Hollywoodkarriere. In "Fury" spielte er einen namenlosen SS-Arzt, in billigen Horror-Streifen wie "You're not alone" sogar eine Hauptrolle. Nun wurde er als ganz dicker Fisch verhaftet. Die Bundesbehörden werfen ihm Betrug im großen Stil vor, 227 Millionen US-Dollar soll Zachary Joseph Horwitz, so sein richtiger Name, erschwindelt haben.

Seine Geschäftsidee war der Handel mit Filmrechten für Streaming-Dienste wie HBO und Netflix. Das soll er zumindest den Investoren vorgemacht haben, die in seine Firma 1inMM Capital LLC einzahlten. Ihm wird vorgeworfen, den Anlegern erzählt zu haben, dass er Filmrechte an Streaming-Unternehmen im Ausland, insbesondere in Lateinamerika, verkaufen wollte.

Angeblich sicheres Investment

2015 schickte er potenziellen Investoren eine Flasche Johnnie Walker Blue Label und einen Prospekt, in dem eine "Bibliothek" von 52 Filmen erwähnt wurden, die sein Unternehmen in Afrika, Australien, Neuseeland und Südamerika vertreiben dürfe. Der Betrug konnte so lange gut gehen, weil es sich um ein klassisches Schneeballsystem handelte. Das heißt, Horwitz sammelte lange Zeit genug frisches Geld ein. Mit diesen neuen Mitteln konnte er Gewinne an ältere Investoren auszahlen. Gewinne, die es in Wirklichkeit gar nicht gab.

In Broschüren behauptet er, dass 1inMM Capital sichere Investitionen biete und dass es kein Risiko gäbe. Die Firma würde zunächst einen verbindlichen Käufer für die Filmrechte suchen, bevor sie selbst eigene Mittel für die Lizenz ausgebe. Das Projekt wirkte glaubwürdig, denn viele der angeblichen Kunden waren kleine, lokale Dienste. Horwitz Firma bediente angeblich diese Nischen-Märkte, mit denen sich die großen Player nicht abgeben würde. Auch waren die Filme zwar bekannt, aber keine besonderen Kino-Erfolge.

Luxus-Leben

Tatsächlich wurde ein Teil der Gelder verwendet, um alte Investoren auszuzahlen, der Rest finanzierte das Leben des Schauspielers, der sich unter anderem eine 6-Millionen-Dollar-Villa gönnte. Das Ganze lief etwa vier Jahre störungsfrei. Doch im Wesen des Schneeballsystems liegt es, dass aus dem Ball eine Lawine wird. 2019 konnte Avery nicht mehr genug neues Geld zusammenbekommen, um die Maschine weiter zu schmieren. Er musste seine Investoren vertrösten. Und fälschte dafür Korrespondenzen mit Netflix und HBO, die Gewinne in Aussicht stellten und erklärten, warum die Zahlungen stockten. "In Wirklichkeit haben weder Horwitz noch 1inMM Capital jemals E-Mail-Korrespondenz mit Netflix oder HBO geführt", so die Anklage, "noch hatten Horwitz oder 1inMM Capital jemals eine Geschäftsbeziehung mit Netflix oder HBO."

Seit Dezember 2019 ist Horwitz Unternehmen laut FBI mit mehr als 160 Millionen US-Dollar an Einlagen im Minus, dazu kommen noch 59 Millionen US-Dollar an angeblichen Gewinnen. Es ist unwahrscheinlich, dass das Geld wieder auftaucht.

Quelle: L.A. Times


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