Immenser Tagesverbrauch 25 Badewannen Wasser für jeden Deutschen


Es klingt unglaublich. Doch laut einer Studie der Umweltschutzorganisation WWF verbraucht jeder Deutsche an jedem Tag durchschnittlich eine Wassermenge, mit der man rund 25 Badewannen füllen könnte. Obwohl Deutschland ein wasserreiches Land ist, wird zudem indirekt viel Wasser über Produkte aus trockenen Regionen der Welt importiert.

Deutschland hat laut einer neuen Statistik 2004 dreimal so viel Wasser verbraucht wie der Bodensee fasst. Eine am Montag veröffentliche Studie des WWF beziffert den sogenannten Wasserfußabdruck Deutschlands mit 159,5 Kubikkilometern. Die Hälfte dieser Menge wurde demnach importiert. Der Direktverbrauch der Menschen in Deutschland sei mit 124 Litern pro Person und Tag zwar deutlich zurückgegangen. Indirekt liege der Verbrauch aber bei 5288 Litern pro Person und Tag, weil bei der Produktion von in Deutschland konsumierten Gütern sehr viel Wasser verdunste, verbraucht oder verschmutzt werde. Das entspreche etwa 25 Badewannenfüllungen, womit sich Deutschland im europäischen Vergleich im oberen Drittel befinde.

73,7 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs entfallen auf die Landwirtschaft. Die Industrie verbrauchte 22,8 Prozent, die privaten Haushalte nur 3,4. Obwohl Deutschland ein wasserreiches Land sei, habe es vor allem über landwirtschaftliche Produkte wie Kaffee, Kakao, Baumwolle oder Soja indirekt knapp die Hälfte seines Wasserfußabdrucks - nämlich 79,5 Kubikkilometer - importiert. Die größte Menge Wasser stammt aus Brasilien, der Elfenbeinküste und Frankreich.

Kritik: Importe aus wasserarmen Ländern

Der WWF kritisiert die Importe aus wasserarmen Ländern, unter anderem aus Brasilien, Indonesien, Indien, der Türkei, Spanien und Italien, die teilweise regelmäßig mit Wassermangel, Dürren und Trockenheit zu kämpfen hätten: Man könne davon ausgehen, dass die Hälfte der aus dem Ausland stammenden Erdbeeren oder Zitrusfrüchte mit Wasser aus illegalen Brunnen produziert werde. Wasserintensive Landwirtschaft in Regionen wie der Serengeti in Afrika oder dem Zuflussgebiet des Mekong in Asien hätten drastische Auswirkungen auf die ökologische Vielfalt und die Bevölkerung.

Von der Bundesregierung verlangt der WWF, dass sie die Entwicklungszusammenarbeit nutzt, um Anreize für eine maßvolle und legale Bewässerung zu setzen. Es gehe nicht darum, die Produktion einzustellen, sondern sie effektiver zu gestalten. In Indien sei es beispielsweise geglückt, durch bessere Anbautechniken bei der Baumwollproduktion 30 bis 40 Prozent des Wasserverbrauchs einzusparen. Außerdem sollten innerhalb Europas Agrar-Subventionen nur ausgezahlt werden, wenn ein verantwortungsvoller Umgang mit Wasserressourcen nachweisbar sei. Unternehmen sollten Regionen mit effizienter Wassernutzung bei der Rohstoffproduktion vorziehen. Große Supermärkte würden sich nicht generell gegen Wasserschutzmaßnahmen sperren, denn mögliche Versorgungsengpässe durch Wassermangel stellten auch für sie ein Risiko dar. Das Problem seien aber die hohen Kosten, die bei einer Analyse des Wasserverbrauchs anfallen würden.

Dennoch hofft der WWF, dass Produktion mit hohem Wasserverbrauch - genau wie solche mit Kinderarbeit - sich in Zukunft nicht mehr rentiert. Dazu könnten die Verbraucher beitragen, beispielsweise indem sie weniger Fleisch konsumierten und ihren Warenkorb mit Produkten der Saison und Region füllten. Die "durstigsten" Produkte seien Baumwolle, Reis und Zucker.

DPA DPA

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