Immobilienfinanzierung Deutsche streben zum Eigenheim


Die Nachrichten für künftige Bauherren und Wohnungskäufer klingen schlecht. Dennoch bauen viele Deutsche an ihrem Traum vom Eigenheim.

Die Eigenheimzulage gestrichen, die Zinsen erstmals seit Jahren erhöht und die Mehrwertsteuer vor einem kräftigen Sprung nach oben - die Nachrichten für künftige Bauherren und Wohnungskäufer klingen schlecht. Ihren Wunsch nach dem eigenen Zuhause wollen viele Deutsche nach Meinung von Experten trotzdem nicht aufgeben. Ganz im Gegenteil: Viele werden in den kommenden Jahren erst recht Immobilien bauen und kaufen. "Die Nachfrage wird zunehmen", sagt Erich Gluch, Experte für Bau- und Immobilienwirtschaft beim ifo Institut.

Ausgerechnet die ungünstig scheinenden Veränderungen werden als das lang erwartete "grüne Licht" für den Markt angesehen. Der Wegfall der Eigenheimzulage führe beispielsweise zu sinkenden Baupreisen, sagt Gluch. "Es war schon immer so, dass die staatliche Förderung auf den Preis aufgeschlagen wurde." Die Unternehmen hätten die Bau-Zulage in ihren Angeboten praktisch eingepreist. Auch die Bauindustrie findet den Schlussstrich unter der staatlichen Förderung nicht unbedingt schlecht fürs Geschäft: "Der Wohnungsbau hat sehr gelitten unter der Zulagen-Diskussion", sagte Heiko Stiepelmann, Chefvolkswirt beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.

Die Mehrwertsteuererhöhung bringt einen deutlichen Vorzieheffekt

Die kürzliche Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank bewertet Gluch ebenfalls positiv, obwohl einige Experten sie als Vorbote für höhere Bauzinsen interpretierten. "Falls es demnächst zu weiteren Zinsschritten nach oben käme, wäre das ein Stimulator für die Nachfrage." Erstmals seit Jahren steigende Zinsen signalisierten Bauwilligen, dass es Zeit zu Handeln sei. "Die Kunden hatten sich ja geradezu an die historisch niedrigen Zinsen gewöhnt", sagt Uwe Kirchner von der Deutschen Genossenschafts-Hypothekenbank (DG Hyp). Ohnehin hat der kurzfristige Zentralbankzins in der Regel keine Auswirkungen auf die langfristigen Bauzinsen.

Selbst die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte, im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung für 2007 vorgesehen, macht der Branche Hoffnung. "Das bringt uns 2006 einen deutlichen Vorzieheffekt", sagt Achim Hannott vom Bundesverband Deutscher Fertigbau. Die daraus resultierende höhere Nachfrage - auch in anderen Wirtschaftsbereichen - wirke sich positiv auf die Konjunktur aus und somit auch auf das zukünftige Geschäft. So müsse man dann auch für 2007 nichts Schlimmes fürchten, sagt Hannott.

Die Baubranche wird es auch 2006 nicht ins Plus schaffen

Viel wichtiger für die Immobiliennachfrage als niedrige Zinsen oder staatliche Förderung seien ohnehin die persönlichen Einkommen. Nur wer Geld habe, könne auch ein Haus bauen oder eine Wohnung kaufen, sagt Gluch. "Und die Entwicklung der Einkommen wird in Zukunft auf jeden Fall günstiger sein als in den vergangenen zehn Jahren." Ähnlich sieht es Walter Weiler, Chefmathematiker bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall: "Letztlich zählt die wirtschaftliche Entwicklung - und da geht es derzeit nach oben."

Doch nicht alle Experten schätzen die Lage so positiv ein. Karl Robl, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbe, kann insbesondere der Streichung der staatlichen Förderung keine gute Seite abgewinnen: "Wenn die Eigenheimzulage wegfällt, dann können viele nicht bauen." Ähnliches gilt seiner Meinung nach für steigende Zinsen: Schon die Erhöhung um einen Prozentpunkt erhöhe die Baukosten um zehn Prozent. Und ein Vorzieheffekt bedeute, so Robl skeptisch, "dass sich 2007 die Auftragslage verschlechtert".

Aber auch wenn die positiven Effekte eintreten, ist fraglich, ob sie der seit Jahren kränkelnden Baubranche tatsächlich auf die Beine helfen können. "Wir gehen davon aus, dass der Wohnungsbau die Trendwende auch 2006 nicht hinbekommt", sagt Stiepelmann. Er bleibe die einzige Bausparte, die es im kommenden Jahr wieder nicht ins Plus schaffe.

Marco Mierke/DPA


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