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Interview

Traumwohnung im Prenzlauer Berg: Hausverwalter Rolf Harms: "Der Staat ist das gierige Monster im Wohnungsmarkt"

800 Interessenten wollten eine Wohnung von ihm. Der stern sprach mit Rolf Harms, wie der Staat die Mieten unbezahlbar macht und warum die Politik den Mietern nicht hilft. Dazu verrät er die abgefahrenen Sonderwünsche von Bundestagsabgeordneten.  

Rolf Harms verwaltet Immobilien in Berlin. Seit 35 Jahren ist er im Geschäft. Nun hatte er eine Besichtigung für eine sehr begehrte, relativ günstige Wohnung am Prenzlauer Berg organisiert. Ein Bericht des RBB zeigte, wie er von dem Ansturm fast überrannt wurde. Wir sprachen mit  dem Immobilen-Profi über den Berliner-Mietmarkt.

Den ersten Teil des Interviews können Sie hier lesen:

+++ 800 Leute stürmen eine Wohnung in Berlin - nun spricht der Hausverwalter +++

Dort redet Rolf Harms über eine Wohnungspolitik, die vor allem die Interessen der Besserverdiener berücksichtigt, darüber wie wenig viele Menschen tatsächlich verdienen und er verrät, wer die begehrte Wohnung tatsächlich bekommt. 

Herr Harms, alle beklagen die Wohnungsnot. Hohe und Verdrängung. Wer ist schuld daran, dass sich viele keine Wohnung mehr leisten können?

Die Politiker schimpfen über die hohen Wohnkosten, aber der Staat ist doch das gierige Monster im Wohnungsmarkt. Die Mieter werden von den Kommunen massiv belastet, die Grundsteuer wirkt in vielen Teilen Deutschlands wie eine dreizehnte Miete. Das wissen die meisten Mieter nicht, die ahnen gar nicht, wie sehr dieser Posten sie belastet. Dazu darf man die sechs Prozent Grunderwerbssteuer nicht vergessen, die fließt auch in jede Kalkulation ein. Am Ende zahlt das alles der Mieter.

 Was kann man da machen?

Das Problem liegt auch an den niedrigen Einkommen. Wenn ich das heutige Dilemma von der Mietkostenseite aus lösen will, könnte man das Einkommen aus Mieteinnahmen von der Einkommenssteuer her steuerlich besser stellen.

Wie stellen Sie sich das vor?

Ich könnte mir vorstellen, dass der Staat, der über die Mietspiegel Mietobergrenzen gesetzlich festlegt, die Mieteinnahmen bis zu diesen Obergrenzen von der Einkommensteuer befreit. Heute muss ich von einem Mieter 14 Euro Miete nehmen, um acht Euro zu erzielen. Von den 14 Euro gehen also bis zu sechs an das Finanzamt, das darf man nicht vergessen. Hier könnte der Staat mit einer einzigen Unterschrift ein Zeichen setzen. Oder Mieten bis zu einem bestimmten Quadratmeterpreis gestaffelt steuerlich besser stellen. Bei anderen Arten von Einkommen geht das auch. Das wird bei Mieten aber nicht passieren, weil der Staat an den Mieten so viel verdient. So eine spürbare Entlastung würde ein riesiges Loch in den Haushalt reißen.

Für die Wohnung haben sich auch Mitglieder des beworben. Wir haben vorhin über das Problem der Mini-Einkommen gesprochen, als Sie erzählten, wie viele Bewerber nur ein Einkommen von weniger als 1000 Euro zur Verfügung haben. Glauben Sie, dass die Politik das Problem versteht?

Mir platzt der Kragen, wenn ich sehe, dass sich Mitglieder des Bundestages mit unrichtigen Einkommensangaben bewerben. Namen werde ich nicht sagen, aber die Papiere habe ich hier liegen. Sehen Sie, das ist auch wegen der Mietpreisbremse eine sehr preiswerte Wohnung. Eine Wohnung, die jemandem wirklich helfen könnte. Und dann habe ich hier die Anfrage, ob vor dem Haus ein Platz für ein Fahrzeug der Fahrbereitschaft des Bundestages freigehalten werden könne. Das sind die Sorgen unser Volksvertreter, das hat mit dem Leben der Menschen da draußen nichts zu tun.  

Für die Eigentümer mache ich immer kleine Zeichen auf die Bewerbungen, wen ich für geeignet halte. Aber manchmal gibt es auch einen dicken Strich – das ist ein Ausschlusskriterium.


Interview: Gernot Kramper
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