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Deutsche Wohnen: Berliner Großvermieter vermeldet Rekordgewinn - und will die Mieten weiter erhöhen

Ein Volksbegehren fordert die Enteignung, doch die Deutsche Wohnen macht weiter kräftig Kasse: Dank steigender Mieten vermeldet der Berliner Großvermieter fette Gewinne. Während die Mieter stöhnen, können sich die Aktionäre über eine höhere Dividende freuen.

Berliner Mieter protestieren gegen den Verkauf von Mietwohnungen an die Deutsche Wohnen

Berliner Mieter protestieren gegen den Verkauf von Mietwohnungen an die Deutsche Wohnen

DPA

Der Großvermieter Deutsche Wohnen ist in Berlin zum Symbol für überhöhte Mieten geworden. "Deutsche Wohnen & Co enteignen - Spekulation bekämpfen", lautet der Schlachtruf des Volksbegehrens, mit dem die Initiatoren die Politik zwingen wollen, für eine "soziale Wohnungsversorgung" zu sorgen. 

Die Geschäftszahlen, die die Deutsche Wohnen nun vorgelegt hat, werden sicher nicht für Entspannung in der emotionalen Debatte sorgen. 2018 legte der operative Gewinn (Funds from Operations 1, kurz FFO1) im Jahresvergleich um elf Prozent auf knapp 480 Millionen Euro zu, wie das MDax-Unternehmen am Dienstag in Berlin mitteilte. Und auch in diesem Jahr setzt der Wohnungskonzern auf höhere Gewinne durch steigende Mieten.

Vorstandschef Michael Zahn sagte am Dienstag voraus, dass sich die Mieten in den 160.000 Konzernwohnungen durchschnittlich um drei Prozent erhöhen werden. Der operative Gewinn werde um zwölf Prozent auf 535 Millionen Euro zulegen, sagt Zahn bei der Vorlage der Jahresbilanz. "Hauptantriebskräfte sind Mietenwachstum und die volle Wirkung von Zukäufen des vergangenen Jahres."

Größter und umstrittenster Vermieter Berlins

Deutsche Wohnen ist mit 112.000 Wohnungen in Berlin der größte private Vermieter der Hauptstadt. Mehrere Tausend Einheiten hält sie unter anderem im Rhein-Main-Gebiet, Dresden und Leipzig sowie Hannover und Braunschweig. In Berlin steht der börsennotierte Konzern besonders in der Kritik. Eine Initiative sammelt Unterschriften für ein Volksbegehren, das fordert, große Immobilienunternehmen zu enteignen.

Zahn sagte: "Enteignung schafft derzeit viel Emotionen, aber keine einzige Wohnung." Sein Konzern vermiete Wohnungen, die bezahlbar für weite Teile der Bevölkerung seien. Im Schnitt mäßen sie 60 Quadratmeter und kosteten monatlich 580 Euro warm, bei modernisierten Wohnungen 800 Euro. "Wohnen ist eine der großen sozialen Fragen unserer Zeit", sagte Zahn. Sein Unternehmen wolle sich stärker in die Diskussion einbringen. Die Bestandsmiete liegt bei 6,70 Euro kalt, bei Neuverträgen sind es 9,08 Euro.

Kritiker bemängeln etwa, dass das Unternehmen drei mal so viel Geld investiere, um Wohnungen energetisch zu modernisieren als um sie instandzuhalten - Modernisierungskosten können auf die Miete umgelegt werden. Finanzchef Philip Grosse kündigte an, dieses Verhältnis nicht zu ändern. Zahn sagte: "Klimaschutz gibt es nicht umsonst."

Aktionäre erhalten höhere Dividende

Unterm Strich verdiente die Deutsche Wohnen im vergangenen Jahr 1,9 Milliarden Euro, sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Davon sollen die Aktionäre profitieren: Das Management will die Dividende auf 87 Cent je Aktie erhöhen, nach 80 Cent im Vorjahr.

Wie sehr die Mieten in der Hauptstadt steigen hänge auch davon ab, wie im Mai der neue Mietspiegel ausfalle, sagte Zahn. Deutsche Wohnen geht bei seiner Prognose davon aus, dass die ortsübliche Vergleichsmiete um fünf Prozent steigt.

Steige sie stärker, könnten auch die Mieten bei der Deutsche Wohnen stärker steigen, erklärte Finanzchef Philip Grosse auf eine entsprechende Frage von Banken. Verglichen mit westdeutschen Großstädten habe Berlin noch viel Aufholpotenzial.

Im vergangenen Jahr waren die Mieten konzernweit um 3,4 Prozent gewachsen, in Berlin um 3,6 Prozent. Der operative Gewinn (FFO1) legte um elf Prozent auf knapp 480 Millionen Euro zu, wie das MDax-Unternehmen am Dienstag mitteilte. 

Pärchen in neuer Wohnung
bak / DPA
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