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Bankenkrise Yachten und Sexpartys – so verprasste ein Bank-Manager 245 Millionen Pfund

Lynden Scourfield (rechts) mit seine Komplizen David Mills (Mitte) und Michael Bancroft auf Barbados in der Karibik
Lynden Scourfield (rechts) mit seine Komplizen David Mills (Mitte) und Michael Bancroft auf Barbados in der Karibik
© Polizei Thames Valley
Manager Lynden Scourfield plünderte seine Bank und raubte seine Kunden aus. Die Bank allein erlitt einen Verlust von 245 Millionen  Pfund – dafür gönnte sich der Manager Yachtausflüge in der Karibik und regelmäßige Orgien mit Pornostars.

In dieser Woche fiel das Urteil in einem Prozess, der Großbritannien erschütterte. Lynden Scourfield, 54, und fünf Mittäter haben in den Jahren nach 2002 einen Betrug in Höhe von 245 Millionen Pfund durchgezogen. Sie schädigten zuerst ihre Bank, die HBOS, und dann deren Besitzer Lloyds und unzählige private Anleger, berichtet die britische Strafverfolgungsbehörde auf ihrem Blog.

Korruption wie im Hollywood-Film

2005 war Scourfield ein führender Manager von HBOS. Er war so korrupt, wie man es sich in einem Hollywoodfilm vorstellt. Das Gerichtsverfahren zeigte, wie sich der Bankmanager auf jede erdenkliche Art schmieren ließ. Mal nahm er einfach Bargeld in einem Umschlag. Dann feierte er auf Kosten des Mitangeklagten David Mills Sexpartys in seinem Appartement. Er buchte Yachten für Ausflüge in der Karibik und im Mittelmeer. Für seine täglichen Ausgaben besaß er eine Kreditkarte, die sämtliche Beträge direkt bei Mills abbuchten.

Besessen von Pornostars

Scourfield genoss "sexuelle Dienste im häufigen, regelmäßigen Rhythmus", erfuhr das Gericht. Für seine Eskapaden wurde extra ein Appartement angemietet. Das "Spielgeld" für die Escort-Frauen wurde in einem Schrank hinterlegt – neben einer Packung Viagra.  Trotz seiner Sex-Besessenheit machte Scourfield offenbar wenig Eindruck. Suzie Best, Escort und ehemaliger Pornostar, beschrieb den Banker abschätzig als "kurzen Danny-DeVito-Typen mit Glatze." Ein andere Pornostar notierte nach einer Performance mit zwei weiteren Frauen: "Chinesisches Essen. Getränke in der Wohnung. Kurze Nummer. Einfach verdiente 1500 Pfund." Diese jahrelangen Exzesse kosteten nur Kleingeld gegenüber dem Schaden, den Scourfield in seiner Bank anrichtete. Denn als Gegenleistung für Prostituierte und glamourösen Lebensstil zeigte sich der Manager sehr aufgeschlossen gegenüber den Freunden und Kunden von Mills.

Faule Kredite 

Geschäftsleuten, deren Firmen in ernsten Schwierigkeiten steckten und die dringend frisches Geld benötigte, mussten Mills für viel Geld als "Berater" anheuern. Dann gewährte Lynden Scourfield großzügig Kredite. "Scourfield wies große Summen für diese Firmen an, und er fuhr damit fort, als es jedem ehrlichen Bankier längst klar sein musste, dass diese Schulden niemals zurückgezahlt werden konnten", sagte der Ankläger Brian O’Neill QC dem Gericht. Auch Mills bediente sich. Auf Konten von ihm, seiner Frau Allision und ihren Firmen flossen mehr als 28 Millionen.

Ahnungslose Kunden ausgeplündert

Andere Bankkunden mussten die Dienste von Mills und seiner Firma annehmen, um einen Kredit zu bekommen. Ein typischer Raubzug: Joanne Dove hatte eine Firma für Bio-Windel gegründet. Das Geschäft lief ausgezeichnet, also wollte sie im Jahr 2003 expandieren und benötigte dafür einen Kredit in Höhe von 400.000 Pfund. Lynden Scourfield bewilligte das Geld, bestand aber darauf, dass die ahnungslose Dove einen Vertrauten von Mills als Direktor einstellte. Der plünderte die Firma systematisch aus. Dem Kriminellen konnte die Geschäftsfrau nichts entgegen setzen. Als Dove ihr viertes Kind erwartete, wollte er sie mit Drohungen dazu bringen, ihm die Mehrheit der Firma zu übergeben. "Ich fühlte mich wie eine Geisel. Da wühlte auf einmal ein riesiger Parasit im Bauch meiner Firma." Sie wusste nicht mehr weiter und verkaufte ihre Anteile an einen Mitbewerber für einen Bruchteil des Wertes.

Joanne Dove verlor alles, ihre Ehe ging zu Bruch, ihre Firma gehörte ihr nicht mehr. Wegen der Schulden verlor sie ihr Haus und ihre Lebensversicherung. Die preisgekrönte Unternehmerin lebt nun mit ihren Kindern in einer Sozialwohnung.

Keine interne Überprüfung

Gegenüber den Kreditnehmern sollen sich die Angeklagten wie die "Mafia" aufgeführt haben. Mit Drohungen und Einschüchterungen brauchten sie diese dazu, ihnen Zugriff auf Werte und Bankkonten zugeben.  Aber nicht als Sicherheit für die Bank. Sie verprassten das Geld oder fütterten ihre Schneeballgeschäfte damit. Möglich wurde dieser Irrsinn nur, weil die Kreditvergabe durch Top-Manager wie Scourfield in der Bank nicht weiter überprüft wurden. Als der Manager Tom Angus die Konten der Bank im Juli 2006 begutachtete, musste er feststellen, dass 38 Firmen irreguläre Krediten erhalten hatten, alle wurde von Scourfield kontrolliert. Die Gesamtsumme der faulen Kredite belief sich auf 375 Millionen Pfund.

Insgesamt ein Schaden von einer Milliarde Pfund

Am Ende musste das meiste Geld abgeschrieben werden. Die Lloyds Banking Group übernahm HBOS und musste 250 Millionen Pfund abschreiben und erhielt dafür eine Finanzspritze von 20,5 Millionen Pfund aus der Steuerkasse. 245 Millionen des Verlusts gingen auf das Konto von Scourfield. Das ist aber nur die Summe, über die verhandelt wurde. Schäden, die Opfer wie  Joanne Dove erlitten haben, wurden nicht berücksichtigt. Opfervertreter und Polizei schätzen den Gesamtschaden auf über eine Milliarde Pfund. Nach einem viermonatigen Prozess vor dem Krongericht in Southwark sind Scourfields Komplizen für schuldig befunden wurden, er selbst hatte in dem Prozess seine Schuld nicht bestritten. Das Strafmaß wird noch bekannt gegeben.

Prozess gegen die Bank wahrscheinlich

Nach dem Skandal um den betrügerischen Manager wird nun die nächste Prozesswelle erwartet. Vor den geschädigten Kunden wurde das Desaster offenbar systematisch verborgen. Ihnen versicherte HBOS, sie müssten sich nicht um Mills' Firmen sorgen, obwohl gegen Scourfield schon ermittelt wurde. Viele Kunden sind ruiniert und mussten wie Dove ihr Haus verkaufen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen.


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