Zahlungsverzug Die Mietschulden steigen


Wirtschaftsflaute sowie anhaltend hohe Arbeitslosigkeit hinterlassen ihre Spuren auch auf dem Wohnungsmarkt. So kämpfen Vermieter mit einer wachsenden Zahl von Mietern, die ihre Miete nicht regelmäßig zahlen können oder - wollen.

Der Eigentümerverband Haus&Grund summiert die Mietschulden auf 2,2 Milliarden Euro, doch so genau weiß das niemand. Es gibt kein zentrales Register. Klar ist aber die Tendenz: "Steigend", sagt Stefan Diepenbrock von Haus&Grund. Dabei setzt sich das Gros der Mietschuldner nicht aus Sozialhilfeempfängern, Einkommensschwachen oder Arbeitslosen zusammen. Diese Bevölkerungsgruppen lassen es in der Regel nicht so weit kommen, beantragen rechtzeitig öffentliche Unterstützung. "Die Mehrzahl der Mietschuldner sind oft Mieter, die nicht zahlen wollen", meint Hans-Joachim Zillich. Er ist Vorsitzender des Arbeitskreises Hausverwaltung beim Immobilienverband Deutschland (IVD), Land Thüringen, in Meiningen.

Geld wird lieber anders ausgegeben

Zillich macht seine These daran fest, dass vor allem in den Sommermonaten und im Dezember viele Mietzahlungen offen bleiben würden. Sein Verdacht: Die Leute fahren mit ihrem Geld lieber in Urlaub oder kaufen Geschenke. Möglicherweise sind sie beispielsweise im Dezember aber auch einfach finanziell überfordert, weil die Energiekosten ungeahnte Rekordmarken erreicht haben. Wie auch immer - bleibt die Miete aus, "sollte der Vermieter unverzüglich reagieren und eine Mahnung rausschicken", sagt Zillich.

Das sieht allerdings Andreas Müller-Stein etwas anders. Der Bergheimer Anwalt rät: "Es ist immer besser, erst einmal mit dem Mieter zu reden und nach der Ursache zu fragen." So könne man gemeinsam nach Lösungen suchen. "Als Verbindungsmann kann auch ein Hausmeister dienen", meint Zillich. "Er könnte die Mahnung persönlich übergeben und zugleich die Gründe hinterfragen beziehungsweise die Miete persönlich eintreiben." Einige Wohnungsunternehmer hätten mit dieser Methode gute Erfahrungen gemacht, denn die Mieter würden direkt mit einer Person konfrontiert und nicht nur mit einem Brief - "und entsprechend peinlich ist ihnen in der Regel die Situation", so Zillich.

Vermieter setzen zunehmend auf das Gespräch

In jedem Fall sollten Vermieter ergründen, ob es sich um eine momentane Notlage handelt oder "ob der Mieter womöglich längerfristig in finanziellen Schwierigkeiten steckt", erläuterte Anwalt Müller-Stein. Zudem kann geklärt werden, welche öffentlichen Stellen, etwa Sozialamt, Schuldnerberatungsstellen oder Wohnungsamt, dem Mieter finanziell unter die Arme greifen können. "Wenn es gelingt, auf diesem Weg dafür zu sorgen, dass die Miete wieder regelmäßig fließt, ist dies der Königsweg", sagt IVD-Sprecher Jürgen Schick. Die Alternative heißt fristlose Kündigung und Räumungsklage. Das aber ist in der Regel für den Vermieter mit großem zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden.

Abzüglich der aufgelaufenen Mietschulden schlagen beispielsweise die Zwangsräumung einer 55 Quadratmeter großen Wohnung mit über 5000 Euro zu Buche, rechnet Schick vor: Neben den Mahnkosten fallen hierunter die Gerichtskosten sowie die Ausgaben für Entrümpelung und Möbeleinlagerung sowie die Ausgaben für Neuvermietung und Renovierung der Wohnung. Und die Wirklichkeit lehrt, dass entweder der Vermieter auf diesen Kosten sitzen bleibt oder sich die Schulden des Mieters weiter erhöhen. Und noch an eine Zahl erinnert Haus&Grund-Sprecher Diepenbrock: "98 Prozent aller Mietverhältnisse laufen reibungslos bis zum Schluss."

Norbert Michulsky/DDP DDP

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