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Von wegen Milliarden-Deal: 100.000 statt eine Milliarde Dollar: Die irre Geschichte des "wertvollsten Grundstücks der Welt"

"The Mountain" - so nannte man das mit einem Kaufpreis von einer Milliarde Dollar gelistete Grundstück in den Hügeln von Los Angeles. Das damit vermutlich teuerste Stück Land der Erde zog potenzielle Käufer wie Brad Pitt und Tom Cruise an. Nun wurde es zum Spottpreis verscherbelt.

Wenn man vom wertvollsten Grundstück der Welt hört, denkt man zuerst an Prachtvillen, einen Moment später vielleicht noch an Ölvorkommen oder Diamantenminen. "The Mountain" ist das alles nicht. Es handelt sich um eine unbebaute Bergkuppe. Trotzdem wurde das Grundstück bis vor kurzem um eine Milliarde Dollar gelistet. Bis es jetzt zum Schnäppchenpreis verkauft wurde.

Der hohe Preis entstand vor allem durch die enorm attraktive Lage. "The Mountain" liegt mitten in den Hollywood Hills von Los Angeles, überthront dort die Villen und Anwesen des Edelstadtteils Bel Air. Mit etwa 650.000 Quadratmeter ist die Fläche zudem größer als der Vergnügungspark Disneyland. Kein Wunder, dass sich jede Menge illustre Figuren für den Berg interessierten. Neben dam Schah von Persien hatten auch Schauspieler wie Brad Pitt und Tom Cruise das Filetstück im Blick. Und auch jede Menge dubiose Investoren.

Wem gehört der Berg?

Dass der Preis trotzdem so rasant fiel, liegt an der illustren Geschichte des Grundstücks. Lange hatte es dem amerikanischen Milliardär Mark Hughes gehört, dem Gründer des Kosmetikkonzerns Herbalife. Der verkaufte es dann an den Investor Chip Dickens, der dafür einen Kredit von 48 Millionen Dollar bei Hughes Nachlass aufnahm.

Dann wurde es kompliziert. Mehrere Personen kauften und verkauften das Grundstück. Manche erhofften sich wohl das Geschäft ihres Lebens. Doch das blieb aus. Eine Recherche des "Guardian" ergab letztes Jahr, dass eigentlich niemand das Grundstück verkaufen durfte - weil durch die zahlreichen rechtlichem Konflikte überhaupt nicht mehr klar war, wem es überhaupt gehört.

Der vor einem Jahr von einem Immobilienbüro gesetzte Preis von einer Milliarde sei ohnehin völlig überzogen, erklärte ein Experte der Zeitung. Kein unbebautes Grundstück in LA sei mehr als 100 Millionen wert. "Sie haben einfach eine Null drangehängt". Der Preis hielt sich entsprechend auch nicht lange. Schon im Frühjahr wurde er um 350 Millionen Dollar gesenkt. Trotzdem blieb es das mit Abstand teuerste Grundstück im teuren Los Angeles. 

Zwangsversteigert

Für den Spottpreis von 100.000 Dollar sorgte am Ende ein Richter. Nachdem mindestens zwei Personen wegen des Grundstücks Bankrott angemeldet hatten, entschied ein Richter, es zwangszuversteigern. 

Bei der Versteigungerung kam es zu skurillen Bildern, so die "Los Angeles Times". Zwischen entspannt gekleideten Routinebesuchern, die ein Schnäppchen bei versteigerten Familienhäusern erhofften, hätten sich plötzlich hektische Anzugträger gemischt, so die Zeitung. Die Versteigerung sei enorm schnell vorbei gewesen: Es gab nur ein Gebot. Der einfache Grund: Auf dem Grundstück haben sich mittlerweile durch nicht bezahlte Zinsen ein Schuldenberg von 200 Millionen Dollar angehäuft. Also weit mehr, als es tatsächlich wert war.

Für die Käufer macht die Entscheidung trotzdem Sinn: Es handelt sich um den Hudges-Nachlass - bei dem die Schulden aufgelaufen sind. Die Erben verzichten mit dem Kauf also nur auf Schulden, die sie ohnehin nie bekommen hätten, erhalten dafür aber das Grundstück zurück. Vielleicht ist der Berg ja bald wieder auf dem Markt.

Quellen: Guardian, Los Angeles Times, The Wall Street Journal