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Wertsicherungsklausel: Mieten könnten deftig steigen

Derzeit stöhnen Verbraucher über steigende Energiekosten und Lebensmittelpreise. Doch damit nicht genug: Für viele Mieter könnte sich demnächst auch das Wohnen verteuern - wenn ihr Mietvertrag eine so genannte Wertsicherungsklausel enthält.

Steigende Lebenshaltungskosten bedeuten oft auch steigende Miete

Steigende Lebenshaltungskosten bedeuten oft auch steigende Miete

Mieter sollten angesichts der deutlich gestiegenen Inflation ihre Mietverträge überprüfen. Enthält der Vertrag eine sogenannte Wertsicherungsklausel, passt sich die Miete dem amtlichen Verbraucherpreisindex an. Steigende Lebenshaltungkosten bedeuten also steigende Mieten.

Mieter muss über Erhöhung informiert werden

Während bei klassischen Mietverträgen der Mieter jeder Erhöhung zustimmen muss, entfällt dies bei Verträgen mit Wertsicherungsklausel. "Beide Parteien haben die Preisentwicklung mit ihrer Unterschrift bereits akzeptiert", erläutert Kai Warnecke, Rechtsexperte vom Eigentümerverband Haus und Grund. Der Vermieter habe jedoch die Pflicht, dem Mieter vorab schriftlich mitzuteilen, wenn die Indexmiete steige.

"Die Miete muss mindestens ein Jahr unverändert geblieben sein, ehe der Vermieter diese der Inflation anpassen kann", erklärt Ulrich Ropertz, Sprecher beim Deutschen Mieterbund. Zudem werde die Mieterhöhung nach der schriftlichen Ankündigung erst zum übernächsten Monat fällig. Ropertz rät Mietern, die einen Vertrag mit Wertsicherungsklausel haben, nachzusehen, welcher Vergleichsindex dabei aufgeführt sei. Zulässig ist nach Angaben des Mieterbundes bei Wohnungsmietverträgen nur der vom Statistischen Bundesamt ermittelte Preisindex für die Lebenshaltung aller Privathaushalte.

Kosten für Modernisierung trägt Vermieter

Bei Verträgen mit Wertsicherungsklausel bleiben ortsspezifische Preisentwicklungen generell unberücksichtigt. Die gleichzeitige Vereinbarung von Indexmiete und ortsüblicher Vergleichsmiete sei nicht möglich, sagt Warnecke. Ob mit der Indexmiete eher der Vermieter oder der Mieter finanziell besser gestellt werde, sei eine Frage des Standorts der Mietwohnung. "Ob es sich für Vermieter lohnt, hängt ausschließlich damit zusammen, wie sich der Rest der Mieten entwickelt", sagt Warnecke.

Vermieter in München hätten mit einer Indexmiete weniger Freude, weil dort die Mietpreisentwicklung eher über der Inflationsrate liege. "In Ostdeutschland kann es dagegen anders aussehen", sagt Warnecke. Vermieter, die sich für einen Vertrag mit Wertsicherungsklausel entscheiden, können zudem Kosten für Modernisierungen nicht auf die Mieter umlegen. "Das ist bei klassischen Mietverträgen für einen Teil der Sanierungskosten möglich, bei der Indexmiete aber völlig ausgeschlossen", sagt Warnecke. Vermieter, die eine energetische Sanierung planten, sollten daher von der Indexmiete Abstand nehmen.

Wolfgang Müller/AP / AP