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Wohnungssuche in Hameln: "Leichter Zigeunereinschlag" – Genossenschaft lehnt Bewerberin mit rassistischer Bemerkung ab

Ein Vermerk über einen "leichten Zigeunereinschlag" einer Wohnungsinteressentin bringt einer Hamelner Wohnungsgenossenschaft den Vorwurf der Diskriminierung ein. Der Vorstand bittet um Entschuldigung und verspricht Aufklärung.

Luftbild von Hameln

Im Leitbild der Wohungsgenossenschaft Hameln heißt es: "Jeder, der Mitglied und Teil einer leistungsstarken und demokratischen Gemeinschaft werden will, ist willkommen"

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Eine rassistische Bemerkung auf einem Formblatt für Wohnungssuchende sorgt für heftige Kritik an der Wohnungsgenossenschaft Hameln (WGH).

Ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin der WGH hatte in der vergangenen Woche einer 68-Jährigen eine Bescheinigung über eine vergebliche Bewerbung auf eine Zweizimmerwohnung übersandt. Neben den persönlichen Daten stand nicht nur der Satz "Es liegen derzeit keine Angebote vor", sondern auch die Bemerkung "1 Pers.; leichter Zigeunereinschlag; besser nichts anbieten" – offenbar ein interner Vermerk, der nicht nach außen dringen sollte. Einen entsprechenden Bericht der "Deister- und Weserzeitung" über den Vorfall bestätigte WGH-Vorstand Heinz Brockmann dem stern.

Hamelnerin ist "sprachlos"

"Ich war sprachlos." Die Hamelnerin reagierte im Gespräch mit der Lokalzeitung empört: "Das gibt es doch gar nicht in der heutigen Zeit!" Ihre Mutter und andere Familienmitglieder seien in der NS-Herrschaft als "Zigeuner" verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt oder von den Nazis ermordet worden. Die rassistische Bemerkung trifft sie damit umso mehr.

Der Begriff "Zigeuner" ist nach Angaben des Zentralrats der Sinti und Roma "eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft, die von den meisten Angehörigen der Minderheit als diskriminierend abgelehnt wird". Er sei "untrennbar verbunden mit rassistischen Zuschreibungen." Die Bezeichnung der Gruppe als "Sinti und Roma" sei vorzuziehen. "Dieses ureigenste Recht auf Selbstbestimmung sollte respektiert werden."

Doch selbst bei einem Verzicht auf den Begriff "Zigeuner" wäre die Anmerkung der WGH nicht weniger diskriminierend, wird durch sie doch einem Menschen aufgrund seiner Herkunft der Zugang zu einer Wohnung verwehrt. "Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität" sind laut Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz verboten.

"Kein Platz für Diskriminierung und Rassismus"

WGH-Vorstand Brockmann weiß um die verletzende Wirkung der Bemerkung und ist zunächst einmal ratlos: "So etwas darf nicht passieren. Wie die Anmerkung zustande gekommen ist, entzieht sich noch unserer Kenntnis", sagt er spürbar betroffen im Gespräch mit dem stern. "Wir werden das schnellstmöglich aufklären."

Klar sei, dass es in der WGH keinen Platz gebe für "jegliche Form von Diskriminierung oder Rassismus". "Wir haben Mieter aus 22 Nationen und vergeben unsere Wohnungen unabhängig von Ethnie, Religion oder Herkunft an alle Bevölkerungsgruppen", versichert er. "Jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin sind die Anti-Richtlinien-Gesetze bekannt."

In einer außerordentlichen Sitzung am Donnerstagabend soll der Aufsichtsrat über Konsequenzen aus der Bemerkung entscheiden. "Außerdem werde ich das Gespräch mit der Betroffenen suchen und in aller Form um Entschuldigung bitten", so Brockmann weiter.

+++ Lesen Sie hier: "Diskriminierung – Rassismus im Alltag: So habe ich ihn erlebt – und so wehre ich mich dagegen +++

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Quellen: "Deister- und Weserzeitung" (kostenpflichtiger Inhalt), Wohnungsgenossenschaft Hameln, Allgemeines GleichbehandlungsgesetzZentralrat der Sinti und Roma