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Pläne der Ampel-Koalition Mietpreis-Revolution nach schwedischem Vorbild: So soll sich künftig der Preis für die Mietwohnung berechnen

Warme Wohnung, besserer Klimaschutz: So will die Ampelkoalition die Miete revolutionieren
Warme Wohnung, besserer Klimaschutz: So will die Ampelkoalition die Miete revolutionieren
© Maryviolet / Getty Images
Aus Kaltmiete und Nebenkosten ergibt sich der Mietpreis, der gezahlt werden muss. Nach Plänen der neuen Ampel-Koalition sollen Vermieter künftig eine Teilwarmmiete angeben. Das habe Vorteile für alle: für Mieter, Vermieter und das Klima. In Schweden funktioniert das bislang sehr erfolgreich.

Wer auf der Suche nach einer neuen Wohnung ist, stolpert ausschließlich über die Kaltmieten. Diesen Betrag zahl man dem Wohnungsbesitzer. Darin eingeschlossen sind meist die "kalten" Nebenkosten, also die Ausgaben für die Treppenhausreinigung oder den Winterdienst. Bei einigen Mietwohnungen rechnet man auch die Versorgung für die warme Wohnung direkt mit dem Vermieter ab. Meist dann, wenn eine Öl-Heizung vorhanden ist. Heizt der Mieter allerdings mit Gas, schließt er einen Vertrag mit einem Versorgungsunternehmen und rechnet seine Kosten selbst ab.

So weit, so uneinheitlich. Denn die Kosten für eine warme Wohnung unterscheiden sich immens. Schnell kann aus einer machbaren Kaltmiete so eine sehr teure Wohnung werden. Und: Die Vermieter haben bei diesem Modell wenig Anreiz, das Haus energetisch zu sanieren. Wenn die schlechte Dämmung der Außenfassade dazu führt, dass der Mieter den Gehweg mitheizt und so sehr hohe Kosten hat, ist es dem Vermieter ja herzlich egal. 

Neues Mietmodell

Allerdings muss jeder seine Wohnung heizen. Es mag bei der Wohlfühltemperatur Unterschiede geben, aber niemand sitzt gerne in einer 14 Grad kalten Wohnung im tiefsten Winter. Als Faustformel gelten 20 Grad als Richtwert für eine angenehme Temperatur in der Wohnung.

Und um die wird es künftig auch bei der Berechnung der Mietpreise gehen. Denn die neue Ampel-Koalition hat angekündigt, dass sie die Einführung der sogenannten Teilwarmmiete einführen will. Vermieter müssen dann ihre Wohnung dann beheizt anbieten. So sollen Vermieter mehr Anreiz haben, alte Heizungen und schlecht gedämmte Außenfassaden zu modernisieren. Mieter zahlen dann für eine Wohnung, die statistisch auf 20 bis 22 Grad geheizt ist. Soll es wärmer sein, zahlen sie den Differenzbetrag. 

So funktioniert die Warmmiete

Die Idee ist nicht neu, in Schweden wurde auf diesem Weg die Klimabilanz von Wohngebäuden verbessert. Das Prinzip funktioniert so: Mieter und Vermieter einigen sich auf eine Raumtemperatur und eine Warmmiete. Macht der Vermieter nichts an der Immobilie, zahlt der Mieter nach, wenn er es wärmer haben wollte. Oder er bekommt eine Rückzahlung, wenn er weniger geheizt hat. Das allerdings ändert sich durch eine energetische Sanierung: Sinkt der Verbrauch dann durch Baumaßnahmen wie neue Fenster oder eine Fassadendämmung, landet die zu viel gezahlte Miete beim Vermieter. Er profitiert also direkt durch bessere Dämmung. Und durch den gesunkenen Referenzverbrauch mit Rück- und Nachzahlung ist das Energiesparen jedoch auch im Interesse der Mieter. 

"Seit 2000 hat Schweden 95 Prozent des CO2-Ausstoßes im Gebäudesektor reduziert", sagte Leo Reutter vom Institut für Wirtschaftsrecht der Universität Kassel der "HNA". Die Universität legte gemeinsam mit dem Denk- und Politik-Labor "Agora Energiewende" schon 2020 einen Vorschlag dazu vor. "Der von Januar 2021 an geltende CO2-Preis auf Erdgas und Heizöl muss durch ein Warmmieten-Konzept ergänzt werden. Nur so können wir Vermietern den Anreiz geben, energetische Sanierungsmaßnahmen vorzunehmen", sagt Patrick Graichen, Direktor von "Agora Energiewende". "Das jetzige System, das die Heizkosten an die Mieter weiterreicht und gleichzeitig pauschale Mieterhöhungen nach Sanierungen erlaubt, ist überholt und gehört abgeschafft." 

Wie und wann genau eine Umstellung auf die Teilwarmmiete auf Mieter und Vermieter zukommt, ist noch unklar. Auch die Frage nach bisherigen Fördermodellen, wie der Modernisierungsumlage, ist noch nicht klar. Eine aktuelle Studie des gemeinnützigen Öko-Instituts kommt daher auch zum dem Teilfazit, dass die Wirkung dieses Systems stark von den Modellen abhängt. Die Experten führen an, dass eine möglich Weiterentwicklung auch bedeuten könnte, dass Mieter künftig die Miete mindern dürften, wenn energetische Mindeststandards nicht eingehalten werden. Auch das Einbinden der energetischen Gebäudequalität in den Mietspiegel sei denkbar. 

kg

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