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Wettbewerb: Der Kampf um die begehrte Wohnung

Gerade in den hart umkämpften Wohnungsmärkten der Großstädte sind Wohnungsbesichtigungen kein Zuckerschlecken und die Atmosphäre gleicht einem Bewerbungsgespräch. Mit einigen Tricks klappt es trotzdem.

Eine Wasserpistole und ein kurzer Wortwechsel gaben den Ausschlag: Als Stefan Schädel und Maja Ebel eine 100-Quadratmeter Altbauwohnung in Düsseldorf besichtigen wollten, traf sie vor der Tür ein kräftiger Wasserstrahl. Zwei Kinder hatten sich mit Wasserpistolen hinter der Mülltonne postiert. Das junge Paar plauderte kurz mit den beiden und hatte sie wenig später auch schon wieder vergessen. Am Tag darauf kam der Anruf der Vermieterin: "Sie haben die Wohnung." Erst viel später erfuhr das Paar, dass es in den Kindern Fürsprecher gefunden hatte. Sie waren die Enkel der Vermieterin.

Private Vermieter oft konservativ

Nicht immer laufen Besichtigungstermine so glimpflich ab wie bei den beiden Düsseldorfern. Gerade in den hart umkämpften Wohnungsmärkten der Großstädte sind Massenbesichtigungen die Regel. Da fällt es schwer, dem Vermieter oder Makler überhaupt in Erinnerung zu bleiben. "Gerade bei privaten Vermietern entscheiden der persönliche Eindruck und klassische Werte", sagt Claus Deese vom Mieterschutzbund Recklinghausen.

"Wohnungsbesichtigungen gleichen oftmals einem Bewerbungsgespräch. Also sollte man sich auch als Person darstellen, sich ordentlich kleiden und Engagement zeigen", rät Deese. Gerade jungen Leuten werde beispielsweise gerne unterstellt, sie können oder wollen keinen Flur putzen. "Da darf ruhig auch mal geflunkert und gesagt werden, man habe einen Putzfimmel", so Deese.

Keine Flunkereien beim Einkommen

Wahrheitsgemäß müssen nur zwei Fragen beantwortet werden: Über das Einkommen, also wie die Miete bezahlt wird, und mit wie vielen Personen eingezogen wird. "Wenn aber nach zwei Monaten der neue Lebenspartner hinzu kommt, kann der Vermieter einem da auch keinen Strick draus drehen", sagt Deese.

"Man muss bedenken, dass Vermieter stolz auf ihre Häuser sind. Da kann man ihnen auch schon mal Honig um den Bart schmieren", sagt auch Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin, dem Dachverband der deutschen Mietervereine. Vor allem Studenten, Auszubildende und Arbeitslose könnten mit solchen Bemerkungen und Charme einiges wettmachen. Sprüche wie "Hier passen aber gut meine Gardinen hin" könnten Vermieter unbewusst für den Mieter einnehmen.

Makler sind weniger emotional

Weniger emotional gehen nach Ansicht der Mietervereine Makler mit den leer stehenden Wohnungen um. "Nach der Besichtigung sollte sehr klar signalisiert werden, dass man die Wohnung will", sagt Ropertz. Zudem sei es hilfreich, dem Makler eine Visitenkarte mit einem entsprechenden Hinweis zu geben und einen Termin auszumachen, wann sich telefonisch erkundigt werden kann. "Makler wollen entschlossene, zahlungskräftige und unkomplizierte Mieter", so Ropertz.

Zuverlässigkeit sieht Hugo Sprenker, Landesvorsitzender des Rings Deutscher Makler (RDM) in Baden-Württemberg, als eines der wichtigsten Kriterien: "Wenn ein Interessent eine halbe Stunde zu spät zu dem Besichtigungstermin kommt, ist das für mich ein Zeichen für Unzuverlässigkeit", sagt Sprenker, der seit mehr als 20 Jahren Wohnungen und Häuser in und um Freiburg und seit einigen Jahren auch in Leipzig vermittelt.

Klare Terminabsprachen helfen

Gleiches gilt nach Ansicht von Deese auch für private Vermieter: "Wenn in der Zeitungsanzeige steht, dass Anrufe erst ab 8.00 Uhr erwünscht sind, sollte auch nicht um zehn vor acht angerufen werden", rät er. Nach der Besichtigung rät er allerdings vor "zu bravem Abwarten" ab. Klare Terminabsprachen helfen auch in diesem Fall.

Natürlich entscheidet sich ein Makler leichter bei einem Interessenten, der gekämmt und ordentlich gekleidet ist, sagt Sprenker. Viel mehr zählen für ihn jedoch Ehrlichkeit und Fairness. "Wenn mir jemand sagt, er raucht nicht, hat aber völlig gelbe Finger und eine Packung Zigaretten in der Hosentasche, schrecke ich eher zurück", erzählt der Makler. Ernsthaftes Interesse und ein bisschen Sachkenntnis sollten mögliche Mieter auch bei Maklern an den Tag legen. "Jeder ist schneller überzeugt, wenn er merkt, dass sich der Interessent ein wenig auskennt", sagt Sprenker. Eine Bemerkung über die gute Verkehrsverbindung oder den Park um die Ecke bliebe einem Makler eher in Erinnerung als stummes Umherschauen eines Interessenten.

Auch Makler müssen korrekt sein

Wenig Zweck hat es nach Ansicht des Immobilienvermittlers, Vermieter oder Makler bestechen zu wollen, um den Zuschlag zu bekommen. "Jemand, der versucht, schon bei der Wohnungsvergabe zu betrügen, ist nicht gerade ein vertrauensvoller Mieter", sagt Sprenker. Gleichzeitig warnt er auch vor unseriösen Vermittlern: "Vermieter oder Makler, die nicht einmal genau wissen, wie viel Quadratmeter die Wohnung hat oder wie die Betriebskosten abgerechnet werden, sind nicht besonders engagiert."

DPA