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Drohende Zwangsversteigerung Kölner Mieter wehren sich gegen Immobilienhaie


Ihr Haus soll zwangsversteigert werden, aber auf profitgierige Investoren haben die Bewohner der Robertstraße in Köln-Kalk keine Lust. Sie machen mobil, um ihr geliebtes Heim selbst zu kaufen.
Von Daniel Bakir

Das Haus in der Robertstraße 12 ist nicht einfach nur ein altes Gebäude, das sieht man schon von außen. An der Fassade des fünfgeschossigen Altstadtbaus in Köln-Kalk hängen Transparente, auf denen steht: "Here to stay" und "Finger weg von unseren Häusern. Die Stadt gehört uns". Am 26. März soll das Haus zwangsversteigert werden. Der normale Gang der Dinge wäre: Ein Investor erwirbt das Objekt in dem aufstrebenden Stadtteil, saniert es gründlich, erhöht die Miete noch gründlicher - und die jetzigen Bewohner können gucken, wo sie bleiben. So geschieht es in Hamburg, in Berlin oder eben in Köln.

In der Robertstraße 12 aber soll es anders laufen. Die Bewohner sind ein verschworener Haufen. Fünf Parteien mit 14 Personen leben hier - Studenten, Lehrer, Sozialarbeiter oder Zweiradmechaniker - und sie alle bilden eine enge Hausgemeinschaft. Es gibt eine Küche für gemeinsame Mahlzeiten, ein Gästezimmer, das alle nutzen können und im Dachgeschoss ein großes Gemeinschaftswohnzimmer. "Wir sind alle miteinander befreundet", sagt Johannes Schmitt, ein 29-jähriger Design-Student. Es wird sogar solidarisch Miete gezahlt, das heißt, jeder zahlt so viel er kann, bis der Gesamtbetrag voll ist.

Mindestens einmal in der Woche diskutiert die Gemeinschaft der "R12", wie sie ihr Haus nennt, gemeinsame Themen im Plenum. Als das Schreiben vom Amtsgericht mit dem Termin der Zwangsversteigerung kam, entschied die Hausgemeinschaft: Wir versuchen, das Haus selbst zu kaufen, damit wir weiter zusammen wohnen können.

Kaputte Elektrik, fehlende Sanitäranlagen, lose Dachziegel

Was es heißt, die Verantwortung für das Haus zu tragen, wissen die Bewohner der "R12" sowieso schon. Die derzeitigen Vermieter, eine Erbengemeinschaft, kümmert sich nicht, sodass die Hausgemeinschaft Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten in Eigenregie durchführt. Elektrik erneuern, Sanitäranlagen installieren, Dachziegel ausbessern - es ist in den vergangenen Jahren viel Schweiß und Herzblut in das Hausprojekt geflossen. Und mehr wird nötig sein: Das Haus ist von 1901, geheizt wird noch mit Kohleöfen, das Dach ist ungedämmt, die Fenster sind einfach verglast. "Wir haben uns damit arrangiert, dass die Vermieter nichts machen, und das macht das Haus auch aus, dass hier alles gemeinsam passiert", sagt Schmitt.

Um diesen Weg weitergehen zu können, wirbt die "R12" derzeit über eine eigens eingerichtete Homepage um Hilfe. Wer das Projekt mit einem günstigen Direktkredit oder einer Spende unterstützen will, findet dort alles Wesentliche. Ziel ist die Gründung eines Vereins nach den Bestimmungen des Mietshäusersyndikats, einer überregional aktiven Initiative zur Gründung selbstorganisierter Hausprojekte. "Die Unterstützung ist überwältigend", sagt Schmitt. Zu einem Infotreffen vor einigen Tagen seien 50 Leute gekommen. Neben mehreren Privatkrediten haben die Bewohner mittlerweile auch die Kreditzusage einer Bank. Eine Summe will Schmitt nicht nennen, um nicht zu verraten, wie weit die Gemeinschaft im Bieterwettbewerb gehen kann. Der Verkehrswert des Hauses ist auf 305.000 Euro festgesetzt.

Klar ist: Es gibt andere Interessenten. In den vergangenen Wochen seien immer wieder Leute vor dem Haus aufgetaucht, um sich das Objekt anzusehen und Fotos zu schießen, erzählt Schmitt. Einige hätten auch geklingelt und versucht, sich mit einem Vorwand hereinzuschleichen. Wer sich tatsächlich mit der "R12" anlegen will, wird die Versteigerung in zwei Wochen zweigen. Sollte jemand anderes die Hausgemeinschaft überbieten, kann sich der neue Eigentümer jedenfalls auf wehrhafte Mieter einstellen. "Investoren muss klar sein, dass sie uns hier nicht so einfach wegbekommen", sagt Schmitt. "Wir wollen alle bleiben."

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