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Rekord-Leerstand: Bauskulptur wider Willen

Wenn in Frankfurt abends die Lichter angehen, bleibt im Westhafen-Tower alles dunkel. Seit seiner Fertigstellung Ende 2003 steht das Gebäude leer - eine Art Bauskulptur wider Willen.

Der verglaste grüne Turm ist ein Symbol für das dramatische Überangebot an Büroflächen in Deutschlands einziger Großstadt mit Skyline. Der Leerstand in Frankfurt ist inzwischen auf einen historischen Rekordanteil von 17 Prozent geklettert. Damit dürfte zwar der Spitzenwert erreicht sein, doch eine Umkehr des Trends zeichnet sich bisher nicht ab.

Vor fünf Jahren auf dem Höhepunkt der New Economy sah die Situation noch ganz anders aus. "Die Nachfrage war außer Rand und Band", erinnert sich Oliver Obert, beim Immobilienmakler Jones Lang LaSalle zuständig für den Frankfurter Vermietungsmarkt. Zahlreiche neue Büroimmobilien wurden "spekulativ" - das heißt ohne einen festen Mieter - gebaut. Doch nach dem Platzen der Internet-Blase traten die Großbanken auf die Kostenbremse und strichen Tausende ihrer gerade erst geschaffenen Stellen. Die Neubauten erwiesen sich als gigantische Fehlkalkulation. Nur ein neuer Wachstumsschub könnte Abhilfe schaffen.

Umzugswillige Firmen sind Nutznießer der Situation

Im vergangenen Jahr ging der Umsatz der vermieteten Bürofläche in Frankfurt gegenüber 2003 noch einmal um 37 Prozent zurück, die Spitzenmiete in der so genannten "Bankenlage" sank um sechs Prozent auf 33 Euro pro Quadratmeter (2001: 48,57 Euro). Nach Angaben von Jones Lang LaSalle wurde kein einziger Mietvertrag über mehr als 10.000 Quadratmeter abgeschlossen.

Allerdings gibt es auch Nutznießer dieser Situation: Umzugswillige Firmen, die ihre miefigen Büros in Nachkriegsbauten gegen eine helle neue Arbeitsumgebung mit allen Schikanen eintauschen wollen - Mietfreiheit von bis zu zwei Jahren inklusive. Ein bisschen Hoffnung machen den Immobilienmaklern dabei auch Unternehmen, die auf Grund der niedrigen Mieten eine Rückkehr aus der Trabantenstadt Eschborn vor den Toren der Stadt in die City in Erwägung ziehen.

"Skyper" beherbergt lediglich einen Mieter

Im internationalen Vergleich hinterlässt die Frankfurter Skyline einen eher beschaulichen Eindruck. Addiert man die Höhe aller Gebäude über 90 Meter, landet die Mainmetropole nur auf Platz 43 - weit abgeschlagen hinter der chinesischen Partnerstadt Guangzhou auf Platz 17, die hier zu Lande kaum einer kennt. Umso unangenehmer ist es für den deutschen Finanzplatz, dass hinter pompösen Fassaden wie der des Messeturms leere Stockwerke gähnen. Auch für den "Skyper", einen brandneuen, 153 Meter hohen Wolkenkratzer, konnte sich bisher nur eine amerikanische Anwaltskanzlei interessieren. Bleibt es dabei, wird sie einsam in den obersten drei Etagen logieren.

Die negative Entwicklung des Büromarkts hat allerdings auch Auswirkungen, die angesichts des hohen Leerstands auf den ersten Blick kaum jemand für möglich halten würde: So führte die Aufgabe externer Büroflächen bei der Deutschen Bank dazu, dass mehr Mitarbeiter in die Zentrale - die Zwillingstürme inmitten des Frankfurter Bankenviertels - wechselten und es in den dortigen Großraumbüros immer enger wird. Offiziell bestätigt die Bank diesen Effekt zwar nicht, doch bei den Mitarbeitern hat er praktische Konsequenzen: "Ich gehe jetzt immer früher in die Kantine", berichtet ein Volkswirt. "Sonst wird es mir zu voll."

Alexander Missal/DPA